Ungeklärte Verkehrsunfälle
Polizei darf Smartphones beschlagnahmen

Münster/Köln -

Die Polizei geht gegen die zunehmende Nutzung von Smartphones am Autosteuer vor. Hintergrund ist die stark gestiegene Zahl von schweren Unfällen, die mutmaßlich dadurch verursacht werden, dass Autofahrer telefonieren, SMS schreiben oder sogar E-Mails versenden und empfangen.

Samstag, 08.11.2014, 10:11 Uhr

Die deutlich angehobenen Bußgelder für die Handy-Benutzung am Steuer haben offenbar keinen nennenswerten Erfolg gezeitigt. Deshalb dürfen die Beamten jetzt bei ungeklärten Verkehrsunfällen die Smartphones der Fahrer beschlagnahmen.

Kein richterlicher Beschluss nötig

„Wir werden dazu übergehen, nach einem schweren Unfall, bei dem die Ursache nicht ersichtlich ist, die Smartphones der Beteiligten sicherzustellen und dann auszuwerten. Vor allem wenn es infolge des Unfalls Verletzte oder gar Tote gegeben hat“, begründet Andreas Bode , Sprecher der Polizei Münster, diesen Vorstoß. Die Polizei wird dies aber nur machen, wenn der „Verdacht einer fahrlässige Körperverletzung oder gar Tötung“ im Raum steht. Wenn das Handy dann als Beweismittel infrage kommt, kann nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft das Handy auch ausgewertet werden. „Uns interessiert aber nur, ob telefoniert oder geschrieben wurde, nicht, mit wem“, sagt Bode weiter. Die Polizisten benötigen dafür keinen richterlichen Beschluss.

Pilotprojekt in Köln

In der Stadt Köln gibt es seit Anfang des Jahres bereits ein entsprechendes Pilotprojekt. Dort war die Zahl der Verkehrsunfälle, deren Ursache nicht ersichtlich war, im Jahr 2013 von 5000 auf 8000 gestiegen. Bei vielen Unfällen wird vermutet, dass die Nutzung des Smartphones die Autofahrer abgelenkt hatte. Offizielle Zahlen gibt es nicht. „Natürlich sagen uns die Unfallbeteiligten nicht, dass sie während der Fahrt gerade eine SMS geschrieben haben“, berichtet Andreas Bode über die Erfahrungen in der Region. „Sie sagen immer: Ich habe einfach nicht aufgepasst.“ Diese Ausrede könnte nach Auswertung der Handy-Daten nicht mehr gelten.

Dabei gilt vielen das Schreiben einer SMS oder das Telefonieren noch immer als Kavaliersdelikt. Nach einer Studie der Allianz-Versicherung telefonieren 40 Prozent der Autofahrer am Steuer, 30 Prozent lesen SMS und 20 Prozent schreiben sogar Nachrichten.

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