Erfolgsmodell Bürgerbus in NRW
Wenn Bürger für Bürger fahren

Münsterland -

1985 wurde der bundesweit erste Bürgerbus zwischen Heek und Ahaus in Betrieb genommen, gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen. Noch heute ist NRW Vorreiter ei­ner Bewegung der Bürger, die für Bürger fahren.

Montag, 02.11.2015, 08:11 Uhr

Der Fahrplan des Bürgerbusses im Westmünsterland: Seit 30 Jahren fahren hier Bürger für Bürger. Das Projekt ist ein Erfolgsmodell. Inzwischen fahren 121 Bürgerbusse durch NRW. Nur vier Linien mussten bisher eingestellt werden.
Der Fahrplan des Bürgerbusses im Westmünsterland: Seit 30 Jahren fahren hier Bürger für Bürger. Das Projekt ist ein Erfolgsmodell. Inzwischen fahren 121 Bürgerbusse durch NRW. Nur vier Linien mussten bisher eingestellt werden. Foto: dpa

„Steig lieber mit ein, Sarah. Sonst kommst Du gar nicht nach Asbeck“, ruft Hildegard Klöpper durch die geöffnete Bustür. Das Mädchen lächelt die Fahrerin dankbar an und setzt sich auf einen der acht Plätze. Klöpper kennt die meisten ihrer Fahrgäste mit Namen. Sie weiß, wer gern ein Schwätzchen hält oder lieber in Ruhe gelassen werden will und wer wo ein- und aussteigt. Schon vor 30 Jahren, als der deutschlandweit erste Bürgerbus zwischen Legden/Heek und Ahaus (Kreis Borken) seinen Dienst aufnahm, saß die heute 76-Jährige hinterm Steuer.

Was 1985 als Projekt der Landesregierung begann, hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. 121 Bürgerbusse fahren inzwischen durch das größte Bundesland. Nur vier Linien mussten in den vergangenen 30 Jahren eingestellt werden. Auch in anderen Bundesländern finden sich immer mehr Nachahmer. Deutschlandweit sind laut Dachverband Pro Bürgerbus NRW e.V. 260 Bürgerbusse unterwegs.

„Ich war erst skeptisch, ob ich das wohl kann mit so ei­nem großen Auto, aber mittlerweile ist es Routine“, erzählt Klöpper. So sehr, dass sie der Linienstrecke oft auch unbewusst privat folge, obwohl andere Wege kürzer wären. Mindestens einmal die Woche macht die Rentnerin ehrenamtlich die zweistündige Tour.

„Bürger fahren für Bürger“ – diesem Motto ist die Bür­gerbus-Bewegung stets treu geblieben. „Wir sind keine Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr. Wir fahren dorthin, wo die normalen Busse nicht hinkommen, weil das für sie nicht wirtschaftlich wäre“, erklärt Franz Heckens, der Vorsitzende von Pro Bürgerbus NRW e.V. Natürlich sei der Bürgerbus dank des ehrenamtlichen Engagements günstiger als der ÖPNV. „Es besteht immer die Versuchung, mit einem Bürgerbus den städtischen Haushalt zu entlasten“, sagt Heckens. Dafür wollten sich die Fahrer jedoch nicht einsetzen. „Der Bürgerbus ist immer nur ei­ne Ergänzung der bestehenden Angebote, Arbeitsplätze dürfen dadurch nicht gefährdet werden.“

Dass gerade Nordrhein-Westfalen zum Vorreiter der Bürgerbus-Bewegung wurde, ist sicherlich auch dem Engagement der Landesregierung zu verdanken, die vor 30 Jahren das Vorbild des „Buurtbus“ aus den benachbarten Niederlanden nach Deutschland übertragen wollte. Insgesamt fünf Pilotprojekte wurden damals initiiert – alle existieren noch heute.

Das Land fördert die Neuanschaffung von Bürgerbussen mit 40 000 Euro, behindertengerechte Fahrzeuge werden mit 55 000 Euro bezuschusst. Auch jeder Bürgerbusverein erhält in NRW im Gegensatz zu anderen Bundesländern 5000 Euro pro Jahr. Er organisiert den Betrieb, wirbt neue Fahrer an und stellt Dienstpläne auf. Das Verkehrsunternehmen vor Ort ist Konzessionsinhaber und Eigentümer des Busses, die Gemeinde verpflichtet sich, eventuelle finanzielle Defizite zu übernehmen.

Inzwischen ist der Bürgerbus in Ahaus angekommen. Gerda Emmerling steigt aus, sie hat hier Termine. „Um 17 Uhr fahre ich wieder mit euch zurück“, ruft sie.

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