Kritik an Vergabe von Aufträgen
Bei Bauprojekten wird „gelogen, dass sich die Balken biegen“

Münster -

Professor Thomas Thierau ist ein ganz verträglicher Mensch. Aber in einem Punkt lässt er nicht mit sich spaßen: „Wer das macht, dem gehört die Hand abgehackt“, sagt der Rechtsanwalt. Thierau spricht nicht von Gewaltverbrechen, sonder von baubegleitender Planung: „Die Todsünde Nr.1.“ Beim fünften Verkehrstag der Fachhochschule Münster forderte der Anwalt eine grundlegende Änderung der Vergabe von Bauaufträgen in der öffentlichen Verwaltung.

Mittwoch, 09.10.2013, 12:44 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 09.10.2013, 12:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 09.10.2013, 12:44 Uhr

Neben der besagten Todsünde – schon mit dem Bau zu beginnen, während die Planung noch nicht abgeschlossen ist – zählte er weitere Punkte auf, die zu Kostenexplosionen führen. „Bei den Kostenermittlungen für Bauprojekte wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Politiker lügen, weil sie das Projekt umsetzen wollen“, sagte Thierau . Immer wieder werde nach dem Motto „Haben wir erst einmal das Loch ausgehoben, dann wird auch gebaut“ verfahren. Und laut Thierau gibt es immer einen Dummen, der das bezahlt: „Sie! Als Steuerzahler.“

Viele Ausschreibungen würden heute schon gegen Vorschriften verstoßen, „es kümmert sich aber niemand darum“. Richtig teuer werde es meist bei Konzerthallen oder Schwimmbädern. Thierau: „Da möchten sich manche verwirklichen.“

Der Rechtsanwalt sprach sich dagegen aus, dass immer der billigste Anbieter den Zuschlag bekommt. „In der Schweiz wird das Durchschnittsangebot der Bieter errechnet. Wer da am nächsten liegt, bekommt den Zuschlag.“ Das bringe mehr Qualität und weniger Mängel während und nach dem Bau.

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