Reste befinden sich verstreut auf der ganzen Welt
Wo ist die Mauer geblieben?

Münster/Berlin -

„Die Mauer muss weg“, forderten Zehntausende Bürger der DDR. Ihr Ruf wurde im November vor 25 Jahren Wirklichkeit. Aber wo ist sie hin, die Mauer? 160 Kilometer Betonmauer lösen sich schließlich nicht einfach in Luft auf.

Sonntag, 02.11.2014, 12:11 Uhr

Tyisch bunte Teilstücke der Berliner Mauer stehen im brandenburgischen Teltow – und an vielen anderen Orten in der ganzen Welt
Tyisch bunte Teilstücke der Berliner Mauer stehen im brandenburgischen Teltow – und an vielen anderen Orten in der ganzen Welt Foto: dpa

Drei Viertel des Eisernen Vorhangs fraß das sogenannte „grüne Ungeheuer“. So hieß der eigens konstruierte Schlagwalzenbrecher, der ab 1991 zwei Jahre lang pro Tag 570 Mauersegmente verschlang. Der Mauerschutt kam als Kies im Straßenbau zum Einsatz. Seitdem können die Berliner die Mauer jeden Tag mit Füßen treten.

Bernauer Straße

Das verbleibende Viertel teilen sich Berlin und die Welt. Kaum mehr als zwei Kilometer stehen noch an Ort und Stelle. An der Bernauer Straße ist noch ein kompletter Abschnitt der Grenzanlagen zu sehen. Die Mauer ist hier als das erhalten, was sie mal war. Ein Todesstreifen mit Wachtürmen, Stacheldraht, Schießbefehl.

Treppenwitz

Es ist der Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet ein Bauwerk, welches die Ausreise von DDR-Bürgern in den Westen verhindern sollte, seit 25 Jahren selbst in alle Herren Länder reist. Die Mauer hat den Weg auf alle Kontinente gefunden. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat darüber Buch geführt: Das erste Stück ließ die britische Militärregierung noch 1989 nach London bringen, wo es seitdem vor dem Imperial War Museum steht. Mittlerweile haben alle US-Präsidenten seit der Wiedervereinigung ein Mauersegment geschenkt bekommen. Auch Münster hat einige Stücke der Mauer, eines steht auf dem Gelände der Hochschule der Polizei . Ein weiteres fristet sein Dasein auf einem Betriebsgelände im Stadtteil Nienberge. Kurios: Der König von Tonga hat 1990 bei einer Versteigerung ein Betonsegment erworben, es kam aber nie im Südpazifik an. Die größte Ansammlung von Mauerstücken außerhalb Deutschlands gibt es in Argentinien, dort schmücken sie die Eingangshalle eines Verlagsgebäudes. In Südafrika stehen Mauerstücke in einem Einkaufszentrum.

Ihre eigentliche Symbolkraft entfaltet die Mauer aber in der südkoreanischen Stadt Uijeongbu, nur 30 Kilometer von dem Todesstreifen entfernt, der den demokratischen Süden und den diktatorischen Norden trennt. Eine vier Kilometer breite „entmilitarisierte Zone“ entlang der Grenze manifestiert die scheinbar unüberwindbare Teilung des Landes.

 

139 Tote

Am 13. August 1961 beginnt nachts die Abriegelung der rund 155 Kilometer langen Grenze um West-Berlin – davon trennen 43 Kilometer das Berliner Stadtgebiet.

► Aufbau: Von 1975 an wird auf fast 42 Kilometern die Grenzmauer mit 3,60 Meter hohen Segmenten neu errichtet.

► Übergänge: Acht Grenzübergänge verbinden die beiden Stadtteile. Am 9. November 1989 gelangen in der Bornholmer Straße die ersten DDR-Bürger in den Westen.

► Tote: 138 Menschen werden bei Fluchtversuchen getötet – nach offiziellen Angaben. Die Dunkelziffer ist höher. Das erste Opfer erliegt am 22. August 1961 beim Sprung aus einer Wohnung in der Bernauer Straße seinen Verletzungen. Der letzte an der Mauer Erschossene ist ein 20-Jähriger. Er stirbt am 5. Februar 1989.

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