Frei zugängliches Netz in der Region
Immer öfter offenes WLAN

Freies WLAN, da tut sich etwas im Münsterland. Noch ist die Liste der Kommunen, in denen jedermann jederzeit kostenlos online gehen kann, überschaubar.

Dienstag, 25.08.2015, 18:08 Uhr

 Im Münsterland gibt es in etlichen Orten freie Hotspots.
 Im Münsterland gibt es in etlichen Orten freie Hotspots. Foto: Grafik: Jürgen Christ

Bei näherem Hinsehen aber zeigt sich: Immer mehr Gemeinden habe das frei zugänglich Netz für sich entdeckt, als Standortvorteil, als Marketing-Instrument – und planen schon aktiv damit.

Wenngleich: Mancherorts sind es eher noch Schrittchen als Schritte. Da gibt es dann einen Hotspot im Rathaus oder im Freibad... Seltener setzt sich die Stadtverwaltung an die Spitze der Bewegung, vielerorts sind es sogenannte Freifunker, die über selbstverwaltete Einwahlpunkte ein tragfähiges lokales Funknetz aufzubauen.

„Beim freien WLAN ist das Münsterland auf einem guten Weg“, sagt Ingomar Otter , von Freifunk Münsterland. Die Entwicklung ist rasend. Anfang August meldeten die Freifunker, die „Knotenmarke von 500“ geschafft zu haben. Inzwischen gibt‘s schon 580 Hotspots. An der Spitze der Bewegung: Münster , Ennigerloh, Warendorf, Steinfurt, Dülmen, Lüdinghausen, Emsdetten.

Aber: Was regional gut läuft, kann national kräftig hinken: Im internati­onalen Vergleich ist Deutschland bei den of­fenen Hotspots weit abgehängt. „Von der angekündigten Vorreiterrolle Deutschlands bei der Durchdringung und Nutzung digitaler Dienste sind wir Lichtjahre entfernt“, sagt Christin Patricia Wagner vom Internet-Verband Eco auf Nachfrage.

Dafür, dass in Deutschland nur eine vergleichsweise geringe Zahl offener Hotspots existiert (etwa 15 000 im Vergleich zu 200 000 in Großbritannien), gibt es einen einfachen Grund: die Störerhaftung. Letztlich ist danach der Anschluss-Inhaber für alles verantwortlich, was über sei­nen Zugang gemacht wird. Das schreckt ab. Freifunk hingegen genießt, wie alle anderen Internet-Anbieter, das sogenannte Provider-Privileg, und ist als solcher nicht haftbar zu machen.

Was sich im Münsterland ganz ordentlich entwickelt, soll bald in ganz NRW mit Wucht Platz greifen: Anfang des Jahres ging NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in die digitale Offensive: Bis 2018 soll danach nicht nur landesweit und flächendeckend das schnelle Internet verfügbar sein, auch der „kostenlose Internetzugang in Fußgängerzonen und öffentlichen Räumen muss künftig normal sein“, sagte sie Anfang des Jahres. Und findet dabei durchaus Rückendeckung: So will der Kabelnetzbetreiber Unitymedia bis Ende dieses Jahres sein offenes WLAN in 100 NRW-Städten ausgerollt haben. Vor wenigen Tagen schaltete das Unternehmen in Münster die ersten elf Hotspots frei. Weitere sollen folgen.

Im ländlichen Münsterland spottet die Wirklichkeit über das Klischee: Gerade die kleineren Städte und Gemeinden auf dem platten Land seien in Sachen freies WLAN oft ganz weit vorne, sagt Freifunker Otter. „Da gibt es noch funktionierende Dorfgemeinschaften, die machen dann schnell geschlossen mit.“ Rorup bei Dülmen sei so ein Beispiel, oder auch Lüdinghausen. Und selbst die Politik setzt inzwischen vielerorts aufs freie WLAN.

Otters Zwischenbilanz: Die Region hat sich in Sachen freies WLAN auf den Weg gemacht. „Das Tempo, mit dem es sich verbreitet, nimmt zu.“ Das gehe inzwischen so weit, dass sich die Freifunker Sorgen machen, dass die Infrastruktur womöglich nicht schnell genug mitwächst.


Nachtrag: Auch in Billerbeck gibt es freies WLAN. Das betonte Bürgermeisterin Marion Dirks. In unserer in der Mittwochausgabe veröffentlichten Grafik zum Thema freies WLAN im Münsterland ist das Städtchen im Kreis Coesfeld irgendwie durch den Rost gefallen: Billerbeck tauchte dort nicht auf. Darum reichen wir die Information auf diesem Wege gerne nach. 

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