Freiwillig ins Ebola-Gebiet
„Ich bin nicht mutiger als andere“

Hagen/Witten -

Mit dem Flieger ins Ebola-Gebiet? Die meisten Menschen würden wahrscheinlich dankend ablehnen. Nicht so Marcus Richter. Der 37-Jährige aus Witten hat sich entschieden, in Sierra Leone zu helfen. Freiwillig. Seine Lebensgefährtin ist „nicht begeistert“.

Dienstag, 14.10.2014, 11:10 Uhr

Im Infektionsschutzanzug ist es stickig, etwa um die 40 Grad heiß. „Man schwitzt eigentlich sofort und darf sich nur ganz langsam bewegen“, berichtet Marcus Richter . Das An- und Ausziehen von Gummistiefeln, Schürze, Haube, Mundschutz, Brille und flüssigkeitsdichter Montur ist langwierig und dauert bis zu 20 Minuten. Sie wird von einem Fachmann überwacht, der bei jedem zweiten Schritt zum Desinfektionsspray greift und den Anzug absprüht. Dort, wo Marcus Richter am Mittwochabend hinfliegt, ist diese Prozedur überlebenswichtig.

Der 37-Jährige hat sich entschieden, vier Wochen lang im westafrikanische Sierra Leone Katastrophenhilfe zu leisten. Gemeinsam mit einem internationalen Team aus Medizinern und Technikern baut der Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes West mitten im Seuchengebiet – in Kenema – eine Isolierstation für Ebola-Kranke mit auf. Zwei Tage lang ist er jetzt in Würzburg auf diesen Einsatz vorbereitet worden. „Wie funktioniert der Virus? Wie steckt man sich an? Wie kann man sich schützen? Und was passiert, falls man sich infizieren sollte?“, umreißt er Fragen, mit denen er sich beschäftigt hat.

Ich habe Respekt vor der Krankheit, Respekt vor der Situation.

Marcus Richter hilft freiwillig in Sierra Leone

Angst? Der Wittener, der bereits in Pakistan, Haiti und im Choleragebiet in Simbabwe Trinkwasseraufbereitung betrieben hat, schüttelt den Kopf. Respekt treffe es eher. „Ich habe Respekt vor der Krankheit, Respekt vor der Situation“, räumt er ein. Mit einer Ansteckung rechne er nicht. Werde er doch als Techniker nur in Ausnahmefällen direkt mit Infizierten zu tun haben – dann nämlich, wenn auf den Krankenstationen Geräte ausfallen und ausgetauscht werden müssen.

Ansonsten sei er dafür zuständig, Zelte und sanitäre Einrichtungen aufzubauen, Müllverbrennungsanlagen zu errichten und Personal anzuleiten. „Damit das Know-how im Land bleibt.“ Hier zu Hause warten seine Eltern und seine Lebensgefährtin auf ihn. Letztere sei natürlich besorgt und „nicht begeistert gewesen, dass ich fahre“. Dennoch habe sie seinen Wunsch verstanden, „mit meiner Arbeit dazu beizutragen, dass vielleicht 150 Menschen nicht sterben müssen“.

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Nicht alle Freiwilligen sind geeignet

Der Rettungsassistent selbst hat am Freitagabend von seinem bevorstehenden Einsatz erfahren. Sein Arbeitgeber – der DRK-Blutspendedienst in Witten – ließ ihn umgehend ziehen. „Neben Spenden ist für uns vor allem die Bereitschaft der Arbeitgeber wichtig, Mitarbeiter für einen solchen Einsatz freizustellen, um die klinische Arbeit in Sierra Leone mit Personal zu unterstützen“, betont DRK-Sprecher Heinz Kapschak. Dies trage dazu bei, dass „auch wir hierzulande langfristig vor der Epidemie geschützt sind“. So haben sich beim Deutschen Roten Kreuz bereits 1500 Freiwillige gemeldet, von 350 konkreten Bewerbungen seien 117 geeignet. „Diese Menschen müssen tropentauglich sein und natürlich sehr gut Englisch sprechen“, betont DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters. Richter ist einer der Ersten, die geschickt werden. Er für seinen Teil bereitet sich derzeit darauf vor, „mit viel Leid und auch dem Tod konfrontiert zu werden“. Er werde vor Ort ein Sicherheitsbriefing der WHO sowie die psychosoziale Nachsorge in Anspruch nehmen. Vor Übergriffen der Bevölkerung auf die Behandlungsstation fürchtet er sich nicht.

„Anfängliche Aggressionen waren eher der Unsicherheit und dem Unwissen der Menschen geschuldet“, ist der 37-Jährige überzeugt. Ansonsten werde das Lager nicht durch Polizei oder Militär geschützt. Laut Heinz Kapschak vertraue das DRK auf die Schutzfunktion des „roten Kreuzes auf weißem Grund, das in aller Welt bekannt ist“.

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