Bahnstrecke Münster - Lünen
Ausbau vor dem Aus?

Münster­land -

Es ist ein Nadelöhr: Zwischen Münster und Lünen steht dem Bahnverkehr nur ein Gleis zur Verfügung. Das Münsterland kämpft seit langem für einen Ausbau. Doch es gibt Grund zur Sorge, dass der Bund und die Deutsche Bahn das 414-Millionen-Euro-Projekt nicht mehr mit dem notwendigen Ehrgeiz verfolgen.

Dienstag, 20.01.2015, 08:01 Uhr

Im Münsterland wächst offenbar die Sorge, dass der Bund und die Deutsche Bahn den Ausbau der Strecke zwischen Münster und Lünen nicht mehr mit dem notwendigen Ehrgeiz verfolgen. Ende Januar wird darum eine Delegation aus der Region nach Berlin reisen, um Bahnchef Rüdiger Grube von der Dringlichkeit der Zweigleisigkeit zu überzeugen. „Ich werde für das Projekt kämpfen wie ein Löwe“, erklärt der Warendorfer CDU-Verkehrsexperte Reinhold Sendker .

Das scheint auch nötig zu sein. „Es steht nicht gut um den Ausbau“, heißt es an anderer, berufener Stelle. Das Gespräch mit dem Bahn-Boss sei die letzte Chance. Der Ausbau ist nötig, aber auch teuer, extrem teuer. Rund 414 Millionen Euro würde die Installation eines zweiten Gleises nach derzeitigem Stand kosten. In früheren Berechnungen war die Wirtschaftlichkeit da nur äußerst knapp gegeben.

Knackpunkt Güterzüge

Weil der Bedarf da ist, hat der ZVM als regionaler Verkehrsträger längst alles auf die Strecke gegeben, was möglich ist: 36 Verbindungen pro Tag – mehr geht eingleisig eingeschränkt nicht. Damit sich der Ausbau trägt, hatte die Bahn in früheren Berechnungen erklärt, in 24 Stunden 39 Güterzüge zudem über die Strecke zu schicken.

Bei der derzeit laufenden Neuaufstellung des Bundesverkehrswegeplanes 2015 ist davon offenbar nicht mehr die Rede. Ohne das Plus beim Güterverkehr rutscht die Wirtschaftlichkeit aber unter den magischen Quotienten von 1 – den sie auch inklusive der 39 Güterzüge nur knapp überschreitet.

Kein Wunder also, dass im Münsterland Alarm herrscht. Nicht zuletzt, weil auch der Bund als Auftraggeber angesichts der Kosten offenbar „nur noch mit spitzen Fingern am Ausbau festhält“.

„Das geht gar nicht“

Die Bahn bleibt vage, verweist auf die „Projektbewertung für den neuen Bundesverkehrswegeplan“, die noch nicht vorliege. Ins gleiche Horn tutet das Land NRW. Dennoch kursiert die Nachricht, dass die Bahn längst Alternativstrecken für ihren Güterverkehr ins Auge gefasst habe. Danach könnten die Züge auch über Hamm und Recklinghausen rollen.

„Das geht gar nicht“, sagt Sendker, der als Einziger offen über das Thema sprechen will. Der Bedarf für den Ausbau sei unzweifelhaft da. Zudem sei Münster und das Münsterland eine der wenigen Boom-Regionen NRWs. Mal ganz abgesehen davon, dass der Rhein-Ruhr-Express künftig bis nach Münster rollen soll . Drei gute Gründe für den Ausbau also.

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