Ziviler Betrieb startet spätestens 2016
Startfreigabe in Twente

Spätestens 2016 sollen auf dem alten Militärflugplatz in Twente bei Enschede die ersten zivilen Maschinen starten. Möglich machen will das der Investor Dik Wessels. Ende vergangenen Jahres schien das Airport-Projekt tot zu sein; niemand wollte in Twente investieren. Dann kam der Chef der Reggeborgh-Groep.

Montag, 10.06.2013, 18:06 Uhr

Leo van der Ree, Chef der Flughafen-Entwicklungsagentur ADT

Leo van der Ree, Chef der Flughafen-Entwicklungsagentur ADT.

Da gibt es etwas in der niederländischen Region Twente , das hätte der Grevener Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) auch liebend gerne: eine fast neue 3000-Meter-Startbahn – und den uner­schüt­ter­li­chen Optimismus, hoch hinauszuwollen. „Spätestens 2016 starten wir auf dem alten Militärflugplatz mit dem zivilen Betrieb“, sagt Leo van der Ree, Chef der Flughafen-Entwicklungsagentur ADT. Ziemlich große Worte sind das, wenn man bedenkt, dass das Projekt vor sechs Monaten quasi vor dem Aus stand.

Im Dezember musste ADT bekanntgeben, dass die Ausschreibung ohne Angebot zu Ende gegangen war. Zu groß schien das Risiko, in Twente Millionen zu versenken. Dann kam Dik Wessels .

Twente hebt ab

Anfang dieses Jahres meldete sich der Unternehmer aus dem benachbarten Rijs­sen mit einer Ansage. Daniemand den Flughafen bauenwolle, werde er es eben tun. „Das kam völlig überraschend“, erinnert sich vander Ree. Wessels setzt mit seinerReggeborgh-Groep Milliarden um; wenn ihm eines keine Sorgen bereitet, dann ist es Geld. 50 Millionen Euro veranschlagt ADT, um den 2007 aufgegebenen Airport wieder startklar zu machen. Viel ist das nicht. „Wir haben das Glück, über einen Großteil der Infrastruktur zu verfügen“, sagt van der Ree.

Einen Flughafen bauen ist das eine, ihn zu betreiben etwas Anderes. Das soll künftig der Dritte im Bunde übernehmen: das Unternehmen Aviapartner mit Sitz in Brüssel. Aviapartner ist ein international aufgestellter Flugzeugabfertiger, aber kein Flughafen-Betreiber. „Die haben aber Erfahrung“, sagt van der Ree und lächelt nonchalant. Vor 14 Tagen hat das neue Trio einen Konzessionsvertrag geschlossen.

Flughafen Twente in Enschede - ehemalige Militärgebäude. (Foto: Jürgen Peperhowe)

Flughafen Twente in Enschede - ehemalige Militärgebäude. (Foto: Jürgen Peperhowe)

In der vergangenen Woche haben der niederländische Staat, die Provinz Overijssel und die Stadt Enschede ihren Segen dazu gegeben. 49 Jahre lang dürfen Reggeborgh/Aviapartner den Flughafen und das dazugehörige Gewerbegebiet nutzen. Staat, Provinz, und Stadt belohnen deren Engagement mit fünf Mil­lionen Steuer-Euro. Kein Wunder: Die Ar­beitslosigkeit in der Region liegt bei zwölf Prozent. Und ADT lockt mit der Vision, dass der Flughafen bis zu 2500 neue Jobs schaffen könnte.

Auf dieser Seite der Grenze ist die Sorge groß. Der knapp 60 Kilometer von Enschedeliegende FMO undseine Gesellschafter reagieren jedoch so, wie man auf ein Schreckgespenst reagiert: Sie reden es klein – und sich selbst groß. Twente werde nie schwarze Zahlen schreiben, der Flughafen in Greven sei seit 40 Jahren am Markt und setze ein starkes Angebot dagegen, heißt es.

Nur: In den Niederlanden interessiert das niemanden. „Selbstverständlich sind wir bald Konkurrenten“, sagte ADT-Sprecherin Fieke Krikhaar . Und ihr Chef verweist mit einem Lächeln auf den Businessplan, nach dem in den ersten fünf bis zehn Jahren kein Geld verdient werde. Mit einem Dik Wessels im Rücken ist das auch gar nicht nötig.

Klein anfangen, langsam wachsen, Zuversicht und ei­ne niedrige Gewinnschwelle haben: Daraus schöpft ADT Hoffnung. Bis zu einer Million Passagiere will der Flughafen anfangs pro Jahr generieren. „UnserBreak-Even-Point liegt knappdarunter“, sagt van der Ree.

Selbst die ersten Fluggesellschaften stehen dem Vernehmen nach bereit: Angeblich will der Touristik-Konzern TUI mit seinen niederländischen Töchtern Arkefly und Transavia in Twente durchstarten. Transavia ist eine Billig-Airline wie Ryanair, die seit ein paar Tagen in Greven abhebt.  

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