Beamtin klagt gegen Bezirksregierung
Familie muss Ausbildung für Diabetiker-Warnhund selbst zahlen

Münster -

Die große Zahl an Zuschauern bestätigte, was der Richter wenig später auf den Punkt brachte. „Das Thema des Diabetiker-Warnhundes ist ein spannendes und viel durch die Medien gegangen.“ Er selbst habe einen schweren Fall von Diabetes in der Familie, weshalb die Klägerin seine Sympathie genieße. Dennoch konnte er ihr gestern vor dem Verwaltungsgericht in Münster wenig Hoffnung machen.

Freitag, 30.08.2013, 07:08 Uhr

Die Beamtin aus Münster klagte gegen die Bezirksregierung , weil sie die Kosten für einen Diabetiker-Warnhund zurückhaben möchte. Sie hatte den Hund als Welpen für ihre heute zwölfjährige Tochter gekauft, die seit ihrem ersten Lebensjahr an einer schweren Diabetes-Form leidet. „Es gab in der Vergangenheit schon mehrere lebensbedrohliche Situationen“, berichtete der Anwalt der Familie. Das Problem aus Sicht der Frau ist: Die gängigen Messgeräte seien nicht fein genug, um rechtzeitig jede Unterzuckerung bei ihrer Tochter anzuzeigen. Obwohl diese durch Pumpen medizinisch eingestellt sei, müssten Mutter und Vater nachts alle drei Stunden eigenhändig den Zuckerspiegel nachmessen.

Zwar wechselten sie sich ab – „doch hat das Paar seit neun Jahren keine Nacht durchgeschlafen“, beklagte der Anwalt. Balou, so der Name des Hundes, könne die Überwachung nach einer entsprechenden Ausbildung übernehmen. Er erschnüffle eine Unterzuckerung quasi – und hat offenbar bereits mehrfach in derlei Notsituationen angeschlagen.

Allein, die Abrichtung von Diabetes-Warnhunden auf den jeweiligen Patienten ist teuer. Kostete allein Balous Anschaffung 850 Euro, so schlägt seine weitere Ausbildung mit bis zu 20 000 Euro zu Buche. „Ich hab da mal recherchiert“, so der Richter. Problematisch ist: Die Familie hatte Balou erst gekauft und dann bei der Hausärztin um ein Rezept ersucht. „Zwei Tage später – und damit zwei Tage zu spät“, wie der Vorsitzende erkannte. Eine Formalität, an der die Bewilligung der Beihilfe scheitern kann. Laut Gericht hätte die Klägerin über das richtige Vorgehen informiert sein müssen: „Der Gesetzgeber hat bestimmte Formalien vorausgesetzt, die müsste man als Beamter eigentlich kennen.“

Die Justiziare der Bezirksregierung argumentierten so: Beihilfe werde nur für Hilfsmittel geleistet, die zwingend notwendig seien. Ein Diabetes-Warnhund werde nicht in der entsprechenden Beihilfeordnung des Landes aufgeführt und sein Nutzen wissenschaftlich nicht anerkannt. „Auch ein Hund hat Tiefschlafphasen, in denen er eine Unterzuckerung möglicherweise nicht bemerkt“. Der Richter legte der Klägerin nahe, ihren Beihilfeantrag zurückzuziehen und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu stellen. Das Urteil wird in zwei Wochen erwartet.

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