Expertise des LWL
Gronauer Rathaus ist ein Denkmal

Gronau -

Gronaus Rat wurde am späten Mittwochabend von einer Nachricht überrascht: Die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes stufen das Rathaus als Denkmal ein. Das hat gravierende Folgen.

Donnerstag, 26.03.2015, 00:03 Uhr

Donnernder Paukenschlag am Ende der öffentlichen Ratssitzung: Das Gronauer Rathaus ist nach Auffassung der Experten des Landschaftsverbandes ein Denkmal . Das verkündeten Bürgermeisterin Sonja Jürgens und Stadtbaurat Frank Vetter am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr dem Stadtrat.

In einer der Stadt zugestellten Mitteilung der Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes (LWL) heißt es dazu wörtlich: „Nach fachlicher Überprüfung sind wir der Auffassung, dass es sich bei dem Objekt um ein Baudenkmal handelt.“ Zugleich wird eine Unterschutzstellung befürwortet und die Stadt gebeten, das Rathaus in die Denkmalliste einzutragen.

Gesamtes Gebäude schützenswert

Für Erstaunen und Verblüffung im Ratsrund sorgte anschließend zu später Stunde der Hinweis, in welchem Umfang die Denkmalexperten des Landschaftsverbandes das in den 1970er-Jahren errichtete Bauwerk als Denkmal ansehen: „Denkmalwert ist das gesamte Rathausgebäude in Gronau , in dem Umfang, in dem es 1973 bis 1976 unter funktionalen Aspekten als mehrteiliger Komplex durch den Architekten Harald Deilmann errichtet wurde. Ebenfalls denkmalwert sind die vorhandenen bauzeitliche Innenausstattung sowie die das Rathaus direkt umgebende Fläche mit Wasserspiel, Treppen und Balkenbrücke über die Dinkelumflut.“

Rathaus von Gronau wird Denkmal

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  • Das Gronauer Rathaus ist nach Ansicht der Experten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) ein Denkmal.

    Foto: Martin Borck
  • In der Mitteilung der Denkmalpfleger des LWL heißt es dazu wörtlich: „Nach fachlicher Überprüfung sind wir der Auffassung, dass es sich bei dem Objekt um ein Baudenkmal handelt.“

    Foto: Martin Borck
  • Die Stadt wird gebeten, das Rathaus in die Denkmalliste einzutragen.

    Foto: Stadt Gronau
  • Dabei hatte der Rat der Stadt für das Gebäude ganz andere Pläne.

    Foto: Guido Kratzke
  • Nach langen Debatten entschied der Rat 2012 einstimmig, dass auf dem Parkplatz neben dem 70er-Jahre-Bau...

    Foto: Stadt Gronau
  • ...ein neues Rathaus entstehen soll.

    Foto: Klaus Wiedau
  • Doch daraus wird jetzt wohl nichts.

    Foto: Klaus Wiedau
  • ...darf nicht abgerissen werden, wenn es unter Denkmalschutz steht. Foto: Klaus Wiedau
  • Jetzt wird die Frage von Sanierung und Erweiterung zu diskutieren sein.

    Foto: Klaus Wiedau
  • Wie ein Blick ins Innere des Gebäudes zeigt,...

    Foto: Markus Kampmann
  • ...betrifft der Sanierungsbedarf nicht nur die Fassaden.

    Foto: Markus Kampmann
  • Das in den 1970er-Jahren vom damaligen Star-Architekten Harald Deilmann errichtete Bauwerk, spiegele den „Zenit der international virulenten Großraumbüroentwicklung“ wider, heißt es in der Begründung des LWL.

    Foto: Klaus Wiedau

Im Klartext: Es geht nicht mehr nur um den Erhalt der Fassade, sondern auch um Elemente der Innenausstattung – von der Garderobe vor dem Sitzungssaal bis zu Großraumbüros, gelben Fenstern und blau-lilafarbener Bestuhlung.

"Zenit der international virulenten Großraumbüroentwicklung"

Zur Begründung der Denkmaleigenschaft des Gebäudes wird ausgeführt, dass das Rathaus bedeutend ist „für die Geschichte der Menschen, hier die Geschichte der Menschen in Gronau, als baulicher Ausdruck der Selbstverwaltung zur Zeit der Gebietsreform und der neuen Zentrumsverwaltung sowie für die architektonische Entwicklung von Arbeits- und Produktionsverhältnissen öffentlicher Verwaltungsbauten in Westfalen-Lippe und darüber hinaus“.

Für Deilmann, so heißt es weiter, sollte der Bau nicht nur als Rathaus, sondern als „Haus der Bürger“ wirken und funktionieren. Und: „Für die Region Gronau stellt dieser Bau mit seinem Raum- und Modulkonzept ein seltenes Beispiel dar und spiegelt den Zenit der international virulenten Großraumbüroentwicklung wider.“

Stadt hat keinen Spielraum

Wie die Stadt jetzt mit der Expertise der Denkmalschützer umgeht, muss jetzt der Rat entscheiden – hat dabei aber keinen Spielraum, weil es sich um eine sogenannte gebundene Entscheidung handelt, da den unteren Denkmalbehörden (Städten) vom Land in dieser Frage kein Spielraum eingeräumt wird.

Bestreitet die Stadt, dass das Rathaus ein Denkmal ist, muss diese Ansicht dem LWL gegenüber fachlich begründet werden. Fachleute sehen darin eine nur schwer zu nehmende Hürde. Gibt sich der LWL mit der ablehnenden Begründung der Stadt nicht zufrieden, trifft als letzte Instanz die oberste Denkmalbehörde – das NRW-Bauministerium – die endgültige Entscheidung. 

Neubau wohl kein Thema mehr

Sicher ist, dass mit dieser Entscheidung der Denkmalexperten der Rathausneubau, der vor drei Jahren einstimmig im Rat beschlossen wurde, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu den Akten gelegt werden kann. Stattdessen wird jetzt die Frage von Sanierung und Erweiterung zu diskutieren sein. Dabei hat die Stadt aber künftig bei allen dafür erforderlichen und ohnehin schwierigen Planungen unter den kritischen Augen der Denkmalschützer auch die Belange des Denkmalschutzes zu beachten.

Und damit nicht genug: Weil die Nachfahren von Harald Deilmann die Urheberrechte an dem Gebäude innehaben, haben auch sie im weiteren Verfahren ein durchaus gewichtiges Wort mitzureden...

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