Wiesmann-Krise
Letzte Galgenfrist für Wiesmänner

Dülmen -

Wiesmann steht unmittelbar vor dem Aus: Die Gläubigerversammlung stimmte am Freitag dem Sanierungsvertrag für die Dülmener Sportwagenmanufaktur nicht zu. Die Investoren, zu denen auch der bisherige Haupteigentümer Stefan Breuer gehört, hatten den Vertragsbestandteil, neun Millionen Euro bis zum 7. Januar auf ein Treuhandkonto zu überweisen, nicht erfüllen können. Damit dürfte die Ära der Sportwagenproduktion in Dülmen beendet sein.

Samstag, 11.01.2014, 05:01 Uhr

Alle Drehungen und Wendungen im Insolvenzverfahren und auch ein Multimillionär in der Schweiz werden das endgültige Aus des Sportwagenherstellers Wiesmann aus Dülmen wohl nicht mehr abwenden können. Erst ging es in die vorläufige Insolvenz, dann stellte die GmbH den Antrag auf Einstellung des Insolvenzerfahrens. Sie sei angeblich wieder flüssig, hatte es geheißen.

Kurz darauf zog das Unternehmen diesen Antrag aber überraschend wieder zurück. Um schließlich eine Aktiengesellschaft zu präsentieren, der jedoch bereits bei der Erfüllung der ersten Vertragsklausel die Luft ausgeht, wie sich gestern vor der Gläubigerversammlung zeigte.

Der Sanierungsplan, den Insolvenzverwalter Dr. Norbert Küpper den Gläubigern der Sportwagenmanufaktur vorgeschlagen hatte, ist vor dem Amtsgericht in Münster geplatzt. Geplant war, den Übergang der Betriebsform von einer GmbH zur Aktiengesellschaft zu beschließen.

Neun Millionen €  der neuen Eigentümer hätten auf einem Treuhandkonto bis zum 7. Januar, eingehen sollen. Bis Freitag war jedoch kein einziger Cent überwiesen worden.

Die neuen Aktionäre, unter ihnen auch der bisherige Wiesmann-Hauptgesellschafter Stefan Breuer , erklärten den fehlenden Zahlungseingang mit technischen Problemen – das Geld sei ja da. Sollte es zutreffen, dass dieses Konsortium wirklich liquide ist, bleibt den Wiesmännern eine letzte Galgenfrist: „Es bleibt eine Hintertür offen. Die beschlossene Stillegung des Betriebes könnte der Gläubiger-Ausschuss rückgängig machen, sobald eine Million Euro auf einem Ander-Konto eingingen. Denn eines unserer Hauptprobleme ist mangelnde Liquidität“, sagte Küpper.

Doch an eine Rettung glaubt von den rund hundert Wiesmann-Mitarbeitern niemand mehr: „Dass es bei Wiesmann noch einmal aufwärts gehen könnte ist schwer vorstellbar“, zeigte sich der Betriebsratsvorsitzende Markus Stevermüer, verbittert über den Ausgang der Gläubigerversammlung. Trotz eines halben Jahres im Insolvenzverfahren habe bislang kein Mitarbeiter gekündigt. Die enge Verbundenheit der Angestellten zur Sportwagenmanufaktur ist spürbar.

Auch Wiesmann-Geschäftsführer Dr. Rolf Haferkamp war am Nachmittag vor die Belegschaft getreten, und hatte sein Scheitern als Führungskraft eingestanden. Er könne sich nicht erklären, warum kein Geldeingang zu verzeichnen sei, und er wisse, dass das nicht für seine Glaubwürdigkeit spreche.

Das Aus für Wiesmann scheint endgültig besiegelt. Nur ein Geldeingang in Millionenhöhe könnte dieses Schicksal letztlich noch abwenden.

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