Tag der deutschen Sprache
Keine Feierabendsprache

Der Tag der deutschen Sprache fällt in diesem Jahr auf den 14. September. Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache und Sprachfreunde in Deutschland und aller Welt weisen an diesem Tag seit 2001 auf guten und vorbildlichen Gebrauch der deutschen Sprache hin und kritisieren die Fehlleistungen. Unser Redaktionsmitglied Uwe Renners sprach mit dem Geschäftsführer des Vereins, Dr. Holger Klatte, über alte Wörter, Lieblingswörter, Anglizismen und die deutsche Sprache.

Samstag, 14.09.2013, 15:09 Uhr

Herr Dr. Klatte , werden Sie zum Griesgram, wenn Sie sehen, wie viele deutsche Wörter heute nicht mehr benutzt werden?

Dr. Holger Klatte: Manchmal ist es schade, manchmal auch ärgerlich, wenn Wörter nicht mehr verwendet werden, besonders wenn sie so treffend sind: Dauerlauf statt Jogging zum Beispiel. In gewisser Weise ist es aber normal, dass manche Wörter aus dem Wortschatz verschwinden und aussterben.

Gibt es Wörter, die Sie vermissen?

Klatte: Ich freue mich, wenn ich vergessene Wörter nach langer Zeit mal wieder höre oder lese. Im Duden steht vieles, was nur noch selten verwendet wird. Nehmen wir zum Beispiel die Wörter Drahtesel oder Dreikäsehoch oder das Adjektiv hurtig. Wörter, die man vor einigen Jahrzehnten noch häufiger gehört hat, sind heute durch neue moderne Wörter ersetzt worden.

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Dr. Holger Klatte

Was wünschen Sie sich am Tag der deutschen Sprache?

Klatte: Den Tag der deutschen Sprache hat der Verein ausgerufen, weil wir glauben, dass die deutsche Sprache in unserer Gesellschaft eine zu geringe Rolle spielt. Unsere Sprache ist ja etwas, was uns täglich in vielen Situationen und Lebensentscheidungen begegnet. Und diese Stellung wird in unserer Gesellschaft zu wenig berücksichtigt. Wir möchten einen Anstoß geben, dass sich möglichst viele Menschen darüber Gedanken machen, wohin sich unsere Sprache entwickelt und wie wichtig sie uns ist. Dazu veranstalten wir Kulturabende, bauen Informationsstände auf und führen Gesprächsrunden durch.

Haben Sie Angst um die deutsche Sprache?

Klatte: Es gibt viele thematische Bereiche im Deutschen, wo man den Eindruck haben muss, dass das Deutsche dafür nicht mehr gut genug ist. Im Beruf, in der Werbung und in den Medien ist heute vieles auf Englisch. Wir befürchten, dass Deutsch zu einer Feierabendsprache wird, und das möchten wir nicht.

Im Internet werden in vielen Bereichen nur noch englische Begriffe genutzt. Shit­storm, digital Natives und Social Media sind nur drei Beispiele. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Klatte: Es sind gerade diese modernen Bereiche. Bei allem, was mit Technik und den neuen Medien zusammenhängt, ist das verstärkt zu beobachten. Da werden die Wörter aus dem Englischen oder Amerikanischen einfach übernommen. Niemand macht sich im Deutschen mehr die Mühe und überlegt sich, wie man solch ein Wort von vorneherein auf Deutsch ausdrücken könnte.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Klatte: Bleiben wir beim technischen Bereich und nehmen den Rechner, der nur noch als Computer bezeichnet wird. Bei der Erfindung, an der ja Konrad Zuse beteiligt war, wurde dieses System Rechner genannt. Daraus ist der Computer geworden, weil sich das moderner anhört und sich besser verkaufen lässt. Aber Rechner drückt dasselbe aus.

Wie viel Prozent der Anglizismen halten Sie für überflüssig?

Klatte: Wir zählen momentan in unserer Alltagssprache rund 8000 Anglizismen. Wir haben eine eindeutige Einstufung vorgenommen und kommen zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent der Anglizismen auch genau so gut auf Deutsch ausgedrückt werden könnten.

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