Versuchslabor Legden
Älter werden im Zukunftsdorf

Legden -

Legden, ein Dörfchen im Westen des Münsterlandes, ist das, was man von kleinen Orten nicht immer sagen kann: Legden ist seiner Zeit voraus. Die 7000-Seelen-Gemeinde stellt sich den Herausforderungen des demografischen Wandels – im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden aktiv und innovativ. „Wir wollen unser Dorf aus eigenem Interesse zukunftsfähig machen“, sagt Friedhelm Kleweken, der Bürgermeister. Und weil andere Orte das für sich auch in Anspruch nehmen, sind viele aufmerksam geworden auf das, was sich da im Westen des Münsterlandes tut. Und laden den Bürgermeister ein, davon zu berichten.

Montag, 25.11.2013, 16:11 Uhr

Am Anfang standen das „Leader“-Programm der EU und die Regionale 2016. Wer bei beidem mitmachen will und Fördergelder akquirieren möchte, der braucht eine pfiffige Idee. „Da waren wir schnell beim Thema demografischer Wandel“, sagt Kleweken .

Demografische Eckpunkte im Münsterland

Die demografische Entwicklung für das Münsterland sieht im Vergleich zu anderen Regionen Nordrhein-Westfalens relativ positiv aus. Unterm Strich verlieren die vier Münsterland-Kreise sowie die Stadt Münster kaum an Einwohnern. Derzeit leben rund 1,6 Millionen Menschen in der Region. Bei der Altersverteilung sieht die Sache anders aus. Drei Werte veranschaulichen das Problem: Wie das Statistische Landesamt IT NRW mitteilt, steigt im Regierungsbezirk Münster bis 2030 die Zahl der Einwohner im Alter zwischen 65 und 80 Jahren um 34 Prozent, die Zahl der Menschen über 80 Jahre wächst um 41 Prozent, während die der 19- bis 25-jährigen um 28 Prozent zurückgeht. In den ländlichen Regionen ist die Überalterung gravierender: So liegt beispielsweise in allen vier Münsterland-Kreisen der Zuwachs bei den mehr als 80 Jahre alten Menschen im Berechnungszeitraum bei über 50 Prozent. Spitzenreiter ist der Kreis Coesfeld mit 66 Prozent.

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Ein ganzheitlicher Ansatz

Das Besondere an dem, was seither in Legden passiert, sind nicht die einzelnen Ideen, die werden in anderen Gemeinden vermutlich auch geboren. Außergewöhnlich sind der ganzheitliche Ansatz und die Tatsache, dass alle Bürger aufgefordert sind, sich zu beteiligen – und das auch machen. „Wer einen Projektplan hat, soll den nicht im Rathaus abgeben und sagen: ,Bürgermeister, mach mal‘, er soll sich vielmehr als sogenannter Kümmerer einbringen“, ergänzt Vize-Bürgermeisterin Martina Schrage . Und von denen gibt es inzwischen etliche im kleinen Legden.

Ein Rad greift ins andere

Die Gemeinde baute barrierefreie Wohnungen, damit Ältere auch im Ortskern ein Zuhause finden. „Private Investoren zogen nach“, sagt Projektkoordinatorin Annika Lacour. Dr. Volker Schrage, Ehemann der Vize-Bürgermeisterin, verlegte seine Praxis in den Ortskern („Da gab es ein altes, leerstehendes Gebäude“) und baute es zu einem Gesundheitszentrum um. Die Folge: Die nahe Apotheke profitiert davon. So greift ein Rad ins andere.

14 Projekte

14 Projekte stehen in Legden auf der Agenda. Da gibt es die vermeintlich einfacheren. Wie den ebenfalls barrierefreien Ortskern, in dem sich Autos und Fußgänger die Straße gleichberechtigt teilen, oder den Bürgerbus als eine Art Mobilitätsgaranten. Andere Ideen müssen einem erst mal einfallen: Wie die, den Friedhof nicht nur als Ort der Erinnerung an die Toten, sondern gezielt auch als Ort der Begegnung für die Lebenden anzusehen – und auszubau­en.

Darüber hinaus entsteht im Labordorf ein Kompetenzzentrum für Geriatrie und Demenz. Parallel dazu wird die Betreuung demenziell Erkrankter ausgebaut – ein weites Feld fürs Ehrenamt. Und in einem geplanten Dahliengarten hinter der Kirche sollen sich „die Generationen begegnen“, sagt Lacour. Weil: Letztlich geht’s um ein bewusstes Miteinander von Alt und Jung.

Ein Dorf wird am Leben erhalten

Es tut sich einiges in Legden. Manchem ist das schon zu viel. „Ja, es gibt auch kritische Stimmen, die sagen: Ihr kümmert Euch nur noch um die Alten“, gibt Kleweken zu. Das aber stimme einfach nicht. Ihn und seine Mitstreiter treibt etwas Anderes an. „Wir werden oft als Altendorf abgetan“, sagt der Bürgermeister. „Uns geht es aber vielmehr darum, zu sehen, wie ein Dorf am Leben erhalten werden kann.“

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