Gestohlenes Stiftskreuz über Bistum versichert
„Ein schmerzhafter Verlust“

Borghorst -

Als Bischof Felix Genn am Abend anrief, war Pfarrer Heinrich Wernsmann schon wieder in anderer Angelegenheit unterwegs. Auf dem Anrufbeantworter hat der Diözesanbischof aber eine Nachricht hinterlassen. „Er war fassungslos über den dreisten Diebstahl des Stiftskreuzes“, gibt Wernsmann Genns Worte wieder. Der Schock bei ihm und vielen anderen sitzt auch am Tag danach tief.

Mittwoch, 30.10.2013, 14:10 Uhr

Schon früh ist der Pfarrer von St. Nikomedes in seinem Arbeitszimmer. Ständig klingelt das Telefon. Alle wollen wissen, wie die Täter an den kostbaren Kunstschatz in der Kirche kommen konnten. Der Pfarrer selbst hat die halbe Nacht gegrübelt. Er macht sich Vorwürfe: „Wir hätten noch mehr für die Sicherheit des Kreuzes tun müssen.“ Eine Kameraüberwachung sei immer mal wieder Thema worden, „doch die Anbringung haben wir versäumt“. Auch das automatische Schließen der Kirchentüren im Alarmfall sei heute technisch möglich, nur wurde ein solcher Mechanismus bisher nicht installiert.

Interview

Professor Gerd Althoff zur Bedeutung des Stiftskreuzes. Hier klicken.

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„Für die Gemeinde ist der Verlust besonders schmerzhaft.“ Wernsmann weiß, wie viele Katholiken an dem 1000 Jahre alten Kreuz hängen. Dass es zurückkommt, daran mag der Pfarrer nicht so wirklich glauben. Er geht von einer Auftragstat aus. Unverständlich ist für ihn allerdings, was jemand mit dem Kreuz anfangen will: „Der Goldwert ist zumindest minimal.“

Diebstahl des Borghorster Siftskreuzes

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  • Am 29.10.2013 wurde das Stiftskreuz aus der St. Nikomedes-Kirche in Borghorst gestohlen.

    Foto: Axel Roll
  • Das Bistum Münster hatte eine Belohnung in Höhe von 50.000 Euro für Hinweise auf den Verbleib des Kunstwerks ausgesetzt.

    Foto: Z5328 Jens Wolf
  • Bei einer Präsentation in Münster war die Versicherungssumme des Stiftskreuzes auf 7,75 Millionen Euro taxiert worden.

    Foto: ka
  • Experten zufolge gehört es zu den bedeutendsten sakralen Kunstwerken des 11. Jahrhunderts in Europa.

    Foto: Axel Roll
  • Der Bauplan der extra angefertigten Vitrine,...

    Foto: Axel Roll u.a.
  • ..aus der das Kreuz gestohlen wurde.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Ein Kripobeamter sucht nach Spuren.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Am Ende der Ermittlungen wurden drei junge Männer aus Bremen festgenommen.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Die Diebe wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

    Foto: Gudrun Niewöhner
  • Das Stiftskreuz blieb allerdings weiter verschwunden.

    Foto: dwe
  • Jetzt ist es wieder da und kehrt möglicherweise in die Kirche St. Nikomedes zurück.

    Foto: Axel Roll u.a.

Auch am Domplatz in Münster ist man entsetzt ob der spektakulären Ereignisse in Borghorst, erklärte Bistumssprecher Dr. Stephan Kronenburg gestern im WN-Gespräch. Nach Rücksprache mit Diözesankonservator Dr. Udo Grote bestätigte Kronenburg die Versicherungssumme von 7,5 Millionen Euro: „Allerdings nur dann, wenn das Stiftskreuz unterwegs ist.“ Steht es in der Nikomedeskirche, ist es Teil einer Versicherung, die das Bistum für die Ausstattung aller Kirchen in der Diözese Münster abgeschlossen hat. Einen konkreten Betrag für diesen Fall konnte der Bischofssprecher nicht nennen. Dazu müsse man Kontakt mit der Versicherung aufnehmen. Erst einmal hofft Stephan Kronenburg, „dass das Kreuz wieder auftaucht“.

Vom Verschwinden des Reliquiars erfuhr der Hersteller der 35 000 Euro teuren Vitrine, die Berliner Spezialfirma „Glas First“, durch den Anruf der Westfälischen Nachrichten. Ein Mitarbeiter bat um Verständnis, man wolle sich weitere Informationen besorgen, bevor das Unternehmen eine Stellungnahme abgibt.

Für die Polizei begann gestern die Puzzlearbeit, sagte Pressesprecher Jochen Laschke . Nach dem Aufruf in der Zeitung meldeten sich am Morgen weitere Zeugen: „Wir müssen die Hinweise nach und nach auswerten.“ Das Tatfahrzeug, ein dunkler Mercedes-Kombi mit Bremer Kennzeichen, sei trotz intensiver Fahndung nicht wieder aufgetaucht. Jochen Laschke geht davon aus, dass sich die Täter bereits früher in der Borghorster Pfarrkirche umgeschaut haben. Mit einer Lösegeldforderung rechnet der Polizeisprecher hingegen nicht: „Darüber haben wir keine Erkenntnisse.“

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