Prozessbeginn
Klägerin will 750.000 Euro für lahmendes Pferd zurück

Osnabrück -

(Aktualisiert um 17.45 Uhr) „Londontown S” hätte bei Grand-Prix-Turnieren im Dressurreiten groß raus kommen sollen. Für 750.000 Euro wechselte das Pferd den Stall und ist nun ein Fall fürs Gericht.

Montag, 28.09.2015, 14:09 Uhr

Vor dem Landgericht in Osnabrück wurde am Montag über die Klage einer Reiterin verhandelt, die sich beim Kauf eines 750 000-Euro-Pferdes betrogen fühlt. (Symbolbild) Colourbox.de
Vor dem Landgericht in Osnabrück wurde am Montag über die Klage einer Reiterin verhandelt, die sich beim Kauf eines 750 000-Euro-Pferdes betrogen fühlt. Foto: Colourbox.de

„Londontown S“ hätte bei Grand-Prix-Turnieren im Dressurreiten groß raus kommen sollen. Als er neun Jahre alt und vier Jahre bei einem der renommiertesten Unternehmen Deutschlands in Hagen a.T.W. ausgebildet worden war, fiel der Blick einer Schweizerin auf den Wallach, die das Pferd kaufte – für 750 000 Euro plus Steuern. Jetzt steht „Londontown S“ in Everswinkel in einem Stall und fristet ein wenig beachtetes Dasein.

Am Montag hat das Landgericht in Osnabrück über das Tier beraten. Denn: Aus der Karriere ist nichts geworden. Mit einem geschwollenen rechen Vorderbein steht das Tier herum, aus der erhofften Grand-Prix-Karriere im Reitzirkus ist nichts geworden. Nun will die Pferdebesitzerin ihr Geld zurück haben und das Pferd zurückgeben.

Die Schweizerin klagt gegen den Pferdehändler und den Tierarzt der Tierklinik in Telgte , der das Tier nach Darstellung der Klägerin durch die übliche Ankaufuntersuchung geschleust hat. Eine Absplitterung im Huf und ein Problem mit dem Genick sind bei der Untersuchung inklusive Ultraschall und Röntgenaufnahme aufgefallen. Aber das Problem mit dem rechten Bein sei kein Thema gewesen, sagt die Klägerin.

Der Tierarzt widersprach vor Gericht vehement: „Das Bein war an diesem Tag ohne Befund“. Es habe vielleicht eine „minimale Füllung der Sehnenscheide“ gegeben, die aber nicht bemerkenswert und „leicht verstreichbar“ gewesen sei. „Das hat mich positiv gestimmt“, meinte der Tierarzt vor dem Landgericht. Schließlich hätte ihn die Käuferin wiederholt auf die Probleme an der Fessel des Vorderbeins hingewiesen.

Dass „Londontown S“’ rechtes Bein nach dem Training regelmäßig gekühlt worden sei, war nach Angaben seiner Trainer und Reiter völlig üblich und so normal wie das Eisbad von Höchstleistungssportlern. Die Schweizerin kannte den Fuchs angeblich aus dem Eff-Eff. Nach Worten des Pferdehändlers hätte sie das Tier mehrmals geritten und noch öfter in Hagen a.T.W. gesehen.

Die Schweizerin vermutet dagegen, dass ihr bewusst ein krankes Tier untergejubelt worden ist. Ihr Anwalt ist überzeugt, dass das Tier schon ein Dreivierteljahr vor der Untersuchung in Telgte gelahmt hat. Dem hat ein Ausbilder des Tieres widersprochen. Noch im Mai 2013, also vier Monate vor der Untersuchung durch den Tierarzt, sei das Tier in Lübeck zu einem hochklassigen S-Turnier angetreten. Und auch ein anderer Trainer des Tieres meinte zu den Qualität des Wallachs: „Er sei „super zu reiten“ und von „außerordentlicher Rittigkeit“ gewesen. Dass das Tier schon vor der Behandlung in Telgte gelahmt hat, schloss er ausdrücklich aus.

Welche der beiden Seiten nun recht hat, blieb im Gerichtssaal ungeklärt. Deswegen soll nun ein Sachverständiger prüfen, ob der Arzt bei der Untersuchung von „Londontown S“ alles richtig gemacht hat oder nicht.

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