Vorfreude auf den Bundespräsidenten
Schüler am münsterischen Annette-Gymnasium bereiten sich auf Wanderausstellung und Gauck-Besuch vor

Münster -

Peter selbst war nie in einem islamischen Land, hat in Deutschland noch keine Moschee besucht. „Aber mich würde das sehr interessieren, ich kenne das nur von Fernsehbildern“, betont der junge Mann.

Mittwoch, 20.11.2013, 08:11 Uhr

Gemeinsam mit 18 Neun- bis Elftklässlern lässt er sich derzeit am münsterischen Annette-Gymnasium zum sogenannten Peer Guide ausbilden. Wenn die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland “ in Münster Station macht und Bundespräsident Joachim Gauck zu Besuch ist, werden die jungen Leute Gruppen betreuen und Fragen beantworten.

Vier Tage dauert ihre Ausbildung. Die Schüler opfern dafür ihre Studientage, die sie sonst zu Hause verbringen – und müssen Unterrichtsstoff nachholen. „Ein tolles Engagement“, lobt Schulleiterin Jutta Rutenbeck. Simone Kotscha von der Bundeszentrale für Politische Bildung führt die Guides in spe an den Umgang mit Besuchern heran. Bereitet sie auch darauf vor, dass womöglich kritische Nachfragen kommen. „Was ist, wenn menschenverachtende Aussagen dabei sind?“, fragt die Trainerin in die Runde. Sofort schnellen Arme in die Höhe. Eine Möglichkeit ist, gegenzufragen: Warum denkt derjenige so extrem? Wie sehen das die anderen in der Gruppe? „Auf diese Weise“, so Kotscha, „kann diese eine Meinung nicht den ganzen Raum einnehmen, wird neben den anderen ein Stück kleiner.“

Die Sicht der Christen hierzulande auf die andere Religion darzustellen, mit Vorurteilen aufzuräumen: Das ist, was die Ausstellung möchte. Wie leben ihre Angehörigen in Deutschland, Tür an Tür mit Christen und anderen Religionen? Dies wird etwa an Porträts junger Muslime deutlich.

„Welches Bild wird hier vermittelt? Entspricht es der Realität, was wir in unseren Köpfen haben?“, zählt Judith Steinkühler vom Berliner Anne-Frank-Haus Fragen auf, denen sich auch die Ausstellung stellt.

Leider sind in Münster unter den Peer Guides keine Schüler muslimischen Glaubens. „Wir wollten ihnen diese Rolle nicht aufdrängen, jeder sollte sich selbst melden dürfen“, erläutert der Pressesprecher der Bundeszentrale in Bonn, Daniel Kraft.

Ein besonderer Besucher wird Bundespräsident Joachim Gauck sein. Für Marcel war dies ein „zusätzlicher Anreiz, wissbegierig zu sein“. Sebastian hat sich einige Fragen notiert, die er Gauck stellen möchte. Wie er die Entwicklung in Deutschland sieht etwa, ob der Islam zu Europa gehöre? „Was kann die Politik tun, damit sich Muslime hier wohlfühlen“, fügt Eric an. Jan-Philipp, der 2012 in Istanbul war, schilderte, wie die Menschen dort ihren Glauben leben. „Ausgelebter als wir hier“, sucht er nach Worten und erzählt: Als er mit einem Kellner zusammensaß, klingelte ge­gen 22 Uhr dessen Radiowecker. „Er hat sich entschuldigt, um beten zu gehen – und kam später zurück.“ Das habe ihn persönlich sehr beeindruckt.

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Schulklassen, die sich zur Ausstellung anmelden möchten, können das tun unter www.wasglaubstdudenn.de

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