Enid Blyton aus Billerbeck
Die Blyton aus Billerbeck

Sarah Bosse ist Ghostwriterin. Seit 2005 schreibt die Billerbeckerin die Fünf-Freunde-Abenteuergeschichten. Ursprünglich stammen die aus der Feder der britischen Autorin Enid Blyton, die in den 1960er Jahren starb. In diesen Tagen ist Band 68 herausgekommen.

Mittwoch, 18.09.2013, 13:09 Uhr

BillerbeckVorne steht ein mit Milch verwöhnter Kaffee, dahinter sitzt Sarah Bosse , rührt in der Tasse und in der Geschichte. Kinderbuch-Autorin ist sie, seit etlichen Jahren schon.Eine, die ihren Beruf liebt und lebt. Über 100 Bücher hat die 47-Jährige bisher geschrieben. Im Regal ihres Ar­beitszimmers, oben unterm Dach einer gemütlichen Backstein-Villa in Billerbeck , füllen sie mehrere Meter.

Ihre bekanntesten Werke aber wird so ohne Weiteres niemand mit ihrem Namen in Verbindung bringen. Bosse schreibt alsGhostw riterin die Fünf-Freunde-Reihe weiter, die Enid Blyton vor Jahrzehnten ersann und die ei­gent­lich jeder kennt. In diesen Tagen ist Band 68 erschienen: „Fünf Freunde und das Verbrechen auf dem Reiterhof“ lautet der Titel.

Seit 2005 ist die Billerbeckerin die neue Blyton. Das britische Original ersann die Fünf-Freunde-Reihe bereits in den 1950er Jahren. Die Aben­­teuer von George, Dick, Julian, Anne und Timmy legten den Grundstein ihres Welterfolges – den Bosse seit ein paar Jahren eifrig fortschreibt.

„Nein, als Ghost­writer zu arbeiten ist nicht frustrierend“, sagt sie. Wer seinen Namen schon auf vielen anderen Buchdeckeln gelesen hat, kann so etwas natürlich leicht sagen.

Mit Büchern hatte Sarah Bosse von klein auf zu tun. Ihr Vater Jo Pestum gehörte in den 1980er Jahren zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren, ihre Mutter Doris Stumpe führte in Billerbeck einen Buchladen. Kein Wunder also, dass die Tochter in jungen Jahren Lektorin werden wollte. Es kam aber anders.

Bosses Weg zur Schriftstellerei ist eine Mischung aus Glück und Fügung und Zufall. Über ih­ren Vater bekam sie früh Kontakt zu einem Verlag, für den sie während des Studiums der Skandinavistik, Germanistik und Soziologie schwedische Bücher begutachtete, es folgten erste Übersetzungen unddann die Aufforderung, „doch mal etwas Eigenes zu schreiben“. Was sie prompt tat.

Geschichten, in de­nen Po­nyhöfe auftauchen, hat sie Dutzende geschrieben. Dazu kommen solche, die von Nixen handeln, oder Piraten oder Bären. Andere wiederum machen es Erstlesern leicht. Und auch wenn die Inhalte unterschiedlich sind, allen Bosse-Büchern ist ei­nes gemein: Sie sind erfolgreich.

Dann kam Blyton. Wieder ein Zufall. Bosse bekam den Auftrag, den letzten Band der „Hanni und Nanni“-Reihe zu schreiben – auch ein Klassiker der britischen Kinderbuchautorin. Damit hatte die Billerbeckerin einen Ruf weg:„Die kann Enid Blyton gut“.

27 Mal hat sie die fünf Freunde inzwischen Abenteuer erleben lassen. Die Namen der jungen Helden sind mit Juli­us, Georg, Anne, Richard und Tim längst eingedeutscht. Zwar ist auch die Sprache inzwischen moderner, die fünf Helden werden aber nach wie vor nicht älter – und haben irgendwie immer Ferien. Zu den Vorgaben gehört auch, dass die Geschichten nicht im Internat spielen dürfen– warum, ist unklar –, dass Waffen, Zigaretten und Alkohol tabu sind undHandys sowie Computer verpönt.„Bei den Kids kommt Letzteres erstaunlich gut an“, sagt Bosse.

27 Mal Blyton: „Da wird es langsam schwierig, neue Geschichten zu erfinden“, sagt die Autorin.Sie selbst arbeitet im Übrigen diszipliniert. Fünf Manuskriptseiten sind ihr Tagesminimum, „so ist ein Text nach sechs Wochen fertig“.Sechs bis sieben Bücher schafft sie auf diese Weise pro Jahr. Als Enid-Blyton-Ghostwriterin und als Sarah Bosse.

Bis Band 80 will der Verlag dieFünf-Freunde-Reihe fortführen. Da muss sich die Billerbeckerin noch das ein oder andere einige Abenteuer ausdenken. In Band 69, der 2014 erscheint, wird sich‘s um die Fliegerei drehen. So viel verrät Bosse. Und sagt ansonsten dazu kein Wort mehr. Dafür grinst sie nun vielsagend.

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