54 Krankenhausaufenthalte
Was für ein Leben: Die Leidensgeschichte einer chronisch kranken Münsterländerin

Münsterland -

Das ist kein Leben, das man sich wünscht: Seit 28 Jahren ist sie krank, 54 Mal war sie im Krankenhaus, hat einen Bauch, der sie an eine „Mondlandschaft“ erinnert, weil sie dort schon rund 20 Mal operiert werden musste.

Mittwoch, 04.12.2013, 15:12 Uhr

„Der Bauch ist ein Scheidungsgrund“, sagt ihr Mann. Sein Humor ist gewöhnungsbedürftig. Dabei ist er es, der weint, wenn er sie wieder ins Krankenhaus bringen muss.

Sie erzählt von ihrer rechte Hand, die sie drei Jahre nicht benutzen konnte, nachdem dort ein Arzt „gepfuscht“ hat, wie es ihr Mann sagt. Gut gelaufen ist auch eine Augen-OP nicht, bei der ihr die Hornhaut transplantiert wurde. Die habe sich wieder zusammengerollt, als die Fäden gezogen worden seien.

Jetzt hat sie auf dem einen Auge nur noch fünf Prozent Sehkraft. Dazu: Herzinfarkt, entfernte Gallenblase, chronische Bauchspeichelentzündung, Lungenentzündung, Fisteln am Darm, eine entfernte Gebärmutter – „ich bin von oben bis unten lädiert“, sagt die 78-Jährige, die ungenannt bleiben möchte. Zwischendurch hat sie sich mit den Krankenhauskeimen infiziert, denen Antibiotika nichts anhaben können.

Schon ihre Kindheit fühlte sich an wie ein Fehlstart ins Leben: Als sie drei war, starb ihre Mutter. Sie wurde mit ihren Geschwistern zu einer Tante gebracht. Als ihr Vater drei Jahre später heiratete und die Kinder zu sich zurückholte, begann eine Zeit voller Missbrauch und Gewalt.

Eines ihrer vier eigenen Kinder kam blind, körperlich und geistig schwerst behindert zur Welt, jahrelang hat sie es gepflegt, bis es mit neun Jahren starb. „Sie haben mich alle allein gelassen“, sagt sie und weint. Wenn sich das Glück auf einer Skala von 1 bis 10 einteilen ließe, dann landet sie auf der 2. „Ich bin nicht verbittert“, sagt die Münsterländerin. „Aber ich bin traurig.“

Nach einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts berichten 42 Prozent der Frauen in Deutschland und 35 Prozent der Männer, an mindestens einer chronischen Krankheit zu leiden. Chronische Krankheiten sind lang andauernd, können nicht vollständig geheilt werden und erfordern eine andauernde Unterstützung des Gesundheitssystems. Die Studie hat auch ergeben: Je besser die Bildung, desto kleiner ist die Gefahr, chronisch krank zu werden.

Es hat schon Urlaube gegeben, die sie im Stehen am Strand verbracht hat. Sitzen und Liegen waren zu schmerzhaft. Aber die Kinder sollten ihretwegen nicht verzichten, erzählt sie. Ihr Mann ahnt schon, dass es ihr nicht gut geht, wenn sie anfängt, ihr Haus noch gründlicher zu putzen als sonst schon. Sie möchte ihn nicht noch stärker belasten. Da soll wenigstens das Haus sauber sein, wenn sie wieder im Krankenhaus liegt.

Neulich hat ihr ein Arzt gesagt, dass er ihr die ganze Bauchdecke wegnimmt, wenn sie noch einmal kommt. Der Mann gehört nicht mehr zu den Medizinern, die sie empfehlen würde. Wer sich so viel in Krankenhäusern bewegt, der hat immer Tipps parat. „Doktor Soundso in Ahlen ? Guter Mann“, sagen sie und ihr Ehemann. Professor XY? Besser nicht.

Sie müssen es wissen.

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