Stiftskreuz
Schweigen vor Gericht

Steinfurt/Münster -

Eineinhalb Jahre fehlt vom wertvollen Stiftskreuz aus Borghorst mittlerweile jede Spur. Wer gehofft hat, dass sich das am Mittwoch ändern würde, war aber auf dem Holzweg.

Mittwoch, 08.07.2015, 14:07 Uhr

Mit Vorlagenmappen verdeckten die drei mutmaßlichen Diebe des Borghorster Stiftskreuzes während des Prozessauftakts ihre Gesichter vor den Kameraleuten und Fotografen
Mit Vorlagenmappen verdeckten die drei mutmaßlichen Diebe des Borghorster Stiftskreuzes während des Prozessauftakts ihre Gesichter vor den Kameraleuten und Fotografen Foto: Gudrun Niewöhner

Die Hoffnung auf Hinweise, wo sich das Borghorster Stiftskreuz befindet, erfüllt sich nicht. Zum Auftakt des Prozesses schweigen die drei Männer aus Bremen. Seit Mittwoch müssen sie sich vor dem Landgericht Münster verantworten. Das Trio soll am 29. Oktober 2013 das wertvolle Reliquiar aus der St.-Nikomedes-Pfarrkirche gestohlen haben.

"Ich bin unschuldig" steht auf der Mappe

Die Strategie, nichts zu sagen, so deuteten ihre Anwälte an, werden der 31-jährige Halit T. , der 31 Jahre alte Mounir M. und der 25-jährige Moham­med S. an den weiteren Verhandlungstagen beibehalten. Alle drei sitzen zurzeit im Gefängnis in Münster in U-Haft. Dass er zu Unrecht vor Gericht steht, bekundete einer der drei demonstrativ mit dem Aufdruck „Ich bin unschuldig“ auf einer Mappe, die er sich beim Einzug in den Gerichtssaal als Sichtschutz vor das Gesicht hielt.

Am ersten Prozesstag wurden vor allem Formalitäten geklärt, dazu gehörten auch die Personalien. Alle drei Angeklagten sind ohne Berufsausbildung, zwei haben einen Realschulabschluss. Während einer seit 2012 eine Aufenthaltsberechtigung mit Arbeitserlaubnis hat, werden die beiden anderen in Deutschland geduldet.

Viele Fragen sind noch unbeantwortet

In der Anklage rekonstruierte die Staatsanwältin den angenommenen Tatablauf. Vor dem Raub sollen vier Männer gegen 12.23 Uhr an einer Tankstelle in Altenberge gestoppt haben. Der bislang noch unbekannte Fahrer sei im Auto, einem schwarzen Mercedes-Kombi mit Bremer Kennzeichen, geblieben. Im Verkaufsraum, so haben Zeugen bei der Polizei ausgesagt, sollen die drei Angeklagten versucht haben, Geld und Wertgegenstände mitzunehmen. Sie wurden daran jedoch vom Personal gehindert.

Anschließend hätten die Männer ihre Fahrt fortgesetzt. Um 13.15 Uhr sollen sie die Nikomedeskirche betreten haben, um wenige Minuten später mit dem Borghorster Stiftskreuz das Gotteshaus wieder zu verlassen. „Der materielle Wert des Diebesgutes lässt sich nicht beziffern“, erklärte die Staatsanwältin. Jedoch gehöre das Reliquiar zu den bedeutendsten Kunstschätzen Europas aus der Zeit des 11. Jahrhunderts.

Leer ist die Vitrine seit dem Diebstahl des Stiftskreuzes am 29. Oktober 2013.

Leer ist die Vitrine seit dem Diebstahl des Stiftskreuzes am 29. Oktober 2013. Foto: Axel Roll

Mehrere Zeugen wollen die Kunsträuber gesehen haben. Einige von ihnen, kündigte der Vorsitzende Richter der 9. Großen Strafkammer an, seien von der Polizei befragt worden, ihnen sei Anonymität zugesichert worden. Vor Gericht werden sie also nicht öffentlich aussagen. Es können von den Verteidigern lediglich schriftlich Fragen an die Zeu

Stiftskreuz
Foto: Axel Roll

gen eingereicht werden. Inwieweit diese Vernehmungen später für eine Urteilsfindung relevant sein können, ließ die Kammer offen.

Dass es unter den Familien der drei angeklagten Männer nicht immer harmonisch zugeht, zeigte sich bei lautstarken Gesprächen nach Ende der Verhandlung im Sitzungssaal. Der Vorsitzende Richter nahm dies zum Anlass, klarzustellen, dass er keine Störungen des Prozesses dulden werde: „Wenn sich alle daran halten, werden wir uns prima vertragen.“

Der Prozess wird am 30. Juli (Donnerstag) um 9 Uhr fortgesetzt.

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