Serie Flussgeschichten
Rieselfelder in Appelhülsen: Das Paradies liegt neben der Straße

Nottuln -

Die Rieselfelder in Appelhülsen sind ein Vogelparadies. Walter Weigelt kümmert sich seit Jahren ehrenamtlich um das Naturschutzgebiet, das direkt neben einem Gewerbegebiet liegt.

Dienstag, 23.07.2013, 07:07 Uhr

Links das Paradies, rechts das Kapital. Wer im Nottulner Ortsteil Appelhülsen auf dem Josef-Uhlenbrock-Weg steht, der muss sich entscheiden. 99 Prozent nehmen das Kapital und verschwinden nach rechts in einer der Firmen, die dort ansässig sind. Walter Weigelt gehört zu dem einen Prozent, das links abbiegt und vor dem Paradies noch über eine Brücke die Stever und eine Hürde in Form eines Walls überqueren muss. Steht er auf dem Wall, hat er die ganze Pracht der Appelhülsener Rieselfelder vor sich: ein Vogelparadies an einer Stelle, an der es niemand erwarten würde.

Aufgrund der mächtigen Sandschichten im Untergrund wurden 1953 die Rieselfelder Appelhülsen angelegt. Sie dienten damals zur Verrieselung und Reinigung von Molkerei- und Haushaltsabwässern. Gewissermaßen als Nebenprodukt entstand ein Feuchtgebiet für viele Tier- und Pflanzenarten. Mit dem Bau einer modernen Kläranlage im Jahr 1982 sollten die Flächen trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt werden. Naturschützer hatten aber frühzeitig erkannt, welche Bedeutung das Gebiet hat und setzten sich für den Erhalt ein. 1986 wurde das fast sieben Hektar große Gebiet unter Naturschutz gestellt. Heißt, dass das Paradies auch nur für Auserwählte mit Genehmigung zugänglich ist, da keine Wege dort herführen.

Die Rieselfelder in Appelhülsen

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    Foto: Uwe Renners
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  • Auf den Flächen brütet auch ein Rohrweihenpaar.

    Foto: Uwe Renners
  • Die Pflanzenpracht ist besonders im Sommer sehr beeindruckend.

    Foto: Uwe Renners
  • Zahlreiche seltene Vögel sind in dem Naturschutzgebiet zu sehen.

    Foto: Uwe Renners
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    Foto: Uwe Renners

Walter Weigelt, der im Hauptberuf beim Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe arbeitet, las 1993 einen Aufruf in der Zeitung, dass einer der Hauptakteure, Volker Gier , Unterstützung zur Pflege des Gebietes suchte. Weigelt, der seit seinem 14. Lebensjahr regelmäßig raus in die Natur geht, um zu fotografieren, meldete sich und ist seitdem aktiv in den Rieselfeldern im Einsatz. Im Sommer zum Beispiel muss er regelmäßig die Wasserzufuhr steuern, damit das Gebiet nicht trockenläuft. Seltene Vögel wie Rot- und Grünschenkel, Kampfläufer, Bekassine und Zwergschnepfen sind schon gesehen worden. Rohrammer, Teichrohrsänger und Wasserralle brüten an den durch Dämmen getrennten Wasserbecken, die durch Flachwasserzonen und Röhricht geprägt sind. „Es gibt keinen natürlichen Zufluss, deshalb müssen die Teiche bewässert werden“, erklärt Weigelt. In seine kleine blaue Kladde trägt er alles Berichtenswerte ein, jede außergewöhnliche Sichtung findet dort ihren Platz. So wie die Trauerseeschwalbe, die Ende Mai für einen Tag Gast in Appelhülsen war. Oder das Rohrweihenpaar, das seit 2006 dort regelmäßig brütet. „Da sind wir richtig stolz drauf“, sagt Weigelt. Die Rohrweihen seien ein Indikator für die Qualität der Rieselfelder. Und für die Unberührtheit. „Es verlaufen sich nur sehr selten Spaziergänger hierhin. Die kläre ich auf und sage ihnen, dass sie das Gelände nicht betreten dürfen. Die meisten haben auch Verständnis dafür“, sagt der 55-Jährige, der selbst in seinem Garten ein Tarnzelt aufgestellt hat, um heimische Vogelarten zu fotografieren. Die sind zwar nicht so selten wie in den Rieselfeldern – das Gefühl, im Paradies zu sein, hat Weigelt dort aber auch.

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