Drogen-Legalisierung: Pro und Kontra
Beim Thema Cannabis scheiden sich die Geister

Münster -

Wie soll man in Zukunft mit Cannabis umgehen: Weiter streng verbieten oder den Konsum entkriminalisieren? Der den Grünen nahestehende Verein „debatte e.V.“ hatte zwei Männer eingeladen, die unterschiedlichere Meinungen zum Kiffen nicht haben könnten.

Donnerstag, 19.02.2015, 09:02 Uhr

Die Kontrahenten bei der Diskussion: Professor Rainer Thomasius , der die Suchtabteilung für Kinder und Jugendliche am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf leitet, sieht Cannabis sehr negativ. Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber tritt für eine Legalisierung ein.

Dumm, abhängig, psychisch krank

Thomasius’ Credo: „Legalisierung ist keine Antwort.“ Der Mann hat dafür gute Gründe: In seiner Klinik werden 1600 Kinder und Jugendliche behandelt, die meisten wegen Cannabis und seinen Folgen. Seine Erkenntnis: Der tägliche Konsum von Cannabis vor allem durch pubertierende Jugendliche macht dumm, abhängig, psychisch krank und ist teuer. Und in liberalen Ländern steige der Konsum.

Wir sind krachend gescheitert.

Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber

Sein Gegenpart: Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber. Er sagt über den Kampf gegen die Drogen im Allgemeinen und Cannabis im Besonderen: „Wir sind krachend gescheitert.“ Die Zahl der erstauffälligen Konsumenten sei relativ konstant, statt die organisierte Kriminalität zu verfolgen, laufen Polizisten nur Abhängigen und den eigenen Ansprüchen hinterher.

Jugendschutz durch Drogenhändler?

Und anders als Thomasius ist der münsterische Polizeipräsident überzeugt: „Zwischen restriktiver Drogenpolitik und Konsum gibt es keine Kausalität.“ Heißt: Eine strenge Drogenpolitik ist noch lange kein Garant für weniger Drogenmissbrauch.

Mit der Kriminalisierung betreiben wir keinen Jugendschutz. Das hilft uns überhaupt nicht weiter.

Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber

Und: „Mit der Kriminalisierung betreiben wir keinen Jugendschutz. Das hilft uns überhaupt nicht weiter.“ Wimber jedenfalls kennt keinen Dealer, der seinen Kunden nach dem Alter fragt, bevor er ihm Drogen verkauft: Drogenhändlern den Jugendschutz zu überlassen, sei eindeutig das schlechteste aller Modelle.

Einig sind sich Wimber und Thomasius immerhin in einem Punkt: Dass Kinder und Jugendliche nicht kiffen sollen. Aber da hört es auch schon auf mit den Gemeinsamkeiten. Anders als Thomasius betont Wimber: Durch eine Kriminalisierung würden sie davon nicht abgehalten.

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