Weizsäcker
1984: „Ja – ich kann das auch“

Münster/Berlin -

Deutschland trauert um Richard von Weizsäcker. Heinrich Ostrop, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter aus Münster, war ein Weggefährte des bedeutenden Bundespräsidenten. Er erinnert sich. 

Montag, 02.02.2015, 18:02 Uhr

Als Emissär der CDU Westfalen-Lippe war Heinrich Ostrop gut getarnt. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Münster hatte zwei Kinder an der Hand, als er an einem Tag im Jahr 1984 das Rathaus Schöneberg in West-Berlin betrat. Während die Enkel im Sekretariat mit Saft und Kuchen versorgt wurden, hatte Ostrop als Abgesandter seines Landesverbandes eine sensible und überaus wichtige Personalfrage zu klären.

Ostrop sprach allein und hinter verschlossenen Türen mit dem Regierenden Bürgermeister der Stadt. Die Kernfrage: Würde Richard von Weizsäcker , der erst vor drei Jahren nach Berlin gegangen war, bereit sein, das Amt des Bundespräsidenten anzunehmen?

„Das ,Ja kam ohne jede Verzögerung. Und von Weizsäcker ergänzte die Antwort noch selbstsicher mit dem Zusatz ,Ich kann das auch´“, erinnert sich Heinrich Os trop noch gut an das Gespräch im Rathaus. „Ich hatte große Sorge, dass es kompliziert werden könnte. Doch es war am Ende einfach.“

Während die Enkel nebenan spielten, saß der Abgesandte eine Dreiviertelstunde mit von Weizsäcker zusammen. „Ich hatte mich schon vorher für ihn ausgesprochen. In dem direkten Gespräch lernte ich ihn als einen sehr sympathischen Menschen kennen.“

Als Heinrich Ostrop gut gelaunt das Büro verließ, wusste er zweierlei: Von Weizsäcker würde nach einer ersten Kandidatur im Jahr 1974 – damals als Zählkandidat gegen Walter Scheel – diesmal von der Bundesversammlung mit hoher Wahrscheinlichkeit in das höchste Staatsamt gerufen. Und Rainer Barzel, zu dieser Zeit Bundestagspräsident und ebenfalls möglicher Kandidat für das Bundespräsidentenamt, würde nicht mit der ganzen Unterstützung der CDU Westfalen-Lippe rechnen können.

„Es gab in der Kandidatenfrage innerparteilich eine Meinungsverschiedenheit“, erinnert sich Ostrop, der damals schon fast 20 Jahre dem NRW-Landtag angehörte und im CDU-Landesverband als stellvertretender Vorsitzender großen Einfluss ausübte. Barzel oder von Weizsäcker? In diesem Punkt wollte die CDU Westfalen-Lippe, mit damals rund 133 000 Mitgliedern eine starke christdemokratische Bastion, auf Nummer sicher gehen.

Für Ostrop war Richard von Weizsäcker, der am Samstag im Alter von 94 Jahren starb, die allerbeste Wahl. Denn mit der Rede zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1985 sprach von Weizsäcker ihm aus dem Herzen.

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