Leiharbeiter in Not
Protest der Betrogenen

Knapp 30 Leiharbeiter eines Zerlegebetriebes in Emsdetten haben am Dienstag im Rathaus der Stadt demonstriert. Sie arbeiten für einen Subunternehmer und haben seit Oktober keinen Lohn bekommen. Inzwischen werden sie von der Tafel der Caritas versorgt. Die Stadt versprach zu helfen.

Dienstag, 07.01.2014, 18:01 Uhr

EmsdettenEs war eine Demo aus der Not heraus, ein Hilferuf der Betrogenen : Etwas mehr als 30 Ungarn und Polen, die im Auftrag eines Subunternehmers in dem Emsdettener Puten-Zerlegebetrieb „Fine Food“ arbeiten, protestierten am Dienstag im Rathaus der Stadt. Sie haben seit Oktober kein Geld mehr gesehen, leben inzwischen von der Caritas-Küche und wissen weder ein noch aus. Nun soll die Verwaltung helfen: dass sie endlich legal beschäftigt werden – oder zumindest in ihre Heimat reisen können.

Die Leiharbeiter sind Opfer eines mutmaßlichen Betrügers aus Lohne in Niedersachsen. Der 62-jährige Un­ternehmer sitzt seit Dezember in Haft. Nach einer Razzia bei „Fine Food“ wurde er festgenommen, der Vorwurf: Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug.

Über Jahre soll er Osteuropäer als Arbeiter an Zerlegebetriebe in NRW, Baden-Württemberg und Niede rsachsen vermittelt haben. „In Emsdetten waren die illegalen Machenschaften am ausgeprägtesten“, teilte der Zoll kurz vor Weihnachten mit. Nun sitzt der 62-Jährige hinter Gittern – und seine insgesamt 70 Mit­ar­beiter in Emsdetten sind die Leidtragenden.

„Seit knapp zwei Wochen versorgen wir die Menschen über die Emsdettener Tafel mit dem Notwendigsten“, sagt Cees de Jong von der „Initiative Bürgerinnen und Bürger des Kreises Steinfurt für Humanität und Bleibe recht“. Das ist natürlich eine ganze Menge. Aber bei Weitem nicht genug. „Zumal die Betroffenen erbärmlich un­tergebracht sind und ihnen offenbar mitgeteilt worden ist, dass sie ihre ausstehenden Löhne in den Wind schreiben können“, erklärt de Jong.

Die Stadt will nun helfen. Der Erste Beigeordnete El mar Leuermann jedenfalls erklärte, dass die Verwaltung bei den noch ausstehenden Löhnen in Vorleistung treten könnte. Zudem sei die Verwaltung bemüht, den Betroffenen zu legalen Arbeitsverträgen zu verhelfen.

Daran ist offenbar auch der Fine Food-Mutterkonzern interessiert. „Wir stehen vor dem Vertragsabschluss mit einem neuen Unternehmen, das den betroffenen Mitarbeitern angeboten hat, ab Januar dort ein sozialversicherungspflichtiges Ar­beits­verhältnis nach deutschem Recht einzugehen“, teilte Siegfried Kaiser von der „Sprehe Geflügel- und Tiefkühlfeinkost Handels GmbH & Co. KG“ in Cloppenburg am Abend mit.

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