Friedenspreis will hoch hinaus
Auszeichnung für den „Außenposten der Menschheit“ und die Kriegsgräberfürsorge

Münster -

Der Westfälische Friedenspreis kommt richtig rum: Nachdem ihn schon Preisträger wie Helmut Schmidt, Kofi Annan und Valery Giscard d’Estaing mit nach Hause nehmen durften, erhält ihn jetzt die Internationale Raumstation ISS, die in rund 400 Kilometern Entfernung alle 90 Minuten ein Mal um die Erde rast.

Donnerstag, 13.03.2014, 19:03 Uhr

Ob das etwa zwei Kilo schwere und 33,4 Zentimeter hohe Bronzepferd der Künstlerin Nina Koch tatsächlich beim nächsten Versorgungsflug mit ins All kommt, ist fraglich. Aber: „An uns soll‘ s nicht scheitern“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL), Dr. Reinhard Zinkann . Sollte der Preisträger den Wunsch äußern, würde er noch eine zweiter Version gießen lassen.

Dass der in zwei Kategorien mit 100 000 Euro dotierte Preis so hoch hinaus soll, begründete Zinkann mit dem Erfolg dieses „ Außenpostens der Menschheit“ im All. Er belege, dass eine friedliche internationale Zusammenarbeit von Partnern unterschiedlichster Kulturen möglich sei. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung in der Ukraine meine Zinkann: „Es ist nicht die Aufgabe der Wirtschaftlichen Gesellschaft, politische Ereignisse zu diskutieren. Aber es ist unser Wunsch, dass der Prozess ein friedliches Ende findet.“

Am 25. Oktober wird voraussichtlich Thomas Reiter den Preis im Friedenssaal des Rathauses in Münster entgegennehmen. Er war im Juli 2006 der erste Raumfahrer der Europäischen Raumfahrtbehörde, der zu einem Langzeitaufenthalt auf die ISS flog. Geplant ist auch eine Live-Schaltung zur ISS.

Fliegende Webcam auf der ISS:

 
Live streaming video by Ustream

Zinkann gab bei der Bekanntgabe der Preisträger gerne zu, dass die Raumstation mit dem Westfälischen Frieden nichts zu tun habe. Weil sich aber dieses Jahr der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal, der des Zweiten zum 75. Mal und das Ende des Ost-West-Konflikts zum 25. Mal jähre, passe die ISS zum Thema dieses Jahres. Deswegen habe sich die WWL entschieden, von ihren Prinzipien abzuweichen, und keine Einzelperson, sondern eine zweite Organisation auszuzeichnen. Der Gesellschaft gehe es um die „Bestätigung einer Gruppenleistung“', wie Zinkann betonte.

Als „Gegenteil von denen da oben“ bekommt die Kriegsgräberfürsorge für ihre Jugendarbeit da unten“ den Preis in der zweiten Kategorie. Zinkann meinte: „Dass es Jugendliche gibt, die sich um die Pflege Tausender Gräber kümmern, ist bemerkenswert. Sie setzen ein Zeichen der Versöhnung. Was Zinkann besonders berührt: „Die Jugendlichen, die sich heute um die Gräber kümmern, haben das gleiche Alter wie die Soldaten, die in den Ersten und Zweiten Weltkrieg gezogen sind.“ Volksbund-Präsident Markus Meckel sagte: „Etwa 20 000 junge Menschen aus ganz Europa setzen sich mit der Vergangenheit, mit ganz unterschiedlichen Schicksalen, aber auch mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen auseinander. Die Kriegsgräber werden somit Orten des Lernens und der internationalen Verständigung.“

Die 100 000 Euro Preisgeld und die Ausrichtung der Feier werden von 60 Unternehmen aus Westfalen-Lippe bezahlt. Ziel des Preises ist es, Personen und Organisationen auszuzeichnen, die ein Vorbild für Ausgleich und Frieden in Europa und in der Welt sind.

Der Westfälische Friedenspreis ist 1998 zum 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens gestiftet worden. Seitdem wird er alle zwei Jahre an zwei Preisträger verliehen.

Fotostrecke mit den bisherigen Preisträgern des Westfälischen Friedenspreises:

 

Westfälischer Friedenspreis: Die bisherigen Preisträger

1/10
  • Jordaniens König Abdullah II. erhielt den Friedenspreis im Jahr 2016.

    Foto: dpa
  • Mit dem Preis des Westfälischen Friedens wurden im Jahr 2014 die „International Space Station“ (ISS) und die Jugendarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge geehrt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Verleihung des Westfälischen Friedenspreises im Jahr 2012 an Helmut Schmidt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2010 wurde der Dirigent und Pinanist Daniel Barenboim mit dem Preis geehrt.

    Foto: Kim Graf
  • Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan wurde 2008 mit dem Preis des Westfälischen Friedens geehrt.

    Foto: A1885 epa Keystone Sandro Campar
  • 2006 erhielt der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing den Preis.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • Der Dirigent Kurt Masur wurde im Jahr 2004 ausgezeichnet.

    Foto: dpa
  • Im Jahr 2002 ging der Friedenspreis an die ehemalige Bundesanwältin der Schweiz: Carla Del Ponte

    Foto: Martial Trezzini
  • Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl wurde 2000 mit dem Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet.

    Foto: A2942 Ingo Wagner
  • 1998 erhielt Vaclav Havel (links im Bild), Schriftsteller und ehemaliger tschechischer Staatspräsident, den Preis des Westfälischen Friedens.

    Foto: dpa
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