Serie Flussgeschichten
Fischotter erobern sich das Münsterland langsam zurück

Dülmen -

Die Karpfenzucht des Herzogs von Croÿ in Hausdülmen ist für ihn so etwas wie eine Imbissbude. Nur, dass der Gast sein Essen nicht zahlt und dem dort tätigen Fischmeister auch schon Sorgenfalten bereitet hat. Freude dagegen bei Niels Ribbrock von der Biologischen Station in Recklinghausen, der dem guten Esser das Futter gönnt: Der in NRW ausgestorbene Fischotter ist zurück.

Donnerstag, 11.07.2013, 18:07 Uhr

„Wir gehen davon aus, dass es sich um etwa 15 Tiere handelt, die in NRW wieder ansässig sind“, sagt Ribbrock. 2009 haben die Fachleute zwei tote Tiere gefunden, eines davon an der A 43 bei Dülmen . „Der Fischotter galt bis dahin in NRW seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als ausgestorben“, sagt Ribbrock. Ein genetische Untersuchung ergab, dass die Tiere aus dem ostdeutschen Raum stammen. „Sie sind sehr mobil, sie haben den Weg irgendwie geschafft“, berichtet des Experte. Und dass das Thema bisher kleingehalten wurde. „Wenn zwei oder drei Tiere in kurzer Zeit sterben, dann kann die ganze Population erlöschen“, erklärt er. Mittlerweile hoffen die Experten, dass einzelne Todesfälle durch Nachwuchs ausgeglichen werden können. Trotzdem: „Jeder Jäger in NRW muss wissen, dass sie wieder da sind. Damit sie nicht verwechselt werden“, sagt Ribbrock. Die Otter dürfen ganzjährig nicht bejagt werden. „Sie sind wesentlich größer als eine Bisamratte oder ein Nutria“, erklärt der Landschaftsökologe.

Fischotter verbreiten sich im Münsterland

Wobei der „Normalbürger“ kaum eine Chance hat, die Tiere lebend zu sehen, sie sind nachtaktiv. Ribbrock hat In­frarotkameras installiert, damit er den Ottern auf die Spur kommt. Und er geht regelmäßig auf die Suche nach ihrem Kot.

Nach dem Heubach in Dülmen, dem Halterner Mühlenbach und der unteren Stever sind die Tiere dieses Jahr auch bei Legden in der Dinkel nachgewiesen worden, in der Bocholter Aa wurden zudem die ersten Otter gesichtet, die aus Holland eingewandert sind. Ob nur auf Urlaub oder für immer, ist noch unklar.

DNA-Analysen haben insgesamt neun Tiere im Westmünsterland definitiv nachgewiesen. „Das Vorkommen beschränkt sich bisher auf diese Region“, erklärt Ribbrock. Die Reviere der Tiere sind sehr groß. Der Otter aus Dülmen kann es durchaus bis Gescher schaffen. „Aus diesem Grund ist der Nachweis auch so schwierig“, erklärt der Naturschützer. Am Uhlandsbach bei Gescher wurden mehrfach Otterspuren gefunden. Ob es der aus Dülmen ist? „Möglich ist es“, sagt Ribbrock. Dass die Tiere wieder im Münsterland sind, liegt an den veränderten Bedingungen. „Der größte Feind war die Verfolgung zur Pelzgewinnung. Hinzu kam die Lebensraumbeseitigung durch die Begradigung von Bächen und Flüssen sowie die schlechte Wasserqualität. Die ist heute so gut wie nie zuvor, und die Sünden der Vergangenheit an vielen Stellen sind wieder rückgängig gemacht. Mit der Renaturierung von Fließgewässern entstehen seit einigen Jahren im ganzen Land wieder Gewässer, die Fischotter beheimaten könnten. „Das Besiedlungspotenzial in Nordrhein-Westfalen ist gewaltig“, sagt Ribbrock. Der größte Feind heute sind nicht mehr die Pelzjäger: „Es ist der Autoverkehr.“

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