Tiger biss Pfleger tot
Zoodirektor Adler: „Es gibt keinen Grund, Rasputin für sein Verhalten zu hassen“

Münster -

Es ist ein schwerer Gang für Jörg Adler. Und das sieht man dem Direktor des münsterischen Allwetterzoos an. Der 66-Jährige muss erklären, was nicht zu erklären ist: Einer seiner Tierpfleger ist kurz zuvor getötet worden. Von dem zehn Jahre alte Tiger Rasputin. „Es war ein tragischer Unfall“, sagt Adler. Seine Stimme zittert, nur mit Mühe kann er die Tränen zurückhalten. „Das ist jetzt so scheiß-schwierig“, entfährt es ihm.

Freitag, 20.09.2013, 08:09 Uhr

So, wie sich die Situation darstellt, hat sich Folgendes ereignet. Der 56 Jahre alte Pfleger, der seit vielen Jahren im Zoo arbeitet, hat bei der Fütterung am Nachmittag offenbar vergessen, das Gitter zwischen dem Innen- und Außenbereich zu schließen. Als er dann ins Gehege ging, um es zu reinigen, wurde er vom Tiger-Männchen Rasputin angesprungen und durch einen Biss ins Genick getötet.

Zoo-Direktor: So kam es zur Tiger-Attacke

„Es war menschliches Versagen“, sagt Adler. Der Zoo verfügt nach Angaben seines Direktors über „alle gängigen Sicherheitsvorkehrungen“.

Keine Chance auf Rettung

Das Unglück ereignete sich um kurz nach vier. Zoobesucher schlagen sofort Alarm. Die Rettungskette greift. Adler wird später sagen, dass ihm sofort bewusst war, dass es für seinen Mitarbeiter keine Rettung mehr gab.

Bis zum Abend ist das Tigergehege weiträumig abgesperrt. Der letzte Rettungswagen fährt um halb sechs. Zoo-Mitarbeiter seien sofort mit „Narkosegeräten und auch Waffen vor Ort gewesen“, erzählt der 66-Jährige weiter. Beides musste nicht eingesetzt werden.

Tiger tötet Tierpfleger durch Biss ins Genick

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    Foto: Matthias Ahlke
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Tiger sah in Pfleger "einen Rivalen"

Der Sibirische Tiger Rasputin

„Es gibt keinen Grund, Rasputin für sein Verhalten zu hassen.“ Auch wenn es nach einem derart tragischen Unfall nur schwer zu verstehen sei: „Der Tiger hat aus der Sicht eines Tieres rational gehandelt“, sagt der Zoo-Direktor. Er habe in dem Pfleger einen Eindringling gesehen, „einen Rivalen“, und sofort angegriffen.

Das Opfer war nach Angaben des Zoos alleinstehend. Der 56-Jährige habe Verwandte in Frankfurt , die umgehend informiert wurden. „Er war ein stiller Mitarbeiter“, sagte Adler. Einer, der sich ungemein für Tiere interessiert habe, der immer umsichtig gewesen sei. „Er hat den Zoo geliebt.“ Und wenn jemand, „der ein besonderes Verhältnis zu Tieren hat, von einem Tier getötet wird, ist das natürlich besonders tragisch.“

Notfallseelsorger kümmerten sich am Nachmittag um die Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Ich bin jetzt 48 Jahre im Geschäft und habe all die Jahre gehofft, dass so etwas nicht eintrifft“, sagt der Zoo-Direktor. Es kam anders.

Tödliche Tiger-Attacke in Münsters Zoo

Chronologie tragischer Tier-Attacken

Der tödliche Tiger-Angriff von Münster ist kein Einzelfall. Im Vorjahr ereignete sich ein ähnliches Unglück in Köln. In den letzten Jahren gab es zudem weitere tragische Tier-Angriffe. Eine Chroologie:
►Im Mai dieses Jahres starb eine 24 Jahre alte Tierpflegerin nahe dem nordwestenglischen Dalton-in-Furness durch einen Sumatra-Tiger. Die Frau war aus unbekannten Gründen in das Tigergehege gegangen, wie der britische Sender BBC berichtete.
► Im Kölner Zoo wurde im August 2012 eine Pflegerin von einem Sibirischen Tiger angefallen und getötet. Die Raubkatze hatte die 43-Jährige von hinten attackiert – der Zoodirektor erschoss das Raubtier anschließend in einem angrenzenden Gebäude. Die erfahrene Tierpflegerin hatte bei Reinigungsarbeiten offenbar ein Sicherheitstor offen gelassen.
► Im Augsburger Zoo wurde  im Oktober 2011 ein Pfleger von einer Elefantenkuh schwer verletzt. Nach Polizeiangaben hatte der Tierpfleger die Box einer Elefantenkuh gereinigt, als diese ihn mit ihren Stoßzähnen gegen die Wand des Elefantenhauses rammte.
► Wohl prominentestes Opfer eines Tiger-Angriffs ist der Entertainer und Zauberkünstler Roy Uwe Ludwig Horn (Siegfried und Roy): Im Oktober 2003 erlitt Horn während der Show einen leichten Schlaganfall und wurde daraufhin vom weißen Tiger „Montecore“ am Nacken gepackt. Dabei wurde er schwer verletzt und ist seither teilweise gelähmt. Wegen des Vorfalls beendeten die beiden Künstler ihre aktive Bühnenkarriere.

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