Such nach „Münsterlandmörder“
40 Jahre nach Anhalter-Morden: Neue Schlüsse aus alten Hinweisen

Münster/Nordhorn -

Von November 1971 bis Oktober 1974 werden im Münsterland vier Frauen umgebracht. Sie alle sind jung und dunkelhaarig und sie sind zu ihrem Mörder ins Auto gestiegen. Alles spricht dafür, dass sie der gleiche Täter ums Leben gebracht hat. Der Mann wird damals schnell als „Münsterlandmörder“ bezeichnet. Unsere Zeitung nimmt die Fälle gemeinsam mit der Kripo erneut auf.

Mittwoch, 02.12.2015, 10:10 Uhr
Such nach „Münsterlandmörder“ : 40 Jahre nach Anhalter-Morden: Neue Schlüsse aus alten Hinweisen
Vier junge Frauen wurden von November 1971 bis Oktober 1974 umgebracht, eine Leiche wurde in einem VW Käfer gefunden. Foto: Polizei, Grafik: Lisa Stetzkamp

Die jungen Frauen waren wohl alle arglos zu ihrem Mörder ins Auto gestiegen. Kriminalhauptkommissar Joachim Poll aus Münster ist aufgrund der Aktenlage überzeugt: „Alle vier Opfer wurden wohl sehr früh nach ihrem Verschwinden getötet.“ Das sieht auch Alois Krone aus Nordhorn so. Der Kriminalkommissar im Ruhestand hatte die Fälle gemeinsam mit Johann Goldenstein (Erster Kriminalhauptkommissar im Ruhestand) aufgenommen und mehr als 900 Spuren allein im „Mordfall Erika Kunze“ verfolgt.

Suche nach dem „Münsterlandmörder“

1/13
  • Mit diesem Phantombild hat die Polizei den Täter gesucht. Er müsste jetzt Mitte bis Anfang 60 sein.

    Foto: Polizei
  • Edeltraud van Boxel aus Münster ist 1971 wohl das erste Opfer des „Münsterlandmörders“.

    Foto: Polizei
  • Die schwarze Tasche des Mordopfers.

    Foto: Burkert, Steffen
  • In einem VW-Käfer wurde das Opfer transportiert.

    Foto: Jürgen Lüken
  • Barbara Storm wurde nur 20 Jahre alt. Sie starb zwischen dem Abend des 15. Mai und dem 17. Mai

    Foto: Polizei
  • Die weinrote Handtasche von Barbara Storm bleibt verschwunden, ebenso ein weiß-rotes Kosmetiktäschchen. Die Handtasche war aus Kunstleder (Skai) mit langem Schulterriemen.

    Foto: Polizei
  • Dieses Plakat hat Kriminalhauptkommissar Poll schon als Achtjähriger berührt.

    Foto: Westörp, Werner
  • Marlies Hemmers aus Nordhorn wollte nach Wien trampen. Nahe Dülmen wurde ihre Leiche gefunden.

    Foto: Polizei
  • In der Franzosenschlucht trennt sich Marlies Hemmers von ihrem Freund, um alleine weiterzureisen.

    Foto: GN-Archiv
  • Das vierte und letzte Opfer im Rahmen der Mädchenmorde im Münsterland war im Oktober 1974 Erika Kunze.

    Foto: Polizei
  • Das Buch „Jugend und Krise“ von Erik H. Erikson hatte sich Erika Kunze am Tag ihres Verschwindens in der Unibücherei ausgeliehen.

    Foto: Westdörp, Werner
  • Eine Plastiktasche mit Blütenmuster, mit der Erika Kunze Bücher transportierte.

    Foto: Polizei
  • An den schwarz markierten Orten wurden die vier Frauen zuletzt gesehen, die roten Punkte kennzeichnen die Leichenfundorte.

    Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

„Insgesamt hat es mehrere Tausend Hinweise gegeben“, sagt Kriminalhauptkommissar Eckhard Klemp, der immer mal wieder die Unterlagen der ungelösten Mordfälle durchgeht oder nach Hinweisen von Kollegen aus ganz Deutschland Abgleiche vornimmt. „Morde werden eh zu 95 bis 98 Prozent geklärt, sagen Klemp und Kollegen. Die Unterlagen zu den „Anhaltermorden im Münsterland“ sind auch immer wieder hervorgeholt worden.

Ordner voller Hinweise

Zur Autorin

Die Autorin dieses Textes und der verknüpften Artikel ist stellvertretende Chefredakteurin der Grafschafter Nachrichten (GN) in Nordhorn. Die Texte erscheinen in einer gemeinsamen Initiative in den GN, der Neuen Osnabrücker Zeitung und unserer Zeitung.

...

In den 70er Jahren seien Memos noch mit Schreibmaschine auf Karteikarten geschrieben, Hand- und Spurenakten geführt worden, erzählt Alois Krone. Dicke Ordner kamen so zusammen. Von Auswertungen gefundener Fasern oder gar dem Vergleich menschlicher DNA war man damals meilenweit entfernt. „Heute hat man so sehr viele Möglichkeiten mehr“, stellt Alois Krone fest. „Früher war man sehr viel stärker auf seine Intuition angewiesen.“

Für Joachim Poll von der Polizei in Münster war der Mord an Barbara Storm im Mai 1972 so etwas wie ein Schlüsselerlebnis. „Ich war damals acht Jahre alt“, erinnert sich Poll, ein gebürtiger Schüttorfer: „Überall haben die Fahndungsplakate gehangen. Es ging eine unheimliche Furcht in der Stadt um.“ Ihn habe diese Erinnerung nie losgelassen. Umso mehr ist er auch heute noch an diesem und den drei anderen Morden dieser Serie inter­essiert.

Polizei will 40 Jahre zurückliegende Mordfälle klären

Neue Schlüsse aus alten Hinweisen

Vor nicht allzu langer Zeit öffnete Poll erneut die Kisten mit den Asservaten. „Es ist enorm, was die Kollegen damals mit ihren im heutigen Vergleich bescheidenen Möglichkeiten, geleistet haben“, sagt Poll.

Hinweise

Hinweise nehmen entgegen:
Polizei Emsland-Grafschaft Bentheim: Telefon (05 91) 870 oder KHK Eckhard Klemp: (05 91) 8 73 15
Polizei Münster: Telefon (02 51) 27 50 oder KHK Joachim Poll: (02 51) 275 22 44

...

Selbst kleinste Spuren wie Haare oder Erdproben vom Leichenfundort seien akkurat verpackt, zum Teil sogar in Gläsern aufbewahrt worden. Er habe die Spuren daher zur Auswertung geben können und vom Landeskriminalamt erfahren, dass dabei „richtig fettes Spurenmaterial“ gewesen sei. Sollten die Computervergleiche bald oder in Zukunft einen „Treffer“ zutage fördern, könnte dies möglicherweise die Wende bei den Ermittlungen herbeiführen.

„Aus alten Spuren können heute neue Schlüsse gezogen werden“, ist auch Johann Goldenstein überzeugt. Er, Krone, Klemp, Poll und auch die Staatsanwaltschaften Osnabrück und Münster hoffen, dass es heute vielleicht neue Hinweise auf den Täter gibt. Sei es, dass er in einem „schwachen Moment“ gegenüber Bekannten Hinweise gegeben hat, sei es, dass ihn das Gewissen plagt oder aber er noch immer „Trophäen“ seiner Morde besitzt, deren Hintergrund Familienangehörige oder Freunde bisher nie einschätzen konnten.

Die vier „Münsterlandmorde"

Sowohl Alois Krone, der den größten Teil der Ermittlungen mehr als 35 Jahre lang begleitet hat, als auch seine Kollegen, sind überzeugt, dass es sich bei diesen vier Frauenmorden um eine Serie gehandelt hat:

► Am Abend des 21. November 1971 verschwand am Straßenstrich in Münster die 23-jährige  Edeltraud van Boxel . Bereits kurz vor Mitternacht wurde ihre Leiche in einem Wald bei Burgsteinfurt gefunden.

► Am 15. Mai 1972 gegen 22.30 Uhr wurde  Barbara Storm  beobachtet, wie sie in Begleitung eines Mannes die Diskothek „Tenne“ in Rheine verließ. Man fand sie zwei Tage später, ermordet, nahe Schöppingen.

►  Marlies Hemmers  wurde am 6. August 1973 gegen 7 Uhr in der Franzosenschlucht in Bad Bentheim beim Trampen gesehen. Ihre Leiche wurde zwei Tage vor Weihnachten im Merfelder Bruch bei Dülmen entdeckt.

►  Erika Kunze  stand zuletzt am 22. Oktober 1974 gegen 15 Uhr an der Steinfurter Straße in Münster, um nach Hause nach Nordhorn zu trampen. Gefunden wurde ihr Leichnam am 29. Oktober im Samerott in der Grafschaft Bentheim.

Aktenzeichen XY... ungelöst

Am 11. April 1975 berichtete Eduard Zimmermann in „Aktenzeichen XY… ungelöst“ über die Mordserie. Das Drehbuch hatte damals Irene Schmidt, heute stellvertretende Chefredakteurin der Grafschafter Nachrichten, geschrieben.

Als Ermittler im Studio stellten die Kommissare Wils aus Münster und Goldenstein aus Nordhorn ihre Fragen. Was sie da noch nicht wissen konnten: Mit dem Mord an Erika Kunze endete die Serie im Kreis Steinfurt. Im September 1975 gab es jedoch eine Anhäufung vom vier weiteren Frauenmorden im Raum Heidelberg .

Theorien zum Mörder

Alois Krone hält es für sehr gut möglich, dass der Münsterland-Mörder den Standort gewechselt hat. In der Theorie halten sie verschiedene Konstruktionen für denkbar:

► Der Mörder war Anfang der 70er Jahre ein junger Mann mit Führerschein, der zuerst in Münster und dann in Heidelberg studiert hat;

► oder er war Vertreter für Textilfirmen und pendelte anfangs zwischen Münster und dem Kreis Steinfurt.

► Vielleicht gehörte er auch zur Bundeswehr oder zum amerikanischen Militär und war in Einheiten in Rheine, Münster und/oder auch Heidelberg stationiert.

In einer weiteren "Aktenzeichen XY"-Sendung aus dem Jahr 1977 wurde die Öffentlichkeit erneut um Hinweise gebeten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3662078?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F4848633%2F4848634%2F
Münsters Schnäuzer auf Platz eins
Erst am Monatsende wird rasiert. Die Männer von „Münster‘s Finest“ lassen sich für die „Movember“-Bewegung einen Schnäuzer wachsen, um auf die Männergesundheit aufmerksam zu machen. Im nationalen Ranking bei den Spendengeldern belegen sie Rang eins.
Nachrichten-Ticker