Organspende
Neues Herz schenkt Kurt Schliwert im Alter von 69 Jahren ein "zweites Leben"

Laer -

Kurt Schliwert lebt seit 20 Jahren mit einem transplantierten Herzen. Damals war er 70 Jahre alt, und die Ärzte wollten zunächst nicht operieren. Ihr Argument: Er sei zu alt. Inszwischen ist Schliwert 90 - und fühlt sich frisch wie ein Fisch im Wasser .

Donnerstag, 16.05.2013, 07:05 Uhr

Eine Herztransplantation kann auch bei älteren Patienten durchgeführt werden. Foto: Colourox

Laer - „Ich habe keine Angst zu sterben, aber ich lebe gerne“, sagt Kurt Schliwert . Er ist 90 Jahre alt, sieht aus wie 70 und hat im Alter von 69 Jahren durch eine Herztransplantation ein zweites Leben geschenkt bekommen. Wegen seiner fast 70 Jahre wollten die Ärzte den schwierigen Eingriff seinerzeit erst gar nicht vornehmen, doch andererseits reizte sie die Herausforderung, es zu versuchen, erinnert sich der gebürtige Rheinländer an die ambivalente Situation.

Ein starker Geist im schwachen Körper

„Sie sind zwar physisch schlecht zurecht, aber psychisch sind sie stark“, habe man ihm nach seinem Herzinfarkt gesagt, erinnert sich der 90-Jährige. „Ich konnte nicht mehr stehen, nicht mehr schlafen und nicht mehr atmen“, beschreibt Schliwert seinen damaligen besorgniserregenden Zustand. „Aber ich wollte leben“, fügt er hinzu und ist dem Spender und den Ärzten dankbar, dass sie ihm das ermöglicht haben. Seine Patientengeschichte ist von Höhnen und Tiefen bestimmt. So musste er einige Male reanimiert werden und sein Leben nach dem Eingriff grundlegend ändern. „Ich war ein starker Raucher und habe immer gerne ein Pils getrunken“, beschreibt der Senior die Gewohnheiten, die er von jetzt auf gleich aufgegeben hat.

Kurt Schliwert

Kurt Schliwert lebt mit einem fremden Herzen. Foto: Nistert

„Du hast einen eisernen Willen und hast dich an alle Vorgaben gehalten“, erklärt seine Nichte, die sich liebevoll um ihren Onkel und dessen Lebensgefährtin kümmert. Sein Leben in Gelsenkirchen musste der ehemalige Taubenzüchter wegen eines Oberschenkelhalsbruchs aufgeben und nach Laer ziehen. Dort fühlt sich der Stadtmensch durchaus wohl.

Dass Schliwert heute einen Gehstock benutzt, liegt nicht an der Herz-Operation, sondern an einem unglücklichen Sturz.

Lange Wartezeiten und ein bischen Glück auf dem Weg zum neuen Herzen

„Die letzten 20 Jahre meines Lebens waren nicht die schlechtesten“, resümiert er im Nachhinein. Immerhin sei er das schwächste von insgesamt drei Geschwistern gewesen, das die anderen inzwischen überlebt habe.

„Die Magenwände sind zwar blutig, aber der Magen verkraftet es noch“, zeigt sich der ehemalige Bereichsstellenleiter der Sozialversicherung beim Arbeitsamt in Gelsenkirchen froh, dass er die 15 Tabletten, die er als Transplantierter tagsüber nehmen muss, verträgt.

Seinerzeit hätten ihm alle von dem schweren Eingriff abgeraten, ist der Senior froh, sich darüber hinweggesetzt zu haben. „Ich hatte eine Wartezeit von 13 Monaten. Da wurde nichts gemauschelt“, betont Schliwert, der unter den negativen Berichten über Transplantationen aus jüngster Zeit leidet.

„Du warst immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle“, schmunzelt seine Nichte, die überzeugt davon ist, dass ihr Onkel in seinem bisherigen langen Leben trotz aller Tiefen auch viel Glück gehabt hat. Das würde Schliwert unterschreiben. „Ich hatte keine andere Wahl“, begründet er seine Entscheidung, der er seine 90 Jahre zu verdanken hat.

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