Keine klassische Influenza im Münsterland
Erkältungswelle ist 2015 besonders hartnäckig und intensiv

Münsterland -

Das Fieber steigt abends auf knapp 40 Grad. Tagsüber ist der Patient schlapp und hustet viel. Ein grippaler Infekt hat die Menschen im Münsterland im Griff, der – will man Experten glauben – hartnäckiger ist als im Vorjahr.

Donnerstag, 12.02.2015, 07:02 Uhr

„Er dauert länger, locker so zwei bis drei Wochen“, hat Angelika Plassmann beobachtet. Fieber, Erkältung, Husten, das volle Programm: „In der Intensität habe ich das in den vergangenen Jahren nicht erlebt“, sagt die Apothekerin aus Münster . Die klassische Influenza ist das aber nicht, stellt Dr. Norbert Hartmann klar. Die komme „aus heiterem Himmel mit hohem Fieber“, erläutert der Facharzt für Allgemeinmedizin aus Hörstel und Sprecher des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe. „Mit Influenza fühlen sich die Leute matt, wie zerschlagen und können von jetzt auf gleich gar nichts mehr.“

Das, was er derzeit in seiner Praxis erlebt, sieht anders aus: Eine in den vergangenen zehn Tagen dramatisch gestiegene Zahl an Patienten mit „hochfieberhaften Atemwegsinfekten, die im einen oder anderen Fall mit Erbrechen und Durchfall einhergehen“. Weil die durch Viren bedingt sind, können sich Erkrankte nur in Geduld üben, ihr Immunsystem stärken und Symptome lindern. Etwas gegen Husten und Fieber nehmen, „viel trinken und Ruhe walten lassen“, sagt Hartmann.

Grippezahlen in NRW

Während die meisten Patienten im Münsterland unter grippalen Infekten leiden, ist auch das klassische Grippe-Virus A(H3N2) in NRW angekommen. „Dieses Virus hat in der Vergangenheit oft zu stärkeren Grippewellen geführt“, sagt Silke Buda vom Robert-Koch-Institut. Besonders ältere Menschen und Kinder haben ein höheres Risiko zu erkranken. Die Zahl der Patienten stieg laut Landeszentrum Gesundheit NRW in der vergangenen Woche an. Bisher wurden in der Grippesaison 2014/15 etwa 700 Fälle gemeldet. 2014 waren es zur gleichen Zeit knapp 300. „Das ist keine dramatische Entwicklung“, so Annette Jurke vom Landeszentrum. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren zur gleichen Zeit wurden über 6000 Grippefälle gemeldet. Auch das Virus A(H1N1), das für die sogenannte Schweinegrippe verantwortlich ist, ist in diesem Jahr in NRW verbreitet. 

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Antibiotika gibt der Hausarzt erst dann, wenn sich im Laufe der Erkrankung eine Bronchitis – also ein bakterieller Erreger – hinzugesellt. Problematisch sei die Erkältungswelle aber in der anstehenden Karnevalssaison. Wer sich krank unters Volk mischt, steckt andere an. „Denn hierbei handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion“, betont der Mediziner und rät gestandenen Karnevalisten mit Triefnase: Menschenansammlungen meiden, besonders in geschlossenen Räumen. „Denn sonst haben wir bald epidemiologische Ausmaße.“

Woher die Erkältungswelle derzeit kommt? Kinderarzt Dr. Dietmar Wigger aus Telgte nimmt die Wetterlage in die Pflicht, die „weder besonders gut, noch besonders kalt ist.“ Bei ihm stellen sich derzeit pro Tag von 120 jungen Patienten rund 50 mit langanhaltenden, fieberhaften Atemwegserkrankungen vor. Im Sommer sind es zwei bis drei.

„Dass dieser Erreger wirklich aggressiv ist, sehe ich daran, dass ich selbst zum ersten Mal seit acht Jahren eine kräftige Erkältung mit heimgenommen habe“, gibt Wigger zu bedenken. Der Infekt mag offenbar die ungeraden Jahreszahlen, wie die Techniker Krankenkasse (TK) ihren Krankenstandsdaten der vergangenen zehn Jahre entnimmt.

Laut Günter van Aalst, Leiter der TK-Landesvertretung in NRW , gibt es eine zweijährige Wellenbewegung. „Im letzten Jahr war jede Erwerbsperson in NRW durchschnittlich 1,8 Tage wegen Atemwegserkrankungen krankgeschrieben, in 2013 waren es noch 2,3 Tage“. Auch für 2015 rechnet der Experte mit „deutlich mehr Krankschreibungen aufgrund von Atemwegserkrankungen“. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund machten diese derzeit mehr als jede vierte Diagnose aus.

Jeder Zweite gehe sogar krank zur Arbeit. Trotz Fiebers arbeiten gehen oder gar Sport treiben – davon rät Dr. Norbert Hartmann ab. Sieben bis 14 Tage dauere, so die Regel, ein solcher Infekt.

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