Nach dem Unfall in Dülmen
Spektakel wird überprüft

Dülmen -

Der Tod eines Jährlingshengstes hat den Zuschauern des Wildpferdefangs in Dülmen die Stimmung mächtig vermiest. Nun wollen die Verantwortlichen prüfen, ob die Veranstaltung so weiterlaufen soll wie bisher.

Montag, 27.05.2013, 18:05 Uhr

Nach dem Tod
Nach dem Tod Foto: Kristina Kerstan

Phasenweise war es fast komplett still in der ausverkauften Arena. Kein Anfeuern für die Männer im Rund, kein Applaus nach einem Fang. Denn der Tod eines der Wildpferde trübte die Stimmung sowohl beim Publikum als auch bei den Fängern.

„Wir sind eindeutig der Meinung, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat“, betont Dr. Bernd Altepost , Kreisveterinärdirektor des Kreises Coesfeld am Montag gegenüber unserer Zeitung. In einer der Ecken, in die die Fänger einen kleinen Teil der Pferde zusammentreiben, um dort die Junghengste herauszufangen, hatte eine erwachsene Stute ausgekeilt. Dabei traf ihr Huf einen Jährlingshengst so unglücklich, dass das Tier tödlich verletzt wurde. Fälschlicherweise hatte der Arenasprecher in seiner Durchsage zunächst verkündet, dass eine Jährlingsstute ums Leben gekommen war.

Sie habe einen „fürchterlichen Knall“ gehört und dann das am Boden liegende Tier gesehen, erinnert sich Oberforstinspektorin Friederike Rövekamp . Tierarzt Dr. Victor Baltus von der Tierklinik Karthaus und Dr. Ursula Rehring vom Kreisveterinäramt eilten herbei, konnten jedoch nichts mehr tun.

„Der Jährling muss ganz unglücklich getroffen worden sein. Er hatte keine Atmung mehr, keinen Puls“, berichtete Rehring. Der tote Hengst sei im Anschluss nach Münster gebracht worden, dort wurde beim staatlichen Veterinäruntersuchungsamt die genaue Todesursache festgestellt, erläutert Friederike Rövekamp. Das Tier sei an einem Schädelbruch gestorben, so das Ergebnis am Montag. Ein Knochensplitter sei dabei ins Gehirn eingedrungen, ergänzt Rehring. Der Hengst sei sofort tot gewesen.

„Wir werden diesen Vorfall zum Anlass nehmen, noch einmal eine Durchleuchtung des Wildpferdefangs vorzunehmen“, erläutert Forstoberinspektorin Rövekamp. Dies war zuletzt in Zusammenarbeit mit Experten 2008 geschehen, ergänzt Altepost. Danach habe es verschiedene Veränderungen gegeben.

So wird jetzt nur noch ein reduzierter Teil der Herde in die Arena getrieben (Familienverbände ohne Jährlingshengste bleiben außen vor), die Koppel für die Hengste wurde vergrößert. Die Fänger bekommen regelmäßige Schulungen, statt eines Brandzeichens erhalten die Tiere einen Chip, die Jährlinge werden bei der Versteigerung nicht mehr einzeln vorgeführt und erst am Tag danach verladen.

2009 wurde bei einer Bachelorarbeit der Tierärztlichen Hochschule der Uni Hannover die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wissenschaftlich überprüft. Geachtet wurde hierbei auf die Stressbelastung der Pferde anhand physiologischer Parameter und des Ausdruckverhaltens. Das Fazit: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Belastung der Pferde, unter den gegebenen Umständen des Wildpferdefangs im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung, insgesamt in einem vertretbaren Rahmen bewegte, allerdings auch individuellen Schwankungen unterlag.“

Ganz ausschließen könne man einen solchen Unfall wie beim 106. Wildpferdefang jedoch nie, erläutert Friederike Rövekamp - eben weil es sich um einen Unfall handele.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1683291?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F1758780%2F1758781%2F
„Jetzt kann Weihnachten beginnen“
Zwischen den stimmungsvoll beleuchteten Prinzipalmarkthäusern versammelten sich am Sonntagabend Tausende, um gemeinsam internationale Weihnachtslieder zu singen, die David Rauterberg (kleines Bild) auf der Bühne anstimmte.
Nachrichten-Ticker