Sicherheitsschleuse nicht verschlossen
Tiger tötet Tierpfleger durch Biss ins Genick

Am Donnerstagnachmittag ist es im Allwetterzoo Münster um kurz nach 16 Uhr zu einem folgenschweren Tiger-Angriff auf einen Tierpfleger gekommen. Zoobesucher alarmierten die Rettungskräfte. Doch für den 56-jährigen Mann kam jede Hilfe zu spät.

Donnerstag, 19.09.2013, 20:09 Uhr

Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 56-jährigen, allein stehenden Mann, der seit vielen Jahren für den Allwetterzoo Münster arbeitet. Der Mann sei "nett, belesen, still und sehr erfahren gewesen", sagte Zoodirektor Jörg Adler. Die Attacke sei ein "tragischer Unglücksfall gewesen", so der sichtlich bewegte Zoodirektor weiter.

Tierpfleger ließ Schieber offen

Zoo-Direktor: So kam es zur Tiger-Attacke

Um kurz nach 16 Uhr wollte der Zoowärter die beiden Tiger zur Fütterung vom Außengehege ins Innengehege leiten. Üblich ist es, dass die Tiger während der Fütterung im Innengehege sind, so dass der Wärter Zeit hat, das Außengehege zu reinigen. Dabei werden normalerweise Innen- und Außengehege durch einen Schieber getrennt. An diesem Nachmittag hat der Pfleger jedoch vergessen, den Schieber runter zu lassen.

Als das männliche Tier, der zehn Jahre alte Rasputin ( hier in einem aktuellen WN-Videoporträt ), den Pfleger im Außengehege sah, ist er sofort wieder heraus gelaufen. Der Tiger sprang den Pfleger von hinten an und biss ihm ins Genick . Dies sei ein natürliches Verhalten der Raubkatze gegen einen Eindringling in sein Revier, sagte Adler, am Ende habe es sich um menschliches Versagen gehandelt. Die Sicherheitsvorkehrungen im Bereich des Tigerreviers seien in Ordnung gewesen, versicherte der völlig erschütterte Zoodirektor.

Tödliche Tiger-Attacke in Münsters Zoo

Adler schildert weiter, dass Zoobesucher das Geschehen verfolgt haben. Sie hätten sich gewundert, dass der Pfleger trotz geöffneten Schiebers in die Außenanlage gegangen sei. Doch als sie dort ankamen, war es bereits geschehen: Der Tiger hatte schon angegriffen. Die Besucher alarmierten die Rettungskräfte. Doch für den Pfleger kam jede Hilfe zu spät.

Ich bin seit 48 Jahren im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.

Zoodirektor Jörg Adler

Tief betroffen reagierte am Abend Oberbürgermeister Markus Lewe . „Der Mutter des Opfers gehört unser Mitgefühl.“ Den Mitarbeitern wünscht er „Kraft, die dramatischen Ereignisse zu bewältigen“.

Lage des Tiger-Geheges im Zoo

Lage des Tiger-Geheges im Zoo

Feuerwehr und Polizei sperrten das Gelände um das Tigergehege weiträumig ab. Für die Zoobesucher hat zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden. Der Tiger wurde nicht erschossen und ist weiter in seinem Käfig. Im Allwetterzoo Münster leben zwei Amurtiger, die man auch als Sibirische Tiger kennt. Der Pfleger wurde vom Männchen Rasputin getötet, der seit 2005 in Münster lebt. Seit 2007 teilt Rasputin das Gehege mit dem Weibchen Nely.

Der Sibirische Tiger Rasputin

Sicherheitsdebatte entbrannte bereits letztes Jahr

Nach einer tödlichen Tiger-Attacke im Zoo von Köln vor einem Jahr hatte Münsters Zoodirektor Jörg Adler bereits betont, dass die Sicherheitsstandards im Allwetterzoo zwar "maximal" seien, ein Unglück durch menschliches Versagen allerdings "nicht hundertprozentig auszuschließen" ist. Seine Worte von damals sind heute traurige Realität geworden: „Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und ein Unglück passiert.“

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