Muslime in Ahlen in Sorge
Angst vor IS-Terroristen im Münsterland

Ahlen/Hamm -

 Kein Gespräch mehr, auch kein Kommentar. Stattdessen ein knappes „Wir sagen nichts mehr dazu.“ In der muslimischen Gemeinschaft Ahlens geht die Angst vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) um. Etwas mehr als fünf Wochen ist es jetzt her, dass dort der 18 Jahre alte Tolunay G. verschwand, er schloss sich den radikal-islamischen Kämpfern an.

Dienstag, 21.10.2014, 08:10 Uhr

Nun klingelt bei seinen Eltern, Verwandten und Bekannten des Öfteren das Telefon. Am anderen Ende: Unbekannte, die im Namen des IS warnen. Man möge nicht mehr nach Tolunay suchen und vor allem: öffentlich nicht mehr über ihn sprechen, ansonsten ...

Ungewöhnlich sind solche Drohanrufe der Extremisten offenbar nicht. Auch in Münster lebende Jesiden haben davon berichtet. Bei ihnen geht es in der Regel jedoch um Lösegeld, das die Terroristen für die von ihnen im Irak entführte Angehörigen verlangen. Die Sicherheitsbehörden nehmen die Anrufe ernst. „Uns ist bekannt, dass die Terroristen auf diese Weise Geld erpressen oder einschüchtern wollen“, heißt es dazu auf Nachfrage.

Der 18-Jährige aus Ahlen ist nicht der einzige junge Muslim aus der Gegend , der sich in den vergangenen Wochen den IS-Terroristen angeschlossen hat. Fast zeitgleich machte sich ein 22-Jähriger aus Hamm auf den Weg. Auch hier berichten Angehörigen von „Veränderungen“ im Vorfeld. Der junge Mann habe mit einem Mal radikale religiöse Ansichten vertreten und sich auch äußerlich als ultrakonservativer Salafist gebärdet. Offiziell will er in den Nahen Osten gereist sein, um ein religiöse Ausbildung zu erhalten.

Damit hat sich die Zahl der mutmaßlichen Terroristen aus der Region deutlich erhöht. Wie berichtet, hatten sich bereits vor einigen Monaten zwei Männer aus Münster und Lengerich dem IS angeschlossen. Hinzu kommen nun die fünf Muslime aus Ibbenbüren.

Jesiden und Christen aus dem Münsterland berichten von schrecklichen Erfahrungen

Ob zwischen dem Ahlener und dem 22-Jährigen aus Hamm eine Verbindung besteht, ist unklar. Die Behörden geben zu Einzelfällen ge­nerell keine Auskunft. Ei­nes jedoch fällt auf: Angehörige und Bekannte sprechen in beiden Fällen unabhängig voneinander davon, dass die Kontaktpersonen „im Münsterland, mutmaßlich in Ibbenbüren zu suchen“ seien. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Wie das NRW-Innenministerium mitteilte, konzentrieren sich die Anwerbeversuche der religiösen Ex­tremisten vor allem auf den Rhein-Ruhr-Raum, die Region Köln-Bonn, den Bereich um Wuppertal und Solingen sowie den Aachener-Raum. „Wir wissen aber hundertprozentig, dass diese Kräfte in Ibbenbüren und auch in einem Stadtteil Hamms aktiv sind“, sagt eine Kontaktperson in Ahlen .

Jesiden-Protest in Münster

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  • Foto: Oliver Werner
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Der Bezug zu Ibbenbüren hat seit Montag eine neue Dimension. An diesem Tag wurde bekannt, dass sich fünf Männer von dort auf den Weg in die Krisengebiete gemacht haben. Gibt es eine Islamisten-Zelle im nördlichen Münsterland?

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