Steinzeit-Siedlung bei Bad Sassendorf entdeckt
Sensation aus der Steinzeit

Bad Sassendorf -

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind in der Soester Börde auf die aus wissenschaftlicher Sicht wertvollste westfälische Ausgrabungsstätte gestoßen. Bei Bad Sassendorf fand das Team um Prof. Michael Baales eine 7000 Jahre alte Siedlung aus der frühen Jungsteinzeit. Die ersten Un­tersuchungen stammen aus dem Jahr 2014, sie versprachen damals schon interessante Befunde.

Donnerstag, 11.06.2015, 21:06 Uhr

Seit nunmehr drei Wochen sind die Archäologen wieder vor Ort – und sehen ihre Vermutungen bestätigt. Baales spricht von einem „Volltreffer“. Das ist für einen vorsichtigen Wissenschaftler fast schon euphorisch.

Im Hintergrund zieht ein Bagger mit breiter Schaufel breite Furchen. In der freigelegten Fläche hocken Grabungshelfer mit kleinen Kellen und großen Schaufeln, sie suchen nach neuen Fundstücken. Im Kurort wird in mehreren Etappen das Bau gebiet „Landerpfad“ erschlossen. Da ist der Auftritt der Archäologen im Vorfeld keine Kür, sondern Pflicht.

Auf einem Tisch ein paar Meter entfernt präsentieren Baales und Zafer Görür von der Grabungsfirma „ Archae­onet “ auf einem Tisch, was sie bisher gefunden haben. Feuersteine aus Südholland finden sich dort, Bohrkerne aus Böhmen, Reste einer zeremoni­ellen Scheibenaxt und tütenweise Keramikscherben.

Die Funde belegen zweierlei: „Der Hellweg “, sagt der Archäologe, „ist seit ewigen Zeiten ein Handelskorridor“. Und das kommt nicht von ungefähr. Die Region zwischen Dortmund und Paderborn ist eine der fruchtbarsten Mitteleuropas. Dort haben schon vor Tausenden Jahren Menschen gesiedelt. „Die Lössböden haben sie angezogen“, sagt der Experte. Und dort, wo viele Menschen lebten, blühte immer auch der Handel.

Viele ist relativ. Die Siedlung in Bad Sassendorf war, das kann man wohl so sagen, für damalige Zeiten riesig. „200 Menschen könnten dort gewohnt haben“, sagt Baales. Darauf deuten jedenfalls die Hausspuren hin. Das, was die sogenannte bandkeramische Niederlassung aber einzigartig macht, ist die Tatsache, dass die Wissenschaftler in ihrem Inneren große, runde Pfostenreihen gefunden haben, deren Funktion noch rätselhaft ist. „Dabei könnte es sich um mächtige Zäune gehandelt haben, vielleicht ein Viehkral oder ein eingehegter Acker“, sagt Baales.

Darüber hinaus – auch das ist in Westfalen einmalig, war vermutlich die gesamte Siedlung von Palisaden umgeben. Schutz vor Feinden? Und wenn ja: Wer könnte das gewesen sein? Das wird wohl im Dunkeln bleiben. „Sicher ist: Die Bandkeramik-Zeit war rund 500 Jahre stabil, dann ereigneten sich Umbrüche“, erklärt Baales. Die Welt verändert sich eben.

Und noch eines ist interessant. Bad Sassendorf liegt bei Soest . Soest befindet sich 15 Kilometer östlich vom Wallfahrtsort Werl. Zwischen den beiden Städten verläuft noch heute eine unsichtbare Grenze, die sich nicht nur an der Konfession festmacht.

Überall im Hellweg-Raum gibt es steinzeitliche Siedlungen – eben der fruchtbaren Böden wegen. In jenen, die in Werl und westlich davon freigelegt wurden, fanden sich Einflüsse aus dem Rheinland. Das sieht man vor allem an der Art der Keramik-Verzierung. In denen, die in sowie um Soest und östlich davon entdeckt wurden, finden sich Einwirkungen aus Hessen. „Zwischen Soest und Werl gab es damals schon eine Kulturgrenze“, sagt Baales. Sie wirkt bis heute.

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