In Selm entsteht eine Zeltstadt für 1000 Menschen
Hauptsache, ein Dach über dem Kopf

Selm -

Laster kommen und – fahren, Handwerker schrauben, sägen, hämmern, Radlader rumpeln, hier und da steht ein Zelt, während überall gestapelte Bohlen liegen: Normalerweise geht es auf dem Parkplatz der Polizeischule in Selm-Bork eher beschaulich zu. Seit ein paar Tagen jedoch herrscht dort eilfertiger Eifer. Auf dem grün gesäumten, 22 000 Qua­dratmeter großen Parkplatz entsteht eine Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge. Anfang September sollen die ersten Asylsuchenden kommen.

Freitag, 21.08.2015, 18:08 Uhr

Zelte errichten im Akkord: In Selm wird auch am Wochenende an der Notunterkunft gebaut. Ende der Woche soll die Zeltstadt einsatzbereit sein.
Zelte errichten im Akkord: In Selm wird auch am Wochenende an der Notunterkunft gebaut. Ende der Woche soll die Zeltstadt einsatzbereit sein. Foto: Jürgen Peperhowe

Kehrtwende in NRW : Es ist keine zwei Wo­chen her, da verkündete Innenminister Ralf Jäger, was er kurz zuvor noch ka­te­go­risch ausgeschlossen hatte: Auch in NRW würden Zeltstädte errichtet werden. Angesichts der Vielzahl an Asylsuchenden sähe das Land keine andere Möglichkeit mehr, die Menschen unterzubringen. 1000 Plät­ze sollten in Selm entstehen, weitere 1000 auf dem Gelände der zweiten Polizeischule in Schloss Holte-Stukenbrock.

Zwei Wochen sind ein knapp bemessener Zeitraum, um Zeltstädte zu planen, vorzubereiten – und zu errichten. 15 Schafzelte, ein riesiges Sanitärzelt, eines für die medizinische, ein weiteres für die Kinderbetreuung, wieder ein anderes für die Küche inklusive angedockter Mensa mit Platz für 350 Hungrige: Die Dimensionen sind nicht von Pappe.

„Die ersten Gespräche haben wir vor gerade mal zehn Tagen geführt“, sagt Jürgen He­cker vom DRK- Landesverband Westfalen-Lippe, der die Einrichtung betreiben wird. Dafür sind die Arbeiten schon ganz schön weit fortgeschritten.

O15A8092

Bislang haben wir über 100 Notunterkünfte mit jeweils rund 150 Plätzen. Nun brauchen wir einfach größere Erstaufnahmestellen.

Christoph Söbbeler

1000 Plätze: Das ist für Planer und Mitarbeiter eine neue Dimension. „Bislang“, erklärt Christoph Söbbeler , Sprecher der zuständigen Bezirksregierung in Arnsberg, „haben wir über 100 Notunterkünfte mit jeweils rund 150 Plätzen.“ Viele kleine Einheiten seien jedoch sehr schwer zu koordinieren. Nordrhein-Westfalen rechnet in diesem Jahr mit bis zu 200 000 Flüchtlingen: Mit Blick darauf „brauchen wir „einfach größere Erstaufnahmestellen“, erklärt Söbbeler.

Zeltstädte werden nicht reichen

Eine Zeltstadt in Selm, ei­ne in Schloss Holte-Stukenbrock. Das wird nicht reichen. Darum finden derzeit zusätzliche Flächenprüfungen statt. Fest steht, dass auch in Köln-Chorweiler ei­ne Erstaufnahmeeinrichtung errichtet werden wird. Im Gespräch sind auch Bergkamen sowie Aachen.

„Die Menschen sollen in der Zeltstadt maximal vier Wochen lang untergebracht werden“, sagt Söbbeler. Der Innenminister hatte unlängst erklärt, er hoffe, für alle Asylsuchenden zum Winter feste Quartiere zur Verfügung zu haben. Angesichts steigender Flüchtlingszahlen wird das aber von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Das Notquartier in Selm jedenfalls ist langfristig betreibbar. „Die Zelte sind winterfest“, sagt Hecker.

O15A8100

Die Menschen sollen in der Zeltstadt maximal vier Wochen lang untergebracht werden.

Christoph Söbbeler

Immer mehr Notunterkünfte

In Ahlen leben aktuell 400 Asylsuchende – 140 in einer vom Arbeiter-Samariterbund betriebenen Notunterkunft. Seit Langem gibt es ein von der Stadt betreutes Heim im Ortsteil Dolberg. Aktuell sucht die Verwaltung ei­nen weiteren Platz für bis zu 100 Asylbewerber. Ab Jahresbeginn startet überdies der Betrieb einer Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) für bis zu 500 Menschen.
► Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat Filmemacher Til Schweiger ins Rathaus eingeladen. Grund: Schweiger hatte angekündigt, sich mithilfe seiner Stiftung in der seit 2014 in Osnabrück bestehenden Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge engagieren zu wollen.
Die Stadt Emsdetten sieht keinen anderen Ausweg mehr, als die Spiel- und Sporthalle am Hallenbad als Notunterkunft umzubauen. 100 Flüchtlinge sollen dort Platz finden. Ab Montag steht die Sporthalle Schulen und Sportvereinen nicht mehr zur Verfügung.
► Auf dem Gelände der ehemaligen Damloup-Kaserne in der Rheiner Innenstadt hat das Land NRW eine Notunterkunft eingerichtet. Mit den ersten Flüchtlingen wird am Montag gerechnet. Sie werden in Großzelten untergebracht, lediglich ein Gebäude der Anlage wird als Küche und Kantine genutzt. 300 Personen sollen aufgenommen werden. Sie finden Schlaf- und Wohnplätze in sechs Großzelten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3458610?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F4848633%2F4848638%2F
Starker Anstieg der Mäusepopulation im Münsterland
Rötelmäuse wie diese übertragen das Hantavirus.
Nachrichten-Ticker