Kreissporthalle ist für zwei Wochen Notunterkunft
200 Flüchtlinge treffen in Ibbenbüren ein

Ibbenbüren - Erst am Donnerstag hatte der Landrat der Bezirkregierung die Unterstützung des Kreises Steinfurt bei der Aufnahme von Flüchtlingen zugesagt. Innerhalb weniger Tage richteten daraufhin Helfer die Kreissporthalle in Ibbenbüren für 200 Menschen her. Am Sonntag trafen die ersten ein. Zwei Wochen sollen sie in der Halle bleiben. Danach geht es für sie weiter in eine Einrichtung in einer anderen Stadt.

Sonntag, 12.10.2014, 19:10 Uhr

„Der Bus ist da!“ Auf diesen Moment haben sie alle schon den ganzen Tag mit Spannung gewartet: DRK-Helfer, Feuerwehr , Verantwortliche der Stadt- und Kreisverwaltung, Polizei, Caterer, Security-Kräfte – die Liste ließe sich fortsetzen. Auch Bürgermeister Heinz Steingröver und Dr. Martin Sommer vom Kreis machen sich vor Ort ein eigenes Bild.

Unterm Strich sind es bis zu 200 Männer und Frauen, die sich teils seit Tagen unentgeltlich einsetzen, um den Flüchtlingen den Aufenthalt in der Kreissporthalle in Ibbenbüren zumindest einigermaßen erträglich zu machen. Bis zum Schluss werden die Feldbetten vorbereitet, Auflagen und Handtücher verteilt. Ganz viele Bürger aus Ibbenbüren und den umliegenden Orten haben spontan Kleidung und Textilien gespendet, die den Ankömmlingen direkt zugutekommen sollen. DRK-Präsident Dr. Artur Wilkens spricht von einer „Welle der Hilfsbereitschaft“.

Von den Flüchtlingen, die da kommen sollten, ist den Verantwortlichen zunächst erstaunlich wenig bekannt. Menschen aus 25 verschiedenen Nationen kommen Sonntag zunächst in zwei Etappen. Jeweils ein Bus und zwei, drei Taxi-Bullis werden dazu eingesetzt. Die Menschen kommen mit Koffern, Taschen, Tüten, Kinderwagen. Sie stellen das Gepäck ab, erhalten einen kleinen Snack und setzen sie an die langen Tische. Viele kleine Kinder unter zehn Jahren sind dabei.

In der ersten Etappe sind meist Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, wenige aus Pakistan. Dolmetscher stehen für den ersten Kontakt bereit. Die Ankömmlinge fragen: „Wo sind wir hier? Wo kommen wir unter? Wie lange bleiben wir hier?“ Nicht alle Fragen können beantwortet werden, und nicht jede Antwort ist zufriedenstellend.

„Oh nein!!“, entfährt es einer jungen Mutter, als sie erfährt, dass es große Schlafsäle gibt, dass nicht jeder Familie ein eigener Raum zur Verfügung steht, so wie sie es in den vergangenen vier Wochen im ostwestfälischen Nieheim kannten, dass die Unterkunft für bis zu 14 Tage vorgesehen ist. In Nieheim handelte es sich nicht um eine Notunterkunft, sondern um eine Einrichtung, deren Dauer auf ein Jahr begrenzt sein sollte. So soll es der Bürgermeister der Nieheimer Bevölkerung versprochen haben, hieß es. Und deshalb wird sie jetzt geschlossen, hieß es.

Die spontane Reaktion der jungen Mutter war vorhersehbar. In Nieheim teilten sich vier, fünf Menschen einen Raum. In Ibbenbüren wird man über Tage mit Dutzenden Menschen auf engem Raum zusammenleben. Es wird abzuwarten sein, wie sich die Menschen so vieler Nationen arrangieren werden.
Am Montag werden noch zusätzlich rund 40 Flüchtlinge aus Dortmund erwartet. Ihre Gesamtzahl dürfte demnach nicht 200 übersteigen.

Bürgermeister Heinz Steingröver rechnet stark damit, dass es bei den angekündigten zwei Wochen als Zwischenlösung bleibt. Bis dahin müssen andere, feste Unterkünfte gefunden sein. Den Notstand kennt nicht nur Ibbenbüren und der Kreis Steinfurt. Er ist in ganz NRW, in ganz Deutschland eines der aktuellsten Themen, auf das die Länder zu wenig vorbereitet sind. Steingröver erinnert daran, dass allein Ibbenbüren vor rund 20 Jahren bis zu 1000 Flüchtlinge bewältigen musste und auch bewältigt hat.

Es wird abzuwarten bleiben, wie die Bevölkerung auf die Notunterkunft in der Sporthalle reagiert, die inmitten eines Wohngebiets liegt, wie der Bürgermeister feststellt. Es gibt viel Hilfe, es gibt aber auch Ablehnung, sagt Kreissprecherin Kirsten Weßling. Angesicht der aktuen Situation sei das allerdings nicht akzeptabel.

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