Motocrosser verursachen enorme Schäden
„Sie wissen nicht, was sie tun“

Lüdinghausen -

138 Meter hoch ist der Fischberg. Er liegt mitten im ehemaligen Truppenübungsplatz Borkenberge, den die Engländer im Mai geräumt haben. Von der bewaldeten Kuppe sieht man bei gutem Wetter den Signal-Iduna-Park in Dortmund. In Richtung Norden hat man einen weiten Blick ins Münsterland.

Montag, 20.07.2015, 18:07 Uhr

Die Borkenberge: Die Heidelandschaft ist der Grund dafür, dass der Mensch hier auch künftig „pflegend“ eingreifen muss. Stattdessen ziehen Motocrosser tiefe Furchen (r.) durch die sensible Natur.
Die Borkenberge: Die Heidelandschaft ist der Grund dafür, dass der Mensch hier auch künftig „pflegend“ eingreifen muss. Stattdessen ziehen Motocrosser tiefe Furchen (r.) durch die sensible Natur. Foto: west

Was der Zaungast noch sieht, sind tiefe Rinnen zu beiden Seiten der Bergkuppe. „40 Millionen Jahre ist diese Formation alt. Wenn wir nicht aufpassen, ist sie in wenigen Jahren zerstört“, mahnt Jürgen Rost , Leiter des Bundesforstbetriebes Rhein-Weser. Und diejenigen, die diese Zerstörung zu verantworten haben, hat der Forstbeamte ebenfalls schon ausgemacht: Motocrosser , die mit ihren schweren Geländemaschinen die steilen Hänge der Borkenberge hinaufdonnern, verursachen enorme Schäden. Wind und Regen verstärken die Erosion. Die Motorradfreaks mit ihren Geländemaschinen schaffen es, den Berg aus versteinertem Sandstein regelrecht zu „zersägen“, sorgt sich Rost, der jetzt dem heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Karl Schiewerling seine Sorgen um die Zukunft des „ökologischen Kleinods“ erläuterte.

Forstbetriebsleiter Jürgen Rost erläuterte die Folgen der tiefen Rinnen, die die Motocrosser verursachen. Foto: Werner Storksberger

Forstbetriebsleiter Jürgen Rost erläuterte die Folgen der tiefen Rinnen, die die Motocrosser verursachen. Foto: Werner Storksberger

Nach dem Abzug der Engländer, die rigoros ungebetene Gäste aus dem militärischen Sperrgebiet verscheuchten, war die Sorge der Naturfreunde groß, dass die Borkenberge „unkontrolliert“ blieben. Diese Bedenken haben sich jedoch nicht bewahrheitet: Der Bundesforstbetrieb als aktueller „Hausherr“ hat vier ehemalige Mitarbeiter des Wachpersonals der Rheinarmee übernommen. Sie sorgen jetzt gemeinsam mit der Polizei des Kreises Coesfeld dafür, dass ungebetene Gäste ferngehalten werden. „Das hat bisher ganz gut geklappt“, freut sich Rost, dass das Betretungsverbot nicht häufiger als zuvor verletzt wurde. Die Hausherren in den Borkenbergen sorgen sich jedoch nicht nur um die Natur, sondern auch um die Sicherheit der Menschen, die durch die Wälder brettern.

„Denn sie wissen nicht, was sie tun“, kommentiert der Forstbeamte die schon fast kommerzielle Cross-Szene, denn: „Hier liegen überall Munitionsreste.“ Bei den Borkenbergen handelt es sich also fast um ein Pulverfass. Erst kürzlich wurde eine scharfe Granate gefunden, die vom Kampfmittelräumdienst beseitigt wurde.

Und wie geht es weiter? Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat bereits entschieden, dass die Borkenberge in das nationale Naturerbe aufgenommen werden. Und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat ihr Interesse bekundet, die Naturschutzflächen zu übernehmen und Konzepte zu erarbeiten.

Ob sich das Gelände demnächst zu „Westfalens Wilder Westen“ mit Wildpferden, Rothirschen und Wisenten entwickeln wird, wie die Ökostationen propagieren, muss abgewartet werden. Für Schiewerling und viele andere Beobachter ist es auf jeden Fall auch wichtig, dass das Natur-Kleinod ein Erlebnisraum für die Menschen wird.

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