Serie Flussgeschichten
Das Geheimnis des Mühlenbachs

Rosendahl -

Die altehrwürdigen Klostermauern, sie liegen unter der dichten Grasnarbe verborgen. Robert Laukötter spürt sie nur beim Mähen unterm Schlepper. Doch früh am Morgen, wenn seine Frau auf dem Balkon des nahen Wohnhauses steht und Kaffee trinkt, scheint es, als gäbe es einen Sprung in der Zeit. „Es ist eine seltsame Vorstellung“, sagt sie. Dass einst dort unten, wenige Meter entfernt, gut 100 Mönche lebten. Und just um diese Tagesstunde zur Kirche strebten. „Mir ist, als könnte ich sie sehen.“

Donnerstag, 01.08.2013, 09:08 Uhr

Ein Ort voller Geheimnisse, dieser Hof Laukötter in Darfeld , der heute dort steht, wo viele Jahrhunderte lang das Kloster Kleinburlo war. Das Paoters Pättken kündet davon, dass dort die Patres durchs Dickicht wandelten. Vom Friedhof, wo die Mönche zur letzten Ruhe gebettet sind, ist nicht mehr viel zu sehen. Die Zisterzienser als bescheidener Orden „hatten ja keine Steine“, weiß Anne Laukötter . Während die Kirche nach 1815 abgerissen wurde, folgten die Klostergebäude 1835. Eines der wenigen, die nicht der Zeit anheimgefallen sind, ist das Brauhaus. Kräuter wachsen dahinter, weil dort der Klostergarten war. „Als Kyrill das alte Krüppelwalmdach mitnahm, kamen im Halbgeschoss ein paar Kammern zum Vorschein“, erzählt Robert Laukötter , der in Münster arbeitet und die Landwirtschaft als Nebenerwerb betreibt. Karg seien die gewesen und nur durch eine Luke im Fußboden erreichbar. Ein Stück weiter in Richtung Pappelallee, da liegt die alte Klostermühle. Sie steht noch, allein, das Mühlrad ist weg. Ehedem, da ging das gesamte Klosterleben über die Mühlenbrücke rein oder raus. Schon sein Vater habe als Kind dort gespielt. „Später dann war er Forstwirt beim Grafen Droste zu Vischering“, verrät Laukötter, dessen Familie seit dem 19. Jahrhundert in der Bauerschaft Geitendorf ansässig ist. Er selbst sei als Jugendlicher nach dem Strohholen im Sommer gern von der Mühlenbrücke gesprungen. „Da gab es diesen Wasserfall, so verschwitzt wie wir waren, war das eine tolle Erfrischung.“

Auch sein achtjähriger Sohn Michael hat bereits eine Beziehung zum Bach. „Nein“, sagt der Junge, schwimmen könne er noch nicht. Als er eines Herbsts vor zwei, drei Jahren kopfüber samt Fahrrad ins nahe Biotopwasser fiel, da packte sein Vater nur einmal zu. Zog das Kind an der Jacke wieder raus; und das Rad blieb einen Meter tief in den Fluten zurück. „Das war ein Schock für ihn“, erzählt seine Mutter, die den Knirps darauf unter die heiße Dusche stellte. Dort, wo Entenküken schlüpfen und man den Eisvogel rufen hört, sitzen Vater und Sohn gern in der Dämmerung zusammen und fangen Aale und Forellen.

So beschaulich im Sommer, so unwirtlich ist die Natur rund um die Klostermühle zur Winterzeit. Wenn Bach und Biotop zugefroren sind und der Schnee meterhoch alles unter sich verschluckt. Dann, ja, dann dürfen die Kinder gar der Schule fernbleiben. „Denn sie kommen ja gar nicht weg“, hebt Anne Laukötter die Schultern. Mit Grausen erinnert sie sich, wie vor einigen Jahren im Frühjahr ein Dreijähriger im Hochwasser führenden Bach ertrank. Er war aus dem Auto seiner Mutter geklettert und hineingefallen.

„Das vergisst man nie“, sagt die Darfelderin, die weiß, was in solchem Falle zu tun ist. „Nie hinterher-, sondern davor ins Wasser springen“, rät sie. Denn sonst bekomme man die Kinder bei der Strömung gar nicht zu fassen...

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