Konflikt bei der Provinzial
„Hier rasen zwei D-Züge mit Volldampf aufeinander zu“

Münster -

Wenn ihm der Geduldsfaden reißt, dann fackelt Rolf Gerlach nicht lange: Seit Wochen schon brodelt die Gerüchteküche, gab es immer wieder Spekulationen über ein mehr oder weniger großes Stühlerücken im Vorstand der Provinzial-Nordwest. Gerlach ist Chef der westfälisch-lippischen Sparkassen und vertritt, wo auch immer, knallhart deren Interessen.

Mittwoch, 21.05.2014, 09:05 Uhr

Aus Sorge um ein zweites WestLB-Desaster, das die Sparkassen in ihren Büchern mit sich herumschleppen, wollten Gerlach und seine Sparkassen die Versicherung 2012 für einen guten Preis von angeblich mehr als 2,25 Milliarden Euro an die Allianz verkaufen, scheiterte damit aber auch an einer im Münsterland bis dahin einzigartigen öffentlichen Solidarisierungswelle zugunsten der Provinzial und ihrer heimischen Arbeitsplätze.

Personalrat verklagte Eigentümer

Danach scheiterte die als Ersatzlösung favorisierte Verschmelzung der Provinzial Nordwest mit der Düsseldorfer Rhein-Provinz. Zudem verklagte der Personalrat der münsterischen Provinzial die Eigentümer wegen einer aus seiner Sicht illegal hohen Gewinn-Ausschüttung – vorläufiger Höhepunkt eines schweren Konfliktes zwischen Eigentümern und Arbeitnehmervertretern in der Provinzial.

Insider beschreiben dieses Verhältnis inzwischen mit einem sehr drastischen Bild: „Hier rasen zwei D-Züge mit Volldampf aufeinander zu.“ Innerhalb der Belegschaft gibt es zudem den Konflikt darüber, wie stark die Unternehmensstandorte Münster und Kiel von den geforderten Sparmaßnahmen betroffen sein sollen.

Sparkassen unter Druck

Die Sparkassen stehen angesichts der andauernden Niedrigzinsphase und der WestLB-Belastungen selbst unter Druck und wollen sich deshalb mit der Provinzial, bei der sie insbesondere im Lebensversicherungsgeschäft große finanzielle Risiken sehen, keine zusätzlichen Probleme ins Haus holen.

Mehr noch: Sie haben ein Auge auf die Versichertenbestände geworfen und wollen damit nun eigenes Geld verdienen. Diesem Ansinnen aber widersetzt sich Provinzial-Vorstandschef Rüther, weil er auf Sicht die Aushöhlung des von ihm geführten Unternehmens befürchtet. Eine neue Konfliktlinie mit Gerlach, der ursprünglich an Rüther festhalten und dessen Vertrag im Herbst verlängern wollte.

Rüther war im Dezember 2012 auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung über den Verkauf der Provinzial an die Allianz wegen einer mutmaßlichen Schraubenzieher-Attacke auf ihn in die Schlagzeilen geraten. Nach kurzen Ermittlungen bestritt der 46-Jährige den Vorfall; das Verfahren wegen Vortäuschung einer Straftat wurde gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Der Aufsichtsrat der Provinzial kommt zu seiner nächsten Sitzung am 24. Juni zusammen.

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