Asylbewerber aus Tschetschenien
Flüchtlingszahlen steigen drastisch

Die Zahl der Asylbewerber steigt wieder an. Derzeit kommen vor allem Flüchtlinge aus der Russischen Föderation; hier vor allem aus Tschetschenien. Die sieben Aufnahmeeinrichtungen in NRW sind nahezu ausgelastet. Die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg sucht nach Lösungen.

Samstag, 31.08.2013, 12:08 Uhr

Der Zustrom von Asylbewerbern nach Deutschland ist in den vergangenen Monaten dramatisch gestiegen – und das vor allem in NRW . Nach Sinti und Roma, die im vergangenen Jahr zu Tausenden vom Balkan flohen, kommen derzeit vor allem Asylbewerber aus der Russischen Föderation . Überwiegend stammen sie aus Tschetschenien . Im ersten Quartal 2012 beantragten rund 4200 Menschen in NRW Asyl , im gleichen Zeitraum dieses Jahres waren es über 6300 – knapp ein Viertel kommt aus dem Kaukasus.

In den inzwischen sieben Aufnahmeeinrichtungen des Landes – eine befindet sich in Schöppingen – herrscht inzwischen wieder eine drangvolle Enge. Wohin mit denen, die auch in den kommenden Monaten kommen werden? Politik und Behörden haben Angst davor, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippt.

In Wimbern laufen die vorbereitenden Arbeiten dafür, das alte Krankenhaus (Hintergrundbild) als Notunterkunft für Asylbewerber nutzen zu können.

In Wimbern laufen die vorbereitenden Arbeiten dafür, das alte Krankenhaus (Hintergrundbild) als Notunterkunft für Asylbewerber nutzen zu können.

In Wimbern, einem 800-Seelen-Dorf am Rande des Sauerlandes, probt die Bevölkerung den Aufstand. Die Arnsberger Bezirksregierung,die mit ihrem Kompetenzzentrum landesweit zuständig ist für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen, will in den nächsten Tagen in einem alten Krankenhaus eine weitere Notun­terkunft eröffnen. 500 Asylbewerber sollen dort unterkommen können.

Der Sauerland-Ort ist nicht Berlin-Hellersdorf, die Pro­tes­te sind zivilisiert. Dennoch, die Menschen sind verunsichert – und sauer. „Für einen Ort mit knapp 840 Einwohnern sind 500 Asylbewerber nicht tragbar“, sagt Edmund Schmidt, der Ortsvorsteher. So wie es aussieht, wird der Ort nun den Klageweg beschreiten. „Das ist insofern nicht schlecht, weil wir dann Rechtssicherheit haben“, sagt der Sprecher der Bezirksregierung, Christoph Söbbeler.

Es sind täglich Dutzende Asylbewerber, die sich allein in den beiden NRW-Erstaufnahmelagern in Bielefeld und Dortmund melden. „In Dortmund kommen an manchen Tagen bis zu 200“, sagt Söbbeler.

Nach Informationen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind es in vielen Fälle Schleuser, die die Menschen herlocken, ihnen die letzten Euros abnehmen und im Gegenzug in Deutschland das Blaue vom Himmel versprechen. Bei einem Besuch im Notaufnahmelager in Unna-Massen gaben die Menschen unumwunden zu, die Hilfe von Schleusern in Anspruch genommen zu haben. „Wir sind in Dortmund direkt vor dem Erstaufnahmelager abgesetzt worden“, sagte ein gerade einmal 19 Jahre alter Vater aus Bosnien.

Die Entscheidung, ob einem Asylantrag stattgegeben wird, dauert Monate. Darauf spekulieren auch die Armutsflüchtlinge. Selbst wenn sie abgeschoben werden, haben sie für ein paar Monate im Warmen gelebt und Geld bekommen, das in etwa den Hartz-IV-Sätzen entspricht.

In den sieben Aufnahmestellen des Landes finden rund 2300 Menschen Platz. Am Freitag waren dort 2022 Menschen untergebracht. Mit Blick auf den rasanten Anstieg der Flüchtlingszahlen bedeutet dies: Selbst wenn die alte Klinik in Wimbern innerhalb von kürzester Zeit für Asylbewerber geöffnet wird, kann man an einer Hand abzählen, wann die Ka­pazitätsgrenzen erneut erreicht sein werden. Hinter den Kulissen wird bereits an Notfall-Plänen gearbeitet. Die Behörden wollen es unbedingt vermeiden, wie im vergangenen Jahr Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen zu müssen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1879184?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F1758780%2F1948405%2F
Jutta van Asselt ist im Theater zu Hause
Jutta van Asselt an einem ihrer Lieblingsplätze – dem Zuschauerraum des Schauspielhauses.
Nachrichten-Ticker