Über 10.000 Kirchenaustritte im Bistum Münster
„Wir haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem“

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Bistum Münster im Jahr 2013 stark gestiegen: 10.112 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 4.450 (78 Prozent) mehr als im Vorjahr. 418 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Bistum Münster im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, hinzu kamen 273 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen.

Freitag, 18.07.2014, 15:07 Uhr

Wie die Bischöfliche Pressestelle am Freitag, 18. Juli in Münster weiter mitteilte, sind 2013 im Bistum 13.905 Menschen durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen worden, 410 weniger als 2012. Die aktuelle Katholikenzahl in der Diözese lag Ende vergangenen Jahres bei 1,93 Millionen, das sind gut 15.000 weniger als ein Jahr zuvor. Münster ist hinter den Erzbistümern Köln und Freiburg nach wie vor die drittgrößte Diözese in Deutschland .

 

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärte zu den Zahlen: „Die hohe Zahl der Kirchenaustritte ist ein alarmierendes Signal und schmerzt mich zutiefst. Wir haben als katholische Kirche in Deutschland ganz offensichtlich ein massives Glaubwürdigkeitsproblem . Sicher hängen viele Austritte auch mit der Diskussion um den Bau des Bischofshauses in Limburg und der daraus folgenden Diskussion über die die Kirchenfinanzierung in Deutschland zusammen. Wir würden es uns aber zu einfach machen, wenn wir dies als alleinige Erklärung für die dramatische Entwicklung heranziehen würden.

Vielmehr gilt: Jeder einzelne von uns und insbesondere jeder, der in der Kirche Verantwortung trägt, sollte sich ganz persönlich fragen: Bin ich selbst ein glaubwürdiger Zeuge der Frohen Botschaft Jesu Christi? Spüren die Menschen nicht nur an meinen Worten, sondern vor allem auch an meinem Tun und Leben, was der Kern dieser Frohen Botschaft ist? Die vielen Kirchenaustritte sind ein deutlicher Warnschuss. Sicher wird es uns nicht von heute auf morgen gelingen, das Vertrauen, das verloren gegangen ist, wieder zurück zu gewinnen. Das ist ein langer Prozess.

Dennoch müssen wir alles dafür tun und uns dafür einsetzen. Das meint nicht einen falschen Aktionismus, sondern heißt für mich: wir müssen an der Seite der Menschen und mitten unter ihnen stehen; wir müssen eine einladende und keine ausschließende Kirche sein; wir müssen eine Kirche sein, die die Charismen und Begabungen aller Gläubigen aufsucht und fördert; wir müssen eine Kirche sein, die für die Menschen da ist – gerade für diejenigen am Rande unserer Gesellschaft. Dann merken die Menschen hoffentlich: der Glaube schränkt mein Leben nicht ein, sondern er bereichert es ungemein. Hoffentlich spüren die Menschen schon bald wieder viel stärker: der Glaube tut mir gut, er tut anderen gut und es kann so viel Freude und Spaß machen, Christin und Christ zu sein.“

Das Bistum Münster hat unterdessen die beiden Professoren Heribert Meffert (emeritierter Direktor des Instituts für Marketing am Marketing Centrum Münster – MCM) und Peter Kenning (Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Zeppelin Universität Friedrichshafen) mit einer systematischen Analyse der Zufriedenheiten und Unzufriedenheiten der Gläubigen im Bistum Münster beauftragt. Ziel der Untersuchung ist es unter anderem, verlässlichere Information über die Ursachen der vermehrten Kirchenaustritte und der sinkenden Zahlen etwa bei Gottesdienstbesuchern, kirchlichen Eheschließungen oder Taufen zu erhalten. Hiervon ausgehend sollen dann Ansatzpunkte entwickelt werden, mit welchen Maßnahmen diesen Tendenzen im Bistum Münster begegnet werden kann.

Einen starken Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Bistum Münster auch bei den Menschen, die sonntags die Messe besuchten. Das waren 2013 noch 188.613 Katholiken (9,7 Prozent) – 22.875 weniger als im Vorjahr. Rückgänge gab es 2013 auch bei den Taufen (13.905 im Vergleich zu 14.315 im Jahr 2012), bei der Erstkommunion (2013: 17.252; 2012: 18.586) und bei den kirchlichen Trauungen (2013: 3.550; 2012: 3.827). Leicht gestiegen sind die Zahlen der Firmungen von 15.359 im Jahr 2012 auf 15.757 und die der Bestattungen: von 19.953 im Jahr 2012 auf 20.571 im vergangenen Jahr.

Die wichtigsten Zahlen für das Jahr 2013 aus dem Stadtdekanat Münster, aus den Kreisdekanaten und aus dem Offizialatsbezirk Oldenburg (in Klammern die Zahlen des Jahres 2012) finden sich in der folgenden Tabelle:

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