Forschung durch die Hintertür
Exxon stößt mit Ankündigung auf Skepsis

Münster/Düsseldorf -

Das Versprechen klingt verlockend: Die Förderung von Schiefergas durch Fracking solle künftig ohne giftigen Chemie-Cocktail möglich sein, hat der Energiekonzern Exxon Mobile vergangene Woche in einer Anzeigenkampagne versprochen. Doch die Ankündigung stößt auf Skepsis.

Donnerstag, 02.10.2014, 08:10 Uhr

Schon vor der Exxon-Kampagne hatte die Bezirksregierung Arnsberg die formale Lizenz für Gasvorkommen in NRW-Nord verlängert. Eine Bohrerlaubnis ist das nicht, die wird so schnell auch nicht folgen. Denn die Bundesregierung will in Kürze mit gesetzlichen Vorschriften einen weit reichenden Grundwasserschutz und eine strenge Umweltverträglichkeitsprüfung festlegen. Ziel sei, „dass sich kommerzielles Fracking auf absehbare Zeit nicht rechnet“, betont Michael Schroeren , Sprecher des Bundesumweltministeriums.

Forschungsbohrungen sollen hingegen möglich sein. Die möchte die RWTH Aachen im südlichen Münsterland ansetzen. In Düsseldorf vermuten Insider, dass darauf die Exxon-Kampagne zielt. Zumal die Hochschule anders als der Konzern die geforderte Erklärung abgeben kann, keine weiteren Frackingpläne zu verfolgen.

Kraft lehnt Fracking weiter ab

Bei Politikern stößt der Vorstoß von Exxon Mobile auf Skepsis. Ihre ablehnende Haltung ändere das nicht, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft unserer Zeitung.

Es bleibt bei meiner Aussage, dass es kein unkonventionelles Fracking in NRW geben wird, solange ich Ministerpräsidentin bin.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

Skeptisch reagieren auch Wissenschaftler wie Uwe Schneidewind, der das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie leitet: „Das Potenzial für ökologische Chemikalien ist unzweifelhaft groß“, sagt er zu Exxons Ankündigung. Zugleich widerspricht er der Darstellung, Fracking sei flächenschonend. Er hatte sich mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Kanada informiert: Drei Fußballfelder große Bohrstätten alle sieben Kilometer, täglich mehr als 60 Lkw, lärmende Kompressoren prägen die Landschaft. „Erst wenn die Bohrtrupps abgezogen sind, geht das zurück“, sagt Schneidewind. Die Exxon-Kampagne sei „eher eine platte Form der Akzeptanzbeschaffung“. Das funktioniere aber nur im Dialog mit Kritikern.

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