Serie: Flussgeschichten
Rätsel um die Rauschenburg-Ruine in Olfen

Olfen -

Dort, wo die Römer vor 2000 Jahren die Lippe überquerten, liegt unweit der Stadt Olfen eine alte Wasserburg. Umgeben von einer verlandeten Gräfte, überwuchert von Efeu und hohen Bäumen, gibt sie Historikern Rätsel auf.

Samstag, 01.06.2013, 11:06 Uhr

Wohl weiß man um ihre erste Erwähnung im Jahr 1470, kennt die Abfolge altehrwürdiger Burgherren, die auf der Rauschenburg residierten. Allein, warum das wehrhafte Gebäude um 1870 zerfiel, ist nicht geklärt. Wer heute in den sumpfigen Wiesen am Lippe-Ufer spazieren geht und zur Ruine hinüberschaut, mag sich wie Dr. Wilhelm Bauhus an Böcklins To­teninsel erinnert fühlen. Ja, der Ort hat etwas Mystisch-Versonnenes.

„Die Furt über die Lippe war eine strategische Stelle, nicht nur für die Römer“, sagt der Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Uni Münster . Gemeinsam mit dem Lippe-Experten Dr. Jürgen Ruppert ist er heute bei Michael Tenkhoff zu Besuch – einem Olfener Spargelbauern, dessen Familie seit Generationen direkt an der Lippe lebt und arbeitet. Der Grund: Bauhus erwägt, auf der Burginsel ein mannshohes X aufzustellen und zu fotografieren.

Macht es doch als Symbol der Wissenschaftsreihe „Expedition Mün­sterland“ auf unerforschte, vergessene Orte der Region aufmerksam. Michael Tenkhoff betreibt in der gut erhaltenen Vorburg einen Bauernhof-Laden. „Schauen Se mal, die Schießscharten“, deutet der Olfener auf die Fassade mit dem Rautenmuster, die unter Denkmalschutz steht. Er weiß von einem Vorfahr zu erzählen, der für die Burgherren derer von Brabeck als Förster arbeitete. „Gut 200 Jahre ist das her.“ Ein anderer war Fährmann über die Lippe. Die ganze Straße habe man zu jener Zeit verlegt, weil die Postkutsche ob der reißenden Strömung in die Fluten rutschte.

Die Furt über die Lippe war eine strategische Stelle, nicht nur für die Römer.

Dr. Wilhelm Bauhus, Leiter der Arbeitsstelle Forschungstransfer

Von unterirdischen Gängen berichtet Tenkhoff, durch die Ritter und Gesinde einer Belagerung während des 30-jährigen Krieges entgingen. Von Gruselgeschichten um den feurigen Elias, die von Mägden am wöchentlichen Backtag geflüstert wurden. „Immer dann, wenn der Abendhimmel so feuchtrot glänzte“, sagt der Hausherr mit einem Zwinkern. Er selbst sei als Vierjähriger fast im Burggraben ertrunken und habe mit seinen Freunden zwischen den alten Steinen Räuber und Gendarm gespielt. „Eines Tages vor 40, 45 Jahren kam ein ganzer Torbogen runter.“

1870, ja, da sei die Burg endgültig abgerissen worden. Die Leute kamen mit Booten und holten die Steine ab, um sie in der Nachbarschaft zu verbauen. Nur eine Zeichnung in Tenkhoffs Kaminzimmer kündet noch von der einstigen Pracht der Rauschenburg an der Lippe.

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Haus Rauschenburg

Die Rauschenburg ist eine zerfallene Wasserburg in den Lippewiesen am Rande von Olfen . In den Urkunden erwähnt ist sie erstmals 1470, wiewohl ihre Gründungszeit im Dunkeln liegt. Gewiss ist nur, dass sie nach häufigen Besitzerwechseln von der Familie von Rechede über die von Landsberg an Johann Hake zu Wulfsberg ging. Später ist Johan von Ascheberg als Burgherr erwähnt, im 17. Jahrhundert war die Rauschenburg im Besitz derer von Neuhoff. Es folgten Ende des 18. Jahrhunderts die von Brabeck zu Vogelsang, nach dem Aussterben der Familie ging die Burg 1823 an die von Twickel zu Havixbeck. 1878 wird die Burg als verfallen beschrieben.

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