Registrierungsstelle am FMO
„Und woher kommen Sie?“

Greven -

Ein bisschen verloren stehen die Menschen am ersten Tag in diesem riesigen strahlend weißen Messezelt am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Mütter umklammern kleine Kinder, Väter schauen sich unsicher um.

Mittwoch, 23.09.2015, 07:09 Uhr

Früher Bundeswehr, jetzt Flüchtlingshelfer: Martin Fuchs (r.) ist einer der Helfer, die in Greven bei der Registrierung der Asylsuchenden helfen.
Früher Bundeswehr, jetzt Flüchtlingshelfer: Martin Fuchs (r.) ist einer der Helfer, die in Greven bei der Registrierung der Asylsuchenden helfen. Foto: Jürgen Peperhowe

Seit Dienstag werden die Asylsuchenden in Greven zen­tral registriert. Die Einrichtung ist eine von dreien in NRW – und ein Gebot der Not.

Allein in der vergangenen Woche kamen 14 000 Asylsuchende nach NRW. In dieser Woche sagen die Prognosen 17 000 voraus. Die fünf Erstaufnahmeeinrichtungen sind mit der Erfassung der Menschen längst hoffnungslos überfordert. Bis zu sechs Wochen warten die Flüchtlinge inzwischen in den Notunterkünften darauf, dass ihre Personalien aufgenommen werden – und sie offiziell ihren Asylantrag stellen können. Mit den drei zentralen Registrierungsstellen in Greven, Herford und mutmaßlich Bonn soll das Verfahren flotter werden.

Registrierungsstelle für Flüchtlinge geht an den Start

Kosten für ein Zelt: über 10 000 Euro am Tag

Montag Probelauf, Dienstag offizieller Start – mit leichtem Holpern: der Strom fiel zunächst aus. 150 Flüchtlinge sind um 8 Uhr mit drei Bussen aus Selm-Bork nach Greven gebracht worden. In einem ersten Zelt werden sie verpflegt, im zweiten dann registriert. „Danach werden sie zurückgebracht und irgendwann dann auf die Gemeinden ver­teilt“, sagt Christian Stuhldreier von der Bezirksregierung in Arnsberg.

Registrierungsstelle

Weil die vier Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes durch die Vielzahl an Flüchtlingen überfordert sind, ist NRW dazu übergegangen, die Menschen zentral zu registrieren. Das ist aus drei Gründen wichtig. Zum einen rein formal: Der Staat muss wissen, wer sich im Land aufhält. Zudem anderen rechtlich: Das Asylverfahren kann erst nach der Registrierung beginnen. Bislang warten die Flüchtlinge bis zu sechs Wochen auf ihre Registrierung. Da wurde bisher Zeit verschenkt. Es gibt aber noch einen dritten Punkt. Die Quote: Knapp 21 Prozent aller Flüchtlinge kommen nach NRW. Um zu wissen, wie viele täglich kommen dürfen, muss das Land wissen, wie viele schon da sind.

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165 mal 50 Meter misst das größte der vier Zelte. Darin fand unlängst eine Auto-Zubehör-Messe statt. Für die Bezirksregierung in Münster ein Glücksfall, für den Besitzer ein gutes Geschäft. Die Behörde mietete das Ensemble bis Mitte 2016. „Zunächst hatten wir überlegt, dort Notunterkünfte einzurichten“, sagt Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller . Allein das größte Zelt kostet im Monat 320 000 Eu­ro.

An Tag eins sitzen Polizisten neben Zivilisten hinter den 50 Schaltern. Die Beamten schulen die Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma, die demnächst die Daten der Flüchtlinge aufnehmen und in das zentrale System eingeben sollen. Angesichts der Masse an Asylsuchenden sei es inzwischen schwer, Hilfskräfte zu gewinnen, sagt Reiner Dewulf, Dezernent bei der münsterischen Bezirksregierung. Zwar organisiere das Land auf allen Ebenen mobile Teams. „Aber viele Helfer seien durch den Dau­ereinsatz ausgelaugt.“

Einer, der sich vergangene Woche spontan für die Aufgabe in Greven gemeldet hat, ist Martin Fuchs aus Greven-Gimbte. Der pensionierte Berufssoldat hatte das Inserat der Zeitarbeitsfirma gelesen und sich beworben. „Sieben Tage in der Woche Rasenmähen ist auf Dauer langweilig“, sagt er. Nun sitzt er hinter einer Plexiglas-Scheibe und nimmt gerade die Daten einer Familie aus Albanien auf. „Was man hier sofort spürt“, sagt er, „ist die Dankbarkeit der Menschen.“

Ausbau möglich

Bis zu 1000 Flüchtlinge sollen in Greven pro Tag registriert werden, wenn sich das System eingerüttelt hat. Steigt die Zahl der Asylsuchenden weiter, könnte auch in Greven an der Schraube gedreht werden. Was auch ginge: Das große Zelt wird derzeit nur zur Hälfte genutzt. Da ist also noch Luft.

Kommentar

Trotz großer Schwierigkeiten bei der Flüchtlingskrise gibt es eine gute Nachricht, meint unser Redakteur Elmar Ries: Es funktioniert noch .

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Für den Fall, dass die Kapazitäten reichen, gibt es ei­nen Plan B. „ Es gibt Überlegungen, dass ein Ableger des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge herkommt“, sagt Feller. Damit die Menschen nach der Registrierung sofort ihre Asylanträge stellen können.

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