Serie Flussgeschichten
Wo die Mühlen immer noch klappern

Horstmar - Manchmal gönnt er sich diesen Blick. Dann steigt Heinrich Wenning die Eichentreppen hinauf bis unter das Dach des alten Speichers, öffnet die Flügel des Giebelfensters weit und genießt. Er genießt den Blick auf das satte Grün der Büsche am Ufer, auf die kleinen Staubecken am Rande des Bauerngartens, auf den sanften Bogen, den der Bach schlägt. „Ist das nicht schön?“ fragt er. Ja, das ist es. Wunderschön.

Freitag, 07.06.2013, 07:06 Uhr

Nur schön? Nein, auch unheimlich arbeitsreich. Heinrich Wennings Familie ist seit Jahrhunderten Eigentümer von Jannings Quelle, einer von zwei Quellen im Horstmarer Ortsteil Leer . Ein paar Schritte vom Hof entfernt plätschert das eiskalte, kalkhaltige Wasser aus dem Fuß des Schöppinger Berges und formt Meter für Meter einen breiteren Bachlauf, der an Haus, Hof und Garten vorbeiführt, sich im Forellenteich staut und schließlich über das Rad der alten Wassermühle weiter seinen Weg sucht Richtung Dorf. Idylle pur. Die gute Wasserqualität – nah am Trinkwasser – lässt das Grün wuchern. Regelmäßig müssen an den Wehren Siebe gereinigt, manchmal ausgetauscht werden. Nach der Buchenblüte und im Herbst kreist der Kescher, wenn zu viel Laub im Wasser ist. Und die Gebäude des Hofensembles – allen voran die Mühle , an deren Standort schon vor über 1000 Jahren gemahlen wurde – müssen instand gehalten werden.

_q4b3073

Wasser als Familientradition

Aber Jannings Quelle – der Name geht auf den Namen der direkten Vorfahren zurück – ist ein Identifikationsort für die Einwohner des Dorfes. Der Heimatverein hat Mitte der 90er Jahre begonnen, zunächst die Mühle, dann auch das Müllerhaus zu sanieren und ein Heimatmuseum daraus zu machen. Seit wenigen Monaten ist die Mühle wieder voll funktionsfähig – und auch die alten Staurechte, die für die Mühle mit der Zeit erloschen waren, sind wieder eingetragen. „Ohne dieses Engagement, ganz allein als Familie hätten wir all das nicht leisten können“, erklärt Heinrich Wenning. Und der Schützenverein entschärfte die Quelle als Treffpunkt für Gelage am 1. Mai, die alle erdenklichen unangenehmen Nebenwirkungen mit sich brachten: Seit einigen Jahren veranstalten die Schützen ein Familienfest am Tag der Arbeit an der Quelle. Immer völlig harmonisch.

Die Quelle ist ein historischer Ort

Die vielen Geschichten, die sich über die Jahrhunderte zwischen Quelle und Mühle ereignet haben, haben nach der Restaurierung jetzt eine noch stimmungsvollere Kulisse. Geschichten wie die der niederländischen Königin Wilhelmina, zu Gast in Burgsteinfurt, der die Mühlenanlagen entlang des Leerbachs auch wegen ihrer damals fortschrittlichen Forellenzucht gezeigt wurden. In der Diele des Hofes verliebte sie sich in einen mächtigen Eichenschrank – doch Heinrich Wennings Großvater ließ sich vom königlichen Kaufgebot nicht einfangen und behielt das gute Stück. Oder die von den vielen Geräten, für die die Wassermühle den Antrieb lieferte: Dreschmaschine und Strohhäcksler liefen mit der Kraft des Quellwassers. Sogar das Butterfass wurde manchmal angeklemmt. Und heute? „Wir haben das mal hochrechnen lassen. Die Mühle würde höchstens 1,5 Kilowatt produzieren können“, schmunzelt der 60-Jährige. Genug für einen Elektroherd. Da bleibt Heinrich Wenning doch eher bei der Windkraft. Denn da schließt sich der Mühlenkreislauf: Wenning war einer der Ersten, die in Windenergie auf dem Schöppinger Berg investierten. Mühlen haben den Hof nun einmal geprägt. Seit jeher.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1703026?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F1758780%2F1820029%2F
Geduldsprobe für Bahnfahrer: Sanierungsarbeiten ab Januar 2020
Zugstrecke Münster–Lünen : Geduldsprobe für Bahnfahrer: Sanierungsarbeiten ab Januar 2020
Nachrichten-Ticker