Reinhold Frie pfeift auf den Stern
Das Restaurant „Rincklake“ in Harsewinkel verabschiedet sich aus der Edelgastronomie

Harsewinkel -

Dem Chef des Sterne-Restaurants „Rincklake’s“ reicht’s. Vor zwei Jahren hat Koch Patrick Speck das Restaurant in Harsewinkel-Marienfeld in den Sterne-Rang gekocht. Und damit ging der Stress los. Jetzt pfeift der Hotelier auf den Stern. „Wir haben keine Lust mehr darauf, dass unsere Küche vor allem nur einer kleinen Gruppe zu gefallen hat, nämlich den Testern der Gourmet-Führer“, erklärt Reinhold Frie.

Donnerstag, 16.01.2014, 16:01 Uhr

Innerhalb mancher Wochen habe das „ Rincklake ’s“ nur zwei Essen herausgegeben, und das an drei Tagen. „Das ist einfach nicht zufriedenstellend“, sagt der 53-Jährige. „Das System ist zu abgehoben und nur wenig rentabel.“ Und nur fürs Wochenende sei so eine Küche nicht zu halten.

Das ganze „Drumherum“, wie es Reinhold Frie nennt, macht es teuer. „All die kleinen Häppchen, die gar nicht auf der Karte stehen, zur Begrüßung und zwischen den Gängen, die Pralinen am Ende, das besonders hochwertige Geschirr oder Silberbesteck.“ Gerade im Service brauchten Spitzenrestaurants viel Personal, die Kosten zehrten 50 bis 60 Prozent des Umsatzes auf. Hinzu kam: „Statt des Steinbutts aus der Zucht kam fortan nun der Wildfang auf den Tisch.“ Der Aufwand sei enorm.

Der Abschied vom Stern fällt dem Harsewinkler schwer: „Wir haben das zwei jahrelang ausprobiert, doch als vernünftig denkender Kaufmann muss ich so handeln.“ Mittlerweile fühlt er sich erleichtert. Der Druck sei weg. Ohne Stern koche es sich eben leichter.

Der Stern des Guide Michelin hat das Haus zwei Jahre geschmückt. Frie hat einen Trend ausgemacht, dass immer mehr Sterne-Restaurants lieber auf die Auszeichnung verzichten. Inzwischen gebe es „zig Häuser“, die ihre Sterne zurückgeben. Als Beispiel nennt er das mit einem Michelin-Stern „Nero“ ausgezeichnete Restaurant im Schlosshotel Hugenpoet in Essen.

Frie begründet unter anderem damit, dass die Akzeptanz im geschäftlichen Bereich fehle. Das Finanzamt würde Rechnungen mit seinen Preisen seltener akzeptieren. Ein durchschnittlicher Abend für zwei Personen kostet in dem Restaurant in Harsewinkel 150 bis 200 Euro.

Über den Alltag in dem Restaurant meint Frie: „Wir hatten tolle Gäste und mit Patrick Speck einen Sterne-Koch der Spitzenklasse. Doch das allein reicht eben nicht mehr aus, um Geld zu verdienen.“ Während im Haupthaus eine Küche mit sechs Leuten 200 bis 300 Leute versorgt hätte, verloren sich ein paar Meter weiter zwei Gäste – betreut von sieben Mitarbeitern. „Und dann läuft was verkehrt.“

Sternekoch Speck wird das Unternehmen nach Fries Worten verlassen und soll sich nach seinen Worten sogar aus der Küche verabschieden. Die sieben anderen Mitarbeiter werden nach den Worten des Hoteliers zumindest so lange blieben, bis ihre Arbeitsverträge auslaufen. Und in dem Restaurant sollen nun Feste und Küchenpartys stattfinden. Frie: „Die Nachfrage ist riesig.“

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