Idee zum Hochwasserschutz
Tüftler aus dem Münsterland entwickelt Plastikplane gegen die Flut

Münster -

Eine Plastikplane soll als Hochwasserschutz dienen. Diese Idee hat jetzt ein Tüftler aus dem Münsterland umgesetzt, Experten haben die Erfindung geprüft. Im Einsatz ist die Technik aber noch nicht.

Mittwoch, 19.06.2013, 09:06 Uhr

In den deutschen Hochwassergebieten stehen die Zeichen auf Entspannung. Ein Tüftler aus Nordrhein-Westfalen schaut derweil noch immer staunend auf die Fernsehbilder von überfluteten Häusern und Helfern, die Sandsäcke füllen. Hartmut Wibbeler hat einen Hochwasserschutz aus Plastik erfunden, der Hausbesitzern in Zukunft trockene Füße vor den Fluten sichern soll.

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Wibbelers Idee: Eine Plane soll die tonnenschweren Schutzwände aus Metall ersetzen. Der Mann aus Münster setzt auf Kunststoff - genauer gesagt auf eine mit Gewebe verstärkte PVC-Plane, die durch ein Stahlnetz gehalten wird. Beides versenkt er mit einem Haltesystem entweder ganz in der Erde oder in kleinen Mäuerchen.Steigt das Wasser, soll keine aufwendige Logistik nötig sein, um die Schutzmauern aus den Lagern zu holen. Stattdessen sollen zwei Mann mit wenigen Handgriffen in zwei Stunden rund 200 Meter des Hochwasserschutzes aus Plastik hochziehen können. Soweit die Idee.

Noch ist die Plane aber nicht im Einsatz. Die Technische Uni Harburg hat das System getestet. Dabei musste die Schutzwand aus Plastik nicht nur großen Wassermassen trotzen, sondern auch Treibgut wie Baumstämme abwehren. Reinhard Vogt , Leiter des Hochwasserschutzes in Köln, hat sich das System in Hamburg genau angesehen. „Anfangs war ich wirklich skeptisch“, sagt er. Genial sei aber, dass die Plane vor Ort sei und nicht erst im Notfall herangeschafft werden müsse.

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Für Grundstücksbesitzer könnte die Idee nach Vogts Einschätzung sehr geeignet sein, um sich vor den Fluten zu schützen. „Ob es auch als Linienschutz in einer Stadt wie Köln taugt, weiß ich nicht. Vielleicht ist es doch etwas mehr für kleinere Flüsse.“ Näher bewerten will Vogt die Erfindung noch nicht.

Wibbeler hatte die Idee zu seiner Wasserschutzwand schon 2002: „Bei dem Hochwasser damals sah ich die Leute Sandsäcke schleppen und dachte mir: Das kann nicht funktionieren. Zu wenige Menschen müssen das Problem in zu kurzer Zeit lösen.“ Europaweit ist seine Konstruktion als Patent angemeldet. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gab Fördergelder.

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