Experten wissen genau, wo Ärzte fehlen
Mediziner-Mangel: Die Krux der ärztlichen Bedarfsplanung

Dortmund -

Sie haben sich jede Menge Mühe gegeben. Haben Westfalen-Lippe in 111 Mittelbereiche aufgeteilt und geschaut, wo sich wie viele Hausärzte niedergelassen haben. Aber: „Es nützt nichts, wenn wir nun feststellen, dass in der Region X drei Hausärzte fehlen, wir aber niemanden haben, der sich dort niederlassen möchte“, sagt Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Westfalen-Lippe. Genau das ist die Krux der neuen Bedarfsplanung, die ab 1. Juli gilt. Sie zeigt zwar genauer als früher, wo genug Ärzte niedergelassen sind und wo nicht. In Westfalen-Lippe dürften sich nach der neuen Planung – theoretisch – 100 neue Hausärzte niederlassen. Damit steigt die Zahl der freien Plätze auf 332.

Samstag, 29.06.2013, 11:06 Uhr

Extrembeispiel ist der „ Mittelbereich Bocholt , der aus Rhede , Isselburg und Bocholt besteht“. Allein dort könnten sich 16 Hausärzte niederlassen, bis die Stadt überversorgt wäre. Das heiße aber nicht, dass dort 16 Ärzte zu wenig arbeiten und die Patienten nicht ausreichend versorgt würden, betonte von der Osten. Aber das Instrument „ Bedarfsplanung “ könnte der KV zumindest einen Hinweis darauf geben, wo es bald eng werden könnte. Um das wirklich festzustellen, müsste sie zum Beispiel die Leistungsfähigkeit von Praxen prüfen.

Gerhard Nordmann , Zweiter Vorsitzender der KV, hat „schon die Sorge, ob die Versorgung in Zukunft noch sichergestellt werden kann“. Die Gründe sind nicht neu. Ein Drittel der Ärzte in der Region sind über 60, gleichzeitig „sind wir schiefgewickelt, wenn wir glauben, dass Abiturienten mit einem Einser-Schnitt später in die Praxis gehen.“ Die gingen in die Forschung, die Pharmaindustrie oder zu den Versicherungen. Und ätzte gegen die Uni in Münster, die „so was von stur sei“, weil sie nur Bewerber mit einem Schnitt von 0,9 und 1,0 zum Medizinstudium zulasse.

Um das Problem zu lösen, sei also nicht nur eine bessere Nachwuchswerbung nötig, sondern auch die Beratung von Ärzten, die erwägen, sich niederzulassen. Und Mediziner, die planen, auf dem Lande zu praktizieren, können sogar mit finanziellen Zuschüssen rechnen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1749505?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F1758780%2F1820029%2F
Nachrichten-Ticker