Kubendorff-Attacke gegen FMO-Chef Stöwer
Machtspiele hinter der Drehtür

Greven -

Die Nachricht vom kleinen Passagierplus am FMO verfing im Dezember nicht mehr. Mit Macht hatte sich da längst der turmhohe Schuldenberg des Flughafens Münster/Osnabrück in den Vordergrund geschoben.

Mittwoch, 11.02.2015, 06:02 Uhr

Als sei das Tal der Tränen noch nicht tief genug, streitet sich nun der Aufsichtsrat um die Zukunft des Geschäftsführers Gerd Stöwer . Der Vorwurf aus dem Kreis Steinfurt wiegt schwer: Vertrauensverlust.

Was ist bloß los am Flughafen? Sicher ist: Die Krise hat eine neue Qualität erreicht.

Der Flughafen steht mit rund 90 Millionen Euro in der Kreide. Die Banken drängen seit Anfang vergangenen Jahres auf ein belastbares Finanzkonzept. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, schmückten sie sie mit einem uncharmanten Nachsatz: Andernfalls würden „die Kredite fällig gestellt“. Zwar gelang es den Eigentümern – an der Spitze die Städte Münster und Osnabrück sowie der Kreis Steinfurt – das Thema 2014 aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Jetzt hat es sie aber wieder eingeholt.

Nach einigen Sparrunden ist der FMO ausgepresst. Dafür wird der Investitionsstau immer offensichtlicher. Mahnende Beispiele: Die kaputten Fluggastbrücken, auch „Finger“ genannt, mit deren Hilfe Passagiere in die Maschine gelangen. Geld für die Reparatur ist keines da.

Gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern von Price- Waterhouse-Coopers (PWC) hat die FMO-Spitze im vergangenen Jahr sechs Finanzmodelle erarbeitet. Die Gesellschafter favorisierten am Ende eines, bei dem sie acht Jahre lang entsprechend ihrer Anteile zahlen – zusammen jedes Jahr rund 16,8 Millionen Eu­ro. Die Entscheidung über die Tranchen werden jährlich getroffen.

Das ist die Kulisse, hinter der nun gerungen wird.

Stöwer jongliere mehr mit Zahlen, als dass er sie handfest präsentiere, um so Entscheidungen in seinem Sinne zu beeinflussen. So lautet – verkürzt – der Vorwurf aus dem Kreis Steinfurt.

Kubendorffs Beispiele: Zuerst habe der FMO-Chef erklärt, dem Flughafen drohe die Insolvenz, sollte er nicht bis zum 31. März die Zusage für die 2016er-Finanzsspritze erhalten. Dann habe die Zustimmung bis zum 31. Juni genügt. Mal habe es geheißen, die Eigentümer müssten in Sachen Startbahn-Verlängerung ihre bereits getätigten Investitionen für Gutachten und Grundstücke wertberichtigen, wenn dem FMO für 2015 die diesbezüglichen Planungskosten gestrichen würden. Dann wieder habe es geheißen, die Wertberichtigung sei nicht nötig.

Eklat oder eher Missverständnis? Letzteres ist es wohl in der Lesart des FMO-Chefs. In seiner Antwort an Kubendorff, die unserer Zeitung vorliegt, teilt er mit, dass die Beschlüsse noch im ersten Quartal getroffen werden sollten, um auf der sicheren Seite zu stehen. Die aktuelle Liquiditätsvorschau lasse zur Not jedoch auch noch einen Beschluss des Kreistages früh im zweiten Quartal zu. Von zeitlichen Spielereien aus seiner Sicht also keine Spur.

In puncto Wertberichtigung sei der Sachverhalt ebenfalls einfach: Sollte der Ausbau gestoppt werden müssen, sei diese zwingend vorzunehmen. Käme jedoch ein kurzzeitiges Moratorium zustande, sei in 2015 keine Wertberichtigung erforderlich. Eine Entscheidung, ob wertberichtigt werden müsse, könne erst im März bei der Aufstellung der Bilanz für das Jahr 2014 getroffen werden.

Kubendorff, dem Rebellen, geht es bei all dem wohl nicht nur um den FMO: Er will im September als Landrat wiedergewählt werden und fühlt sich von der Kreistagsmehrheit aus SPD, Grünen, UWG und Linken beim FMO vorgeführt. Nun ist guter Rat teuer. Am Dienstag steht ein klärendes Gespräch an. Kubendorff scheint hart bleiben zu wollen. „An meiner Sicht auf den Sachverhalt hat sich nichts geändert“, stellte er gestern klar.

Kommentar zum Thema: Gestörte Kommunikation im Münsterland

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