Wieso wurden junge Muslime IS-Kämpfer?
Entsetzen, Trauer, Ratlosigkeit

Ibbenbüren - In Ibbenbüren kommt derzeit alles zusammen. Mindestens drei, womöglich sogar fünf jugendliche Muslime sind verschwunden . Offenbar befinden sie sich als Kämpfer für die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) in Syrien oder im Irak. Niemand hat derzeit Kontakt zu ihnen.

Freitag, 31.10.2014, 18:10 Uhr

Am Freitag versuchen Bürgermeister Heinz Steingröver und Vertreter mehrerer muslimischer Verbände zu erklären, was anscheinend nicht zu erklären ist: Warum sich in Deutschland sozialisierte junge Männer plötzlich derart für die Ideen der Steinzeit-Islamisten begeistern, dass sie dafür ihr Leben radikal umkrempeln.

„Wir sind geschockt“. Das ist der am meisten gesagte Satz an diesem Nachmittag. Es habe keine Anzeichen für die Radikalisierung gegeben. Niemand will etwas bemerkt haben. Aber haben die, die sie kannten, auch genau genug hingeschaut?

Bürgermeister Steingröver ist eines zu betonen wichtig: „In Ibbenbüren funktioniert die Integration.“ Das mag stimmen, hilft jedoch wenig.

Die Jugendlichen, die in der muslimischen Community bekannt sind, „haben ei­nen deutschen Pass“ und stammten aus „ordentlichen Familien“, sagt Selcuk Özdemir vom Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche. „Die Angehörigen sind am Boden zerstört.“ Zwei Väter hätten sogar ihre verschwundenen Söhne angezeigt. „Das stellen Sie sich mal vor!“

Prof. Mouhanad Khorchide leitet in Münster das Zentrum für Islamische Theologie . Für ihn hat die Hinwendung junger Muslime zu Salafismus und islamistischem Terror nichts mit der Region zu tun. „Das ist ein soziales Problem“, sagt er. Eines, bei dem sich die Ausgeschlosse nen, Unterprivilegierten mithilfe extremistischer Gedanken aufwerten. „Die IS hämmert ihnen mit ihren Propagandavideos in den Kopf: Du bist ein Muslime, Gott ist auf deiner Seite, die wahren Gewinner sind wir.“ So fühlen sich Underdogs schnell wie Topdops. Und sicher sei: Die, die nach Syrien und in den Irak gingen, „sind bereit zu sterben“.

Im Gegensatz zum Verfassungsschutz glauben die Ibbenbürener Muslime nicht, dass ihre Jugendlichen in der Stadt radikalisiert werden. „Wir wissen nichts davon“, sagt Veli Firtina, Vertreter des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (Ditib).

Deutlich wurde an diesem Nachmittag. Die Muslime in Ibbenbüren suchen händeringend nach Antworten. Ob sie dafür auch die richtigen Fragen stellen, steht auf ei­nem ganz anderen Blatt.

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