Studie
Was das Abwasser über Dülmens Drogenkonsum verrät

Dülmen -

Gekifft wird in Dülmen die ganze Woche, Aufputschmittel wie Speed und Kokain nimmt man aber eher am Wochenende. Zu diesem Ergebnis kommt man, wenn man sich die Ausscheidungen der Dülmener anschaut.

Freitag, 06.11.2015, 23:11 Uhr

Cannabiskonsum
Kiffen nur am Wochenende? Nein, der Cannabiskonsum in Dülmen, das zeigt eine Studie, bleibt über die Woche relativ konstant. Foto: Colourbox.de

Forscher des von der EU-Kommission finanzierten Projekts „Sewprof“ nahmen im letzten Jahr in 50 europäischen Städten Abwasserproben und suchten darin nach Drogenrückständen. Der große Vorteil der Methode: Während in Fragebögen kaum wahrheitsgetreue Antworten von Drogenkonsumenten zu erwarten sind, lassen die über den Urin ausgeschiedenen Stoffe unverfälschte Schlüsse zu. Die Ergebnisse der Studie sind deshalb teilweise richtig überraschend.

Aber eben nur teilweise überraschend. So liegt Amsterdam - wer hätte es gedacht? -  beim Cannabiskonsum weit vorne. 469 Milligramm der Spurenstoffe lassen sich dort pro 1000 Einwohner täglich nachweisen. Dabei dürften die Ausscheidungen von Touristen, die sich in der niederländischen Metropole berauschen, einen gehörigen Teil zu den hohen Werten beitragen.

Dreimal so viel Speed wie in Dresden oder München

Und in Deutschland? Hier wurden fünf Städte untersucht: Berlin, München, Dresden, Dortmund - und eben Dülmen

Europas Drogen-Metropolen

Auf einer interaktiven Europakarte werden die Drogen-Messwerte übersichtlich illustriert.

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Die mit rund 46.000 Einwohnern größte Stadt im Kreis Coesfeld fand ihren Weg in die Studie übrigens, weil hier das Abwasser intensiv auf Rückstände untersucht hat - um Medikamenten-Rückständen auf die Spur zu kommen.

In Dülmen wurden, wenn man die geringe Einwohnerzahl berücksichtigt, außergewöhnlich viele Rückstände der Droge Speed gefunden. Im europäischen Vergleich landet Dülmen auf dem 13. Platz, die Amphetamin-Menge (67,6 mg pro 1000 Einwohner und Tag) ist knapp dreimal so hoch wie in Dresden (22) oder München (22,2).

Bei Kokain und Ecstasy liegt die Stadt hingegen eher im hinteren Bereich. Rückstände von Crystal Meth ließen sich gar nicht nachweisen.

Konstanter Cannabis-Pegel

Auch beim Cannabis (34,5 mg pro 1000 Einwohner und Tag) reiht sich Dülmen bei der aktuellen Messung auf den hinteren Plätzen ein. Im Vorjahr sah das noch ganz anders aus. Da lag Dülmen (59,8) noch in der europäischen Spitzengruppe (Platz 13).

Auffällig: Während die Menge der Rückstände im Abwasser bei den anderen Drogen am Wochenende nach oben schnellen, bleibt der Cannabis-Pegel relativ konstant. So liegt der Donnerstagswert (31,79) nur knapp 30 Prozent unter dem Spitzenwert vom Samstag (41,59).

Warum Dülmen in der Studie auftaucht? Der für die Abwasserentsorgung in Dülmen zuständige Lippeverband hatte den Schweizer Forschern erlaubt, Proben im Zulauf der Kläranlage zu nehmen. Erstmals geschah dies 2013, zuletzt 2014. Die aktuellen Zahlen wurden dann im Sommer 2015 veröffentlicht .

Auswirkungen der Spurenstoffe

Sind die Rückstände im Abwasser ein Problem? „Für uns nicht“, sagt Ilias Abawi, Pressesprecher des Lippeverbands. Denn zum einen würden durch moderne Kläranlagen 70 Prozent der Spurenstoffe aus dem Wasser herausgefiltert, und zum anderen wird aus dem Abwasser in Dülmen kein Trinkwasser erstellt.

In einem eigenen Projekt hat der Lippeverband in den letzten Jahren in Dülmen versucht, Spurenstoffen im Abwasser zu erforschen, allerdings ging es dabei um die Rückstände von Medikamenten. Diese Spurenstoffe gäben durchaus Anlass zur Sorge und beeinflussten die Ökosysteme, sagt Ilias Abawi. So sei nachgewiesen, dass Fische durch Rückstände der Antibabypille im Wasser zunehmend verweiblichen. Das gehe zum Teil so weit, dass sich die Tiere nicht mehr fortpflanzen könnten.

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